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Verkauf des Berliner Verlags : „Von Berlin aus Europa erobern“

Erster Leser: David Montgomery Bild: dpa/dpaweb

Die Proteste haben nichts genützt: Der Berliner Verlag geht an eine britisch-amerikanische Investorengruppe um David Montgomery. Der bemüht sich nun, gegen seinen schlechten Ruf anzukämpfen. FAZ.NET-Spezial.

          Dienstag morgen um neun waren die Würfel gefallen: Der Verkauf des Berliner Verlags an die Investoren der britischen Mecom und der amerikanischen Firma Veronis Suhler Stevenson war beschlossene Sache.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          In der Nacht zuvor hatten die Anwälte die Verträge perfekt gemacht, jene „nitty, gritty things“ ausgekungelt, die große Deals auf den letzten Metern spannend machen. Abends um elf machte sich am Montag, wenn nicht Champagnerstimmung, dann doch Weißweinlaune breit.

          Ein Überraschungsgast

          Pünktlich um 9.15 Uhr ritt am Dienstag morgen David Montgomery, der neue Eigentümer, in den Berliner Verlag ein. Der kleine Mann, der seinem Habitus nach eher an einen Katasterbeamten aus Yorkshire als an einen gefürchteten Investor aus London erinnert, überbrachte den Chefredakteuren und leitenden Managern des Verlags die Kunde, die nicht für jeden eine frohe ist. Und Montgomery kam nicht allein, er hatte einen Überraschungsgast dabei, der neben ihm als sein Stellvertreter im Aufsichtsrat sitzen soll: Gerd Schulte-Hillen, der ehemalige Vorstand von Gruner + Jahr und Aufsichtsratschef von Bertelsmann. Er war es, der den Berliner Verlag einst für Gruner + Jahr kaufte. Und man weiß von ihm, daß er persönlich an der Sache hing und den Berliner Verlag nie an Holtzbrinck verkaufen wollte, wie es das Management nach ihm vor drei Jahren tat. Was für ein Coup. Was für ein Comeback. Was für ein geschickter Schachzug.

          Auf verlorenem Posten: Mitarbeiter des Berliner Verlags gegen die Verkaufspläne

          Zum Kaufpreis schweigen die neuen Eigentümer des Berliner Verlags ebenfalls ganz geschickt, er dürfte zwischen 150 und 180 Millionen Euro liegen, der „Independent“ hat ihn der Einfachheit halber auf exakt hundert Millionen Pfund taxiert, was etwas weniger als 150 Millionen Euro wären. Die Majorität der Anteile am Berliner Verlag übernimmt Veronis Suhler Stevenson, zehn bis fünfzehn Prozent gehen an David Montgomery, weitere fünf bis fünfzehn Prozent sollen die Manager und Chefredakteure des Berliner Verlags übernehmen.

          Aus Berlin ganz Europa erobern

          Und was werden die Investoren nun tun, wie lange wollen sie bleiben? Auf fünf bis zehn Jahre scheint ihr Einstieg in den Berliner Verlag angelegt zu sein. „Wir planen für einen längeren Zeitraum“, sagt David Montgomery und beteuert, daß an eine Exit-Strategie, die Finanzinvestoren beim Abschluß eines Deals in der Regel bereits ausgearbeitet haben, noch niemand denke: „Wir wollen von Berlin aus ganz Europa erobern. Wir sind sehr entschlossen, weitere Aquisitionen auf deutscher, vielleicht auf gesamteuropäischer Ebene zu tätigen.“

          Montgomery hat sich, wie er sagt, während der Verhandlungen mit Holtzbrinck weder durch die Kritik von außen noch vom Widerstand im Berliner Verlag irritieren lassen. Die Kritik der Mitarbeiter, glaubt er, rühre von der „Furcht vor dem Unbekannten“ her. Gleichwohl seien das Management und die Chefredakteure nun eingeladen, an der Zukunft des Berliner Verlags mitzuwirken, nicht zuletzt, indem sie sich finanziell beteiligen. Er finde es verständlich, daß manche das Private-Equity-Business für „ein finsteres Geschäft“ hielten. Doch werde er nun, da er als neuer Eigentümer auch über Ziele und Pläne reden könne, für Aufklärung sorgen.

          Chefredakteure mit Zukunft

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