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Video-Filmkritik „Fast&Furious“ : Man braucht keine Sportwagen, um die Welt zu retten

Vanessa Kirby rettet die Welt. Bild: Picture-Alliance

Die Actionfilm-Serie „The Fast and Furious“ geht mit „Hobbs and Shaw“ in die neunte Runde. Fast hätten ein Zitat von Nietzsche und Vanessa Kirby sie gerettet.

          An einem dieser bleiernen Sonnentage von Los Angeles betritt ein junger, selbstbewusster Cop mit blonden Locken eine Bar, in der sonst nur Jungs sitzen, die für ein schnelles Auto ihre Seele verkaufen würden. Es ist nicht das erste Mal, er kennt die Gäste, und als er sein Thunfischsandwich bestellt, flirtet er mit der Kellnerin. Wenige Worte genügen, da prügeln sich der Ermittler mit dem Engelshaar und einer der Autotuner schon zwischen grell lackierten Rennfahrzeugen auf der Straße. Wegen der Frau und dem, was die Männergang ihre Ehre nennt. Das war das Setting von „The Fast and Furious“.

          Elena Witzeck

          Redakteurin im Feuilleton.

          Es folgten sieben Filme, in der sich wechselnde Besetzungen Verfolgungsjagden mit der Polizei lieferten, in Autokolonnen durch Palmenalleen schlängelten und in endlosen Variationen aufs Gaspedal traten. Zu den Regeln des Spiels gehörte, dass die Männer fuhren, während die Frauen in Glitzerbikinis warteten und ihre Körper dem prognostizierten Gewinner versprachen. Die einen, vor allem Tuningfans, liebten die rauchenden Motorhauben. Die anderen konnten das Gewese nicht verstehen. Das war kein großes Kino, das war dumpf. Dann starb Paul Walker, der Cop mit den Engelslocken. Er raste mit einem Porsche gegen einen Baum. Das ist der Horizont, über dem sich das „Fast and Furious“-Imperium spannt.

          Weniger albern, weniger Autos

          Achtzehn Jahre sind seit dem ersten Film vergangen. In der neuen Folge nun schließen sich zwei der Charaktere aus den späteren Filmen, der ehemalige Militärsoldat Deckard Shaw (Jason Statham) und der Agent Luke Hobbs (Dwayne Johnson) mit Shaws im Nahkampf ausgebildeter Schwester Hattie (Vanessa Kirby) zusammen, um einen größenwahnsinnigen, zur Killermaschine aufgerüsteten Terroristen zu stoppen. Dass nicht alle direkt und indirekt am Imperium Beteiligten mit dem Spin-off einverstanden waren, hatte mit dem hymnischen Gedenken an Walker, der Anzahl der an der Produktion beteiligten Egos und der Ankündigung zu tun, „Hobbs & Shaw“ solle anders werden als die bisherigen Folgen, weniger albern, weniger Autos. Und weil David Leitch als Regisseur verpflichtet wurde: mehr Fausthiebe von Frauen.

          Die Agentin Hattie ist das Ass, das Leitch aus seiner konventionellen Actiongeschichte zaubert: Mit einem Virus droht die mächtige Firma Etion, die auch die britischen Medien kontrolliert, die Menschheit zu vernichten, alle „Schwachen“ zu eliminieren und einen „perfekten Staat“ zu errichten. Die Killermaschine Brixton, die eigentlich nur als Handlanger dient, nennt es einen „notwendigen Schock“ für ein pervertiertes System, in dem sich die Menschen ohnehin zugrunde richten. Hattie hat sich das Virus injiziert, warum, spielt jetzt keine Rolle mehr, denn es bleiben nur ein paar Stunden, um sie und die Welt zu retten. Ihr – und den haarlosen Männern.

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