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Gewinner der Golden Globes : Es war wie einst in Hollywood

Die Crew aus Tarantinos Märchenland: David Heyman, Shannon McIntosh, Margaret Qualley, Quentin Tarantino, Brad Pitt, Julia Butters und Leonardo DiCaprio Bild: AFP

Kein guter Abend für Netflix: Bei der Verleihung der Golden Globes räumten „Unce Opon a Time.... in Hollywood“, „1917“ und Fernsehproduktionen aus dem Ausland ab. Und Russell Crowe erinnerte ans Klima.

          3 Min.

          Es war seit langem einmal wieder ein Abend zum Feiern für jene, die sich zum Hollywood-Establishment zählen: In der Nacht zum Montag wurden in Los Angeles die Golden Globes vergeben. Großer Gewinner mit drei Preisen ist, wie kaum anders zu erwarten, Quentin Tarantinos „Once Upon a Time... in Hollywood“, der sich in den Kategorien Beste Komödie, Bestes Drehbuch und bei der Entscheidung über den besten Nebendarsteller (Brad Pitt) durchsetzte. Der Kriegsfilm „1917“ erhielt die Auszeichnung für den besten Film in der Kategorie Drama – und Sam Mendes wurde als bester Regisseur geehrt. „Ich hoffe, das heißt, dass ihn sich die Leute auf der Kinoleinwand ansehen“, sagte Mendes, als er seinen Globe entgegennahm.

          Elena Witzeck
          Redakteurin im Feuilleton.

          Netflix war mit 34 Nominierungen in den Abend gegangen, darunter sechs für Noah Baumbachs „Marriage Story“ und fünf für „The Irishman“. Am Ende gab es für den Streamingdienst gerade zwei Erfolge: Laura Dern erhielt den Preis der besten Nebendarstellerin in „Marriage Story“ – und Olivia Colman, die in der Serie „The Crown“ Queen Elizabeth II. spielt, den der besten Hauptdarstellerin eines Fernsehdramas.

          Nicht sehr überraschend, da verdient, war die Auszeichnung für Renée Zellweger: Sie spielt in „Judy“ mit einer Mischung aus Glamour und Tragik die alternde Sängerin Judy Garland – und beweist darin ihren Kritikern, dass die Ähnlichkeit mit einer Person keine Bedeutung für die Frage hat, ob man eine biografische Rolle ausfüllen kann. Beste Darstellerin in einer Komödie wurde die amerikanische Rapperin Awkwafina für ihre Rolle in „The Farewell“.

          Joaquin Phoenix gewann den Preis des besten Darstellers in einem Drama für seine Interpretation des traurigen Clowns in „Joker“. Zum besten Darsteller in einer Komödie wurde Taron Egerton gekürt, der Elton John in „Rocketman“ spielt.

          Den Preis für den besten ausländischen Film gewann „Parasite“, der Thriller des südkoreanischen Regisseurs Bong Joon Ho über eine Angestellten-Familie, die die Villa einer reichen Familie übernimmt. „Sobald Sie die winzige Schwelle der Untertitelung überwunden haben, werden Sie so viele weitere unglaubliche Filme zu sehen bekommen“, sagte Bong Joon Ho auf der Bühne.

          „Fleabag“ und „Chernobyl“

          In den Fernsehkategorien gab es ungewöhnlich viele nicht aus Amerika stammende Preisträger. Zwei Globes gingen an das Familiendrama „Succession“ über einen alternden Fernsehmogul, das in der Kategorie Beste Dramaserie gewann. Der in Schottland geborene Brian Cox erhielt die Auszeichnung als bester Hauptdarsteller einer Dramaserie.

          In der Kategorie Komödie gewann BBCs „Fleabag“ als beste Serie. Phoebe Waller-Bridge, die sie geschrieben hat, spielt darin eine einsame Großstädterin. Die Londonerin erhielt auch den Preis als beste Hauptdarstellerin in einer Comedyserie. In Deutschland erschien „Fleabag“ bei Amazon.

          Die Auszeichnung des besten Komödien-Hauptdarstellers gewann Ramy Youssef für seine autobiografische Serie „Ramy“ über einen jungen Amerikaner mit ägyptischen Wurzeln. Beste Mini-Serie wurde das amerikanisch-britische Atomkatastrophendrama „Chernobyl“ von HBO (in Deutschland bei Sky zu sehen). Der Schwede Stellan Skarsgard wurde mit dem Preis des besten männlichen Nebendarstellers ausgezeichnet.

          Bester Hauptdarsteller in einer Miniserie wurde der Australier Russell Crowe als Produzent des rechtskonservativen Fensehsenders Fox News, Roger Ailes, in „The Loudest Voice“. Crowe kam wegen der Buschbrände in seiner Heimat selbst nicht zur Verleihung. In seiner Dankesrede, die Jennifer Aniston vortrug, forderte er eine weltweit koordinierte, effektive Klimapolitik.

          Ein Gewinnerinnenkleid: Scarlett Johansson hätte ihn schon verdient gehabt, den Globe, für ihre in „Marriage Story“ grandios zerrissene (Noch-)Ehefrau. Aber bei dieser Konkurrenz? Bilderstrecke
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          Die Moderatorin Ellen DeGeneres erhielt den Carol-Burnett-Preis als Ehrung für besondere Fernsehpersönlichkeiten. Tom Hanks wurde mit dem Cecil B. DeMille Award für sein Lebenswerk gewürdigt.

          Der britische Komiker Ricky Gervais moderierte die Globes zwar schon zum fünften Mal, schaffte es aber, um ein Neues für betretene Stille zu sorgen. In den vergangenen Jahren hatte Gervais den Ruf des unerschrockenen Kritikers der Mächtigen kultiviert. In diesem Jahr schien er es nur noch darauf anzulegen, fies zu sein. Ein Ausschnitt: „Alle guten Schauspieler sind zu Netflix und HBO gewechselt. Diejenigen, die noch in Hollywoodfilmen auftreten, machen diesen Fantasy-Abenteuerquatsch. Sie tragen alle Masken und Umhänge und wirklich enge Kostüme. Das nennt sich nicht mehr Schauspieler. Das nennt sich Zweimal-am-Tag-ins-Studio-und-Steroide-nehmen. Haben wir einen Preis für den muskulösesten Junkie?“

          Eine politische Rede, die an die Plädoyers von Oprah Winfrey und Meryl Streep in den vergangenen Jahren erinnerte, hatte die diesjährige Filmpreisverleihung nicht zu bieten. Gelegenheit hätte es gegeben, wie die Kritik im Netz nach den Nominierungen im Dezember zeigte: Unter die Nominierten für die beste Regie etwa hat es in diesem Jahr keine Frau geschafft. Greta Gerwigs „Little Women“ stand mit Saoirse Ronan nur auf einer Nominierungsliste: der für die beste Hauptdarstellerin.

          Obwohl die Globes in den vergangenen zehn Jahren bei der Entscheidung über den besten Film nur in der Hälfte der Fälle mit den Oscars übereinstimmten, gelten sie als richtungsweisend für die wichtigste Filmpreisverleihung des Jahres. Ob das noch für 2020 gilt, wird sich am 10. Februar bei den Oscars weisen.

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