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„Der traumhafte Weg“ im Kino : Eine Geschichte lässt ihren Trost los

Bild: F.A.Z., Piffl Medien

Angela Schanelecs Film „Der traumhafte Weg“ erzählt von mehreren Jahrzehnten, misslungenen Beziehungen und Blicken aus dem Bild – sehr streng, sehr schön.

          4 Min.

          Früher konnte man beim Telefonieren im Freien noch zusammenklappen, wenn die Nachricht vom anderen Ende der Leitung schlimm genug war. Der öffentliche Fernsprecher blieb an Ort und Stelle und markierte so den Unterschied zwischen einer seelenlosen Maschine und dem beseelten Menschenleib, dem schwindlig werden kann. Heute würde das Handy mit zu Boden gehen und zerbrechen, teurer Plunder, nicht belastbar.

          Dietmar Dath

          Redakteur im Feuilleton.

          Starrheit der Umgebung kann tröstlich sein fürs erschütterte Gemüt, als Hinweis darauf, dass es eine Beständigkeit, eine Ewigkeit gibt, dass das Schlimme vergeht. Nicht nur davon, dass diese Sorte Trost der Welt zusehends abhandenkommt, handelt „Der traumhafte Weg“, aber davon auch. Die Handlung dieses Films wird von Ereignissen, die in der Epoche unmittelbar vor der allgemeinen mobilen Konnektivität spielen, also zum Beispiel vom geschilderten Anruf in der Fremde, nicht wirklich ausgelöst und kommt in anderen, gegenwartsnäheren Ereignissen, die, wie wir Leute heute alle, besser vernetzt sind, nicht recht zur Ruhe. Wer sich eine Nacherzählung dieses Films wünscht, wird leer ausgehen, denn was nicht vorerzählt wird, kann man auch nicht nacherzählen. Die Handlung von „Der traumhafte Weg“ verfehlt sich ausdrücklich selbst, denn Menschen, sagt sie, sind für Verbindungen schlechter geeignet, als sie meist meinen.

          Das könnte ein Komödienstoff sein, aber man kann Komödien, das beweist Angela Schanelec mit diesem Kunstwerk, auch fast ganz ohne Humor und Witze drehen – sie sind dann halt nicht lustig, behalten von der Komödie aber das Wesentliche insofern, als diese Gattung sich über ihre Figuren lieber wundert, als dass sie ihr leidtäten oder sie entsetzten (wie das bei den Tragödien Brauch ist).

          Ein Mann weint beim Essen, es gibt Fleisch mit Pommes und Ketchup, er isst und weint, er lässt sich vom Weinen nicht daran hindern, die Pommes bei der Fahrt über den Teller schön mit Ketchup abzustreichen, und vom Kauen nicht daran zu zittern und zu zucken. Ein andermal legt sich eine Frau ins Moos, und ein Kind fragt mit einer wie aus dem Schattenreich herüberleiernden Stimme nach dem Befinden der Erschöpften. Wäre es eine Komödie, würde das Moos kitzeln. Wenn man sich aber eher geistig und emotional hinlegt als mit Haut und Knochen, kitzelt das Moos nicht.

          Kann man sagen, dass dieser Film an Kitzel und Komik immer knapp vorbeiinszeniert ist, mit Absicht? „Knapp vorbei“ gehört jedenfalls zu den Regieprinzipien, die darin am Werk sind: Oft starren und stieren Leute links oder rechts aus dem Bild, wo gerade irgendetwas Handlungstragendes gesagt oder getan wurde. Dass man den Konstellationen dieser Leute über die Jahrzehnte, die im Laufe des Films zwischen den Bildern versanden, überhaupt folgen kann, ist ein Wunder, denn das alles hängt an sehr zarten Fäden, die dünn sind wie die einzelnen feinen Haare, die einmal ein Windchen davon ablenkt, ihren Job als Bestandteile der Frisur der Schauspielerin Miriam Jakob zu erledigen. Vielleicht ist das Windchen ein Anthroposoph und glaubt, Haare seien Antennen der Psyche.

          Der Film beobachtet geduldig, was so alles geglaubt wird, von Personen und Sachen: Ein Schwimmbecken glaubt, Kinder müssten in ihm selbstvergessen herumtoben, aber die Kinder sind anderer Meinung. Der frömmste Mensch im Film sagt, er sei gläubig, aber sein Gott helfe ihm nicht, er gebe ihm keine Kraft.

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