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„Han Solo“ in Cannes : Allein gegen jede Relevanz

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Seine waghalsigen Stunts kann Solo trotzdem nicht abstellen. Bild: Jonathan Olley /Lucasfilm Ltd.

Kommerzpremiere in Cannes: „Solo: A Star Wars Story“ kann die Kritik nicht ernsthaft nach Absichten der Regie untersuchen. Was soll das aber dann hier? Stars anlocken mit Sicherheit nicht.

          Wenn man das Filmgedächtnis zurückspult bis zum ersten „Star Wars“-Ereignis 1977, begreift man: Das bedeutendste unter all den wunderbar innovativen Elementen des Films war sein Design – nicht das der vage an „Peter Pan“ erinnernden Kostüme von Luke Skywalker und der restlichen rebellischen Wüstenratten, sondern das der Soldatenrüstungen des Imperiums, diese weißen Kühlschrankplatten, die in Wellen über die Leinwand schwappten. Können wir so eine Armee haben? Nur von den Guten befehligt? Und am allerwichtigsten: Wie wäre es mit dem „Millennium Falcon“-Schiff, in dem Han Solo herumflog? Wir wollten Autos, die so waren wie die Raumschiffe in diesem Film. Wir wollten die Erde verlassen und Zeug kaputtschießen. Es kam alles auf uns zu, und „Star Wars“ hat es zuerst gezeigt.

          Ich habe so etwas damals geschrieben, und dass man, wenn man den Film richtig verstehen wollte, einsehen musste, dass die Zeit der Anti-Helden einer neuen Ära der amerikanischen Macht weichen würde – Jimmy Carter war gegessen, Ronald Reagan hatte die Zeichen der Zeit erkannt, auch wenn das meiste davon Marketing war. Jetzt spulen wir 41 Jahre vorwärts zu „Solo: A Star Wars Story“, einem Film, der am Dienstagabend hier in Cannes Premiere hatte. Wenn Sie kein Unabomber sind, der irgendwo in einer Jurte in den Dolomiten lebt (wo manche der Landschaftsaufnahmen für „Solo“ gemacht wurden), dann wissen Sie, dass es neun Kapitel der Geschichte gibt, die um den Ursprung des Ganzen, Episode IV, hin und her pendeln. Im Verlauf der Saga sind Figuren gekommen und gegangen, und diejenigen, die geblieben sind, haben sich meist ausführlich erklärt. Die Serie wurde für die ein bis zwei Generationen, die damit 1977 begonnen haben, zunehmend uninteressanter, so dass nur die ergriffensten Fans aus jener Ära übrig sind. Jüngere ließen sich ansprechen von der veränderlichten und gebrochenen Familienstruktur der Serie, die ihren eigenen Erfahrungen entspricht, und reagieren auch auf die Vorwegnahme der digitalen Welt, die in den frühen Filmen steckt.

          Ich bin nicht sicher, ob das Festival in Cannes, das nach dem bisschen Hollywood-Glanz sucht, den es noch finden kann, von „Solo“ zufriedengestellt wurde. Der Film hat hier kaum eine Welle gekräuselt und einem Ereignis kaum nennenswerte Stars beschert, das ohnehin auf starfreie Diät gesetzt ist, mal abgesehen von der Wettbewerbsjury unter der Leitung von Cate Blanchett, mit Kristen Stewart in einer Nebenrolle.

          Ein Kritiker gab auf Facebook bekannt, er habe eine Pressemitteilung erhalten, die von einer Cannes-Party handelte, auf der „A-List-Berühmtheiten wie Paul Dano, Zoe Kazan, Luke Evans, Imogen Poots und James Norton“ anwesend sein würden. Das ist keine „A-List“, schrieb er, sondern nur „a list“, eine Liste halt. Die Kritik schaut auf Digitalprojektionen und sucht nach Relevanzkrümeln in „Solo“. Okay, wollen Sie wissen, wie Han Solo zu seinem Nachnamen kam? Es ist in diesem Film. Vergessen Sie Spoiler, wir sagen es Ihnen: Er wollte in die Armee, der Aufnahmesergeant fragt ihn, wer seine Leute sind und wie sein Nachname lautet, er sagt, er habe beides nicht, sondern sei nur unterwegs... naja, alleine. Bitte sehr!

          Die rasanten Flüge im Millennium Falcon dürfen natürlich nicht fehlen. Bilderstrecke

          Auf der Jagd nach der Energiequelle des Universums

          Und wie steht’s mit der ersten Begegnung zwischen Han und seinem Freund Chewbacca? Ist auch dabei. Han wird in eine Grube geschmissen, wo Chewbacca Leute frisst. Sie hätten ihn Hannibal nennen können. Man weiß Bescheid darüber, dass die Welt einem jungen Amerikaner mit losem Mundwerk nicht widerstehen kann, und so reißt Alden Ehrenreich als Solo hier zuverlässig seine Witze vor dem grünen Trickbildschirm. Und er spricht die Sprache der Wookie-Monster. Wie viele junge Erwachsene in der Galaxis sprechen Wookie? Überhaupt keine.

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