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Video-Filmkritik: „Alita“ : Crash-Kurs in Mädchenmechanik

Bild: 20th Century Fox

Chrom im Blut, Licht in den Fingerspitzen: „Alita – Battle Angel“ ist der beste Menschmaschinenfilm, seit der Terminator rostet und gegen Robocop wegen Extremismus im Polizeidienst ermittelt wird.

          Tonnenschwerer Metallmüll rieselt durch den Nabeltrichter der Himmelsstadt Zalem (auch: Salem, früher: Tiphares) abwärts wie Blattgoldschuppen, die vom Schild der Sonne flocken. Unten lärmt die Eisenwelt, oben glänzt die Sonnensiedlung. Man denkt an die Betongebirge von „Metropolis“ (1927), an die satanische Urbanomik von „Blade Runner“ (1982) oder „Dark City“ (1998). Eine Fabrik sieht hier aus wie ein Bienenstock für Ernst Jüngers gläserne Bienen. Da werkeln und rotieren Verbundmonster aus Menschenhirn und Prozessor, röhrenförmige Deckroboter mit Spangenfressen. Schaut man sich die Zone beispielsweise vom Dach einer verlassenen Kirche aus an, kann man die Bahnlinien für druckwasserreaktorbetriebene Lokomotiven ausmachen, die zwischen dem Schrottbezirk einerseits, Farmen und Fertigungshallen andererseits hin und her fahren.

          Dietmar Dath

          Redakteur im Feuilleton.

          Man muss die Hydrowand mit zusammengekniffenen Augen suchen, die einen von Magnetpumpen zwanzig Meter in die Höhe gepumpten Schutzwall aus zäher Flüssigkeit um die Ruinen aus staubigem Geröll und geschmolzenem Gallium bildet. Das alles strahlt nachts „millionenwattlichtig“ und ist ein „Kraterland“, wie es der linke Futurist Wladimir Majakowski vorausahnte, aber auch ein „engmaschiges Netz von Bildern und Analogien“, wie das der rechte Futurist Filippo Tommaso Marinetti antizipierte. Man kann diese Welt, die jetzt ein Film ist, als gezeichnete kennen, schwarzweiß auf Papier, manchmal von kalligraphischem Feuer gefressen, dessen Kritzelzeichen Stein, Fleisch und Gedanken verzehren können. Ihr Schöpfer ist Yukito Kishiro, ein japanischer Mangakünstler, und der Comic dazu heisst „GUNNM“ („Ganumu“ also: „Feuerwaffentraum“). Bei uns nennt man ihn allerdings „Alita“, weil so die Person heißt, um die es geht, die wichtigste Bewohnerin der geschilderten Gegend, ein Mensch, eine Maschine, beides, keins von beidem (und „Alita“ ist nicht einmal ihr wahrer Name, aber Wahrheit hat in ihrer Welt wenig Wert).

          Sie beherrscht die „Panzerkunst“, ein im motorischen Gedächtnis stets sprungbereit aufgerolltes Reflexbündel verheerender Kampftechniken. Alita weiß nicht, woher die tödliche Grazie kommt, die ihr Zeichner ihr mitgegeben hat wie sein Westkollege Steve Ditko dem Superhelden Spider-Man: Spindelkreiselrausch, gestreckte Körperkerze, boxen, keilen. Alita weiß nur, dass es für sie ein Leben vor der Wiedergeburt gegeben hat, mit der ihr Manga wie dessen neue Verfilmung beginnt (es gibt noch eine alte, nämlich einen etwas holprigen Animefilm aus dem Jahr 1993).

          Diese Wiedergeburt wird als Bergung vollzogen: Ein Mann namens Dyson (im Manga: Daisuke) Ido, der zugleich Arzt und Ingenieur ist, findet ihren Kopf auf dem Schrottplatz und baut ihr dazu einen Körper, später findet sie einen, den sie wiederzuerkennen glaubt, von dem sie meint, er entspräche ihrem Wesen, aber was ist das, ihr Wesen? Die Spuren des Vorherigen (war sie Soldatin? Auf dem Mond, auf dem Mars?) in ihrem Gedächtnis sind von Hochfrequenzschocks längst zu Feinstaub zerrieben. Das mechanische Mädchen spielt im Film Rosa Salazar, den Ziehvater Christoph Waltz. Die komplizierte Beziehung der beiden trägt dieses Drama. Hollywood grundiert dieses Duett mit der als besonders wichtig ausgeflaggten Feststellung, der Puppenmacher habe eine leibliche Tochter verloren und in seiner Schrottplatztrophäe wiederentdeckt. In Kishiros Bildroman ist die Sache intelligenter angelegt, dort äußert Ido das geheime Glaubensbekenntnis aller obsessiven Technosophen, wirklich wertvoll sei nur, was man selbst geschaffen hat.

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