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Verkauf des Berliner Verlags : „Von Berlin aus Europa erobern“

Überraschender Ausstieg

Verhandelt wird über den Berliner Verlag bereits seit Ende Juni. Damals - da waren es noch drei - gaben die Investoren bei Holtzbrinck ihr Angebot ab. Seither nahm alles lange lautlos und scheinbar reibungslos seinen Lauf - bis der dritte Investor 3i am vergangenen Freitag überraschend seinen Ausstieg aus der Abmachung verkündete. Warum, das verrät einem niemand. Nur soll es so gewesen sein, daß die sogenannten „Deal-Teams“ von 3i, Mecom und VSS, also die Verhandler, die sich Tag und Nacht um die Sache kümmern, bis zuletzt an einem Strang zogen und allesamt das Geschäft machen wollten.

„Wir konnten uns auf Holtzbrinck verlassen, und Holtzbrinck konnte sich auf uns verlassen“, sagt David Montgomery zu den Verhandlungen. Für ihn steht nun als nächstes die Anmeldung der Übernahme beim Bundeskartellamt an, die bereits heute erfolgen soll. Daß dessen Chef Ulf Böge eine harte Prüfung angekündigt hat und auch nach den Geldgebern von Mecom und VSS fragen will, stelle kein Problem dar. „Wir sind transparent“, sagt Montgomery und nennt eine ganze Reihe von Pensionsfonds, deren Gelder er verwaltet. Es sei ganz ausgeschlossen, daß sich bei Mecom oder VSS Geld deutscher Medienfirmen finde, erklärte Montgomery weiter. Und was die hart geführte öffentliche Debatte angeht, gibt er sich ebenfalls gelassen: „Ich habe auf die Kritik nie reagiert. Ich mache meinen Job und achte auf die Ergebnisse.“

An den Ansprüchen messen

Darauf werden allerdings auch all die Kritiker achten, die bis zuletzt vor Montgomery gewarnt haben. Politiker wie die Kulturstaatsministerin Christina Weiss etwa, die fordert, daß Montgomery seine Versprechen auch einhalten müsse. Und die Chefredakteure Vorkötter und Buschheuer bleiben dabei: „Wir bedauern die Entscheidung der Verlagsgruppe von Holtzbrinck, den Berliner Verlag an die Finanzinvestoren Mecom und VSS zu verkaufen. Unsere öffentlich geäußerten Bedenken gegen diese Transaktion bestehen unverändert fort“, sagten sie am Dienstag. Doch nehme man zur Kentnnis, daß sich die Investoren „ausdrücklich zu den höchsten Standards journalistischer Qualität und zu verlegerischer Integrität“ bekannt hätten. An diesen Ansprüchen werde man sie messen. Peter Skulimma, Sprecher der Geschäftsführung des Berliner Verlags, begrüßte unterdessen die neue Klarheit der Eigentumsverhältnisse.

Ziemlich daneben liegt bei ihrer Kritik allerdings die Journalistengwerkschaft DJV, die von einem „Verkauf a la Ramschladen“ spricht. Verramscht hat Holtzbrinck den Berliner Verlag nicht. Mit dem Verkauf an die Investoren, sagt Stefan von Holtzbrinck, trete jemand mit einer langfristig angelegten Strategie an. Die Investoren würden „im Rahmen einer Wachstumsstrategie die Unabhängigkeit und Qualität der Titel erhalten“.

Aber genau da liegt der Knackpunkt der Geschichte - bei der Wachstumsstrategie. Sie ist in der Phantasie der Investoren zwar vorhanden, aber vielleicht auch nur dort. Der Berliner Zeitungsmarkt wächst nicht, er schrumpft. Da kann eine Zeitung noch so gut, ein Chefredakteur noch so kämpferisch sein. David Montgomery aber hat in Berlin Großes vor. Er glaubt an eine Stadt im Aufbruch, und hält das wohl für ein Faktum. „Und die Fakten sind viel wichtiger als der Lärm der letzten Wochen.“

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