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Verkauf des Berliner Verlags : „Von Berlin aus Europa erobern“

„Wir konnten unsere Ansichten bislang noch nicht vortragen, und es ist ganz klar, daß Chefredakteure und Journalisten für ihre Überzeugungen kämpfen. Wir schätzen starke Chefredakteure, die pointiert ihre Ansichten vertreten. Wir bewundern Menschen mit Courage und Überzeugungen. Und wir schätzen die starke Stimme freier Zeitungen.“ Insofern, sagte Montgomery, wolle er mit dem bestehenden Management des Berliner Verlags zusammenarbeiten. Auch mit dem Chefredakteur der „Berliner Zeitung“, Uwe Vorkötter, und Hans-Peter Buschheuer vom „Berliner Kurier“, die zu den Kritikern des Verkaufs gehören.

So etwas hört man im Berliner Verlag gern, fragt sich aber, woran es denn auf einer Plattform, von der aus es expansiv nach ganz Europa gehen soll, mitzuarbeiten gilt. Darüber will Montgomery in den nächsten Tagen mit den Mitarbeitern reden, kündigte er gestern mittag auf der Betriebsversammlung an. Applaus gab es dafür nicht, es herrschte betretenes Schweigen.

Außergewöhnliche Blätter

Dabei sind der hehren Worte so viel, daß man sich kaum vorstellen kann, wie dem entsprechende Taten folgen sollen. Den Ruf eines grausamen Sparers, der ihm aus Großbritannien vorausgeeilt ist, will Montgomery ersichtlich konterkarieren. Von den Journalisten und den Zeitungen des Berliner Verlags gibt er sich geradezu begeistert. Von dem Boulevardblatt „Berliner Kurier“, der auf seine Weise noch übler holzen kann als die „Bild“-Zeitung, seien seine Leute „hingerissen“, sagt Montgomery, und auch die „Berliner Zeitung“ hält er für ein „außergewöhnliches Blatt“. Man wolle dem Berliner Verlag die Chance geben, sein Potential vollständig auszuschöpfen, sagt Montgomery.

Daß es sehr wohl auch um Synergien und effiziente Strukturen geht, verhehlt er nicht, will die Dinge aber auch nicht beim Namen nennen. Zunächst gelte es, den Verlag aufzurüsten und etwas fürs Marketing zu tun. Zu seinen Renditeerwartungen - vor denen sie sich beim Berliner Verlag am meisten fürchten - schweigt sich Montgomery aus. Einen konkreten Punkt nennt Montgomery: Die Anzeigen müsse eine Zeitung heute für das Blatt und fürs Internet aquirieren. „Die Zeitungen können nicht stehenbleiben, sie müssen sich fortentwickeln, weil sie sonst schwächer werden. Und kann irgend jemand ein Interesse daran haben, daß Zeitungen an Bedeutung verlieren?“

Wir sind Medienspezialisten

Mit solchen Worten klingt Montgomery fast wie ein Verleger, der er aber nicht sein will. Er ist Geschäftsmann. „Wir sind Medienspezialisten“, sagt er mit Blick auf seine Vita und auf seine verbliebenen Partner Veronis Suhler Stevenson, die in Amerika seit Jahrzehnten in Medien investieren.

Über diese Schiene ist Montgomery auch auf Gerd Schulte-Hillen gekommen, der integrierend wirken und das Mißtrauen, das dem britischen Investor entgegenschlägt, durch einen Vertrauensvorschuß wettmachen soll. Schulte-Hillen kennt die amerikanischen Investoren Veronis und Suhler seit Jahrzehnten. Und so nimmt es nicht wunder, daß der Deutschland-Chef von VSS, Johannes von Bismarck, auf die Idee kam, Schulte-Hillen zu holen. Das Angebot kam kurzfristig, vor einer Woche sei er gefragt worden, sagt Schulte-Hillen, der sich für den Berliner Verlag immer besonders eingesetzt hat. Er kehrt sozusagen zurück an eine alte Wirkungsstätte.

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