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Video-Filmkritik zu „Coco“ : Hochstimmung im Totenreich

Bild: Disney/Pixar/dpa

Amerikanische Liebeserklärung an Mexiko: Mit „Coco“ hat das Animationsstudio Pixar nach langer Zeit wieder ein Meisterwerk geschaffen.

          Das ist seit langem, seit der in ihrer Unterschiedlichkeit nachgerade unglaublichen Trias aus „Wall.E“ (2008), „Oben“ (2009) und „Toy Story 3“ (2010), der erste rundum überzeugende Pixar-Film. Und ein überzeugender Pixar-Film, das will heißen: einer, der die Trickfilmwelt neu erfindet. Dem jüngsten Werk des zum Disney-Konzern zählenden Studios gelingt das nicht auf technischem Wege, sondern mit der Kraft erzählender Phantasie. Und mit einem Mut, dessen ganzes Ausmaß nur dadurch zu erklären ist, dass hier freiwillige und unfreiwillige Courage zusammengekommen sind.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          „Coco“ heißt der am Donnerstag in die Kinos gelangende Film, und es braucht den deutschen Untertitel „Lebendiger als das Leben“ gar nicht, um dieses Musik-, Farben- und Witzwunder zu charakterisieren: Einen lebendigeren Film von der ersten Minute an kann man sich nicht wünschen. Dabei geht es auf dem Friedhof los, einem denkbar unwahrscheinlichen Setting für eine Kinogattung, die das Lebendige schon in der Bezeichnung trägt: Animation. Und die sich mit ihren kommerziell erfolgreichsten Hervorbringungen – und dazu zählen Pixar-Produktionen zuverlässig – traditionell an die ganze Familie richtet, weshalb Disney in Deutschland die Tradition des Weihnachtstrickfilms etabliert hat, der nicht missverstanden werden darf als ein Film über Weihnachten, sondern der zum Jahresende in die Kinos kommt, wenn der Familienfrieden Programm und deshalb jedes gemeinsame Erlebnis willkommen ist. „Coco“ eignet sich dafür perfekt, auch weil er an einem anderen hohen Fest angesiedelt ist, das den Familienzusammenhalt beschwört: den mexikanischen días de los muertos (zu Deutsch den „Tagen der Toten“), die sich vom 31. Oktober bis zum 2. November erstrecken.

          Dass dabei ein Spektakel veranstaltet wird, das sich äußerlich vom wildesten Karneval nur dadurch unterscheidet, dass bevorzugt Skelett- und Geisterkostüme getragen werden, weiß das internationale Kinopublikum spätestens seit dem letzten James-Bond-Film, „Spectre“, dessen Auftaktsequenz mitten im Trubel des Festtags in der Hauptstadt Mexico City spielte. Da war der in einem kleineren Ort, dem fiktiven Santa Cecilia, angesiedelte „Coco“ schon lange in Planung, und das heißt, er ist auch nicht als Reaktion auf die populistischen Abschottungsversuche Donald Trumps entstanden. Dass er jetzt in Amerika in die Kinos gekommen ist, wird jedoch nolens volens auch als politisches Signal gewertet – ist der Film doch eine Liebeserklärung an Mexiko, wie es sie aus Hollywood bislang noch nicht gegeben hat.

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