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Video-Filmkritik : Haarsträubend genial: „I'm Not There“

  • Aktualisiert am

Bild: Tobis

„I'm Not There“ von Todd Haynes soll ein Biopic über Bob Dylan sein und will es auch wieder nicht sein. Gespielt wird der Sänger von sechs Männern, einem kleinen schwarzen Jungen und einer Frau.

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          „I'm Not There“ von Todd Haynes soll ein Biopic über Bob Dylan sein und will es auch wieder nicht sein, in jedem Fall will er nicht sein wie andere Filme, die sich am Leben von Legenden entlanghangeln, und ist es mitunter dann doch.

          Haynes hatte die haarsträubende und gleichzeitig geniale Idee, den Mann, an dessen Wandlungen sich die Biographen immer wieder die Zähne ausbeißen, nicht nur von verschiedenen Männern spielen zu lassen - Heath Ledger, Ben Whishaw, Christian Bale und Richard Gere -, sondern auch noch von einem kleinen schwarzen Jungen (Marcus Carl Franklin) und einer Frau (Cate Blanchett). Und das Tollste ist, dass Letztere den einleuchtendsten Dylan gibt, einen Mann, der irgendwie außer sich ist, weil er zum einen mehr Drogen nimmt, als ihm guttut, und zum anderen gerade den Bruch mit seinen Fans betreibt, die ihn als Judas beschimpfen, weil er sich von der traditionellen Folkmusik abkehrt.

          All die Marksteine in Dylans Karriere, all die Wendepunkte und Neuerfindungen kommen vor, aber natürlich als Travestie. Denn das war schon immer Haynes' Methode, der Welt Herr zu werden, sei es in dem Glamrock-Musical „Velvet Goldmine“ oder in dem Douglas-Sirk-Melo „Far From Heaven“. Und wo man sagen könnte, dass die bloße Travestie im Grunde nur ihr Vorbild zur Pose gerinnen lässt, da ergibt sich im Spannungsfeld von sechs Travestie-Nummern bei aller Unausgewogenheit dann eben doch ein Persönlichkeitsprofil, das auf anderen Wegen immer verschwommen bleibt.

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