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„Valkyrie“-Projekt : Gerüchte um geheime Drehorte

Absperrbänder vor dem „geheimen” Drehort Bild: dpa

Das Studio Babelsberg hält die Drehorte zum „Valkyrie“-Projekt noch geheim, aber jeder weiß, wo sie liegen. Denn Absperrungen, Wachpersonal, Bretterkulissen hinter Bäumen sind unübersehbar. Eine Ortsbegehung.

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          Das Schenkenländchen südöstlich von Berlin ist eine Gegend für Wandervögel und Pferdefreunde, ein Reich der Wälder und stillen Seen. Jetzt aber wartet das Ländchen auf Tom Cruise, denn mitten in der brandenburgischen Wildnis, auf einem stillgelegten Militärflugplatz beim Dorf Löpten und in einem Waldstück bei Hermsdorf-Mühle, sollen die wichtigsten Außenaufnahmen für das Filmprojekt „Valkyrie“ entstehen.

          Andreas  Kilb

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Zwar hat das mit United Artists koproduzierende Studio Babelsberg das Gerücht noch immer nicht bestätigt, aber die Vorbereitungen am mutmaßlichen Drehort sind unübersehbar: Absperrungen, Wachpersonal, Bretterkulissen hinter Bäumen. In dem Waldstück, das im Frühjahr durch einen Brand gelichtet wurde, soll die „Wolfsschanze“ entstehen, Hitlers Hauptquartier beim ostpreußischen Rastenburg, und das einstige NVA-Flugfeld Löpten wird den Flugplatz Rangsfeld im Süden Berlin vertreten, von dem aus Stauffenberg am Morgen des 20. Juli 1944 nach Ostpreußen startete.

          Zwar gibt es das Rangsdorfer Gelände noch, aber seine pittoreske Ruinenlandschaft dürften den „Valkyrie“-Verantwortlichen allzu unübersichtlich erschienen sein, ebenso wie das teilweise abgerissene und zugewucherte Ensemble der früheren Infanteriekaserne in Döberitz am westlichen Stadtrand Berlins, von wo aus Einheiten des Heeres ausrückten, um den Aufstand gegen Hitler zu unterstützen.

          Die Polizei sperrt den Waldweg zu dem Gelände ab

          Der Weg führt zu den üblichen Verdächtigen

          Auch vor dem Haus in der Tristanstraße in Berlin-Wannsee, in dem Claus von Stauffenberg bis zum Tag des Putsches bei seinem Bruder Berthold wohnte, hängen keine gelbschwarzen Absperrbänder, und das Szenerestaurant „Clärchens Ballhaus“ in der Auguststraße, in dessen malerisch verfallenem Spiegelsaal sich Tom Cruise vor vier Wochen mit seiner Frau umgesehen hat, ist bis auf weiteres ebenfalls für den Publikumsverkehr geöffnet. So bleibt den Paparazzi der Berliner Lokalzeitungen, die fast täglich über den ungedrehten Film berichten, nur der Weg zu den üblichen Verdächtigen.

          Im Bendlerblock, dessen Würde inzwischen auch Kulturstaatsminister Bernd Neumann gegen Hollywood verteidigt, hat sich Peter Steinbach verschanzt, der Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand und historische Berater so anspruchsvoller deutscher Fernsehprojekte wie „Die Flucht“ oder des ZDF-Vierteilers „Sie wollten Hitler töten“.

          „Gänsehautgefühl“

          Für Steinbach ist die von Florian Henckel von Donnersmarck ausgelöste Debatte um das Drehverbot für „Valkyrie“ nach wie vor „intellektuell dürftig“ und Zeichen einer „Erregungskultur“. Deren Niveau unterbietet Steinbach allerdings souverän, indem er die Mitgliedschaft Stauffenbergs im George-Kreis mit dürftigen Floskeln beiseite wischt. Dass ausgerechnet der Hüter des deutschen Widerstands davor warnt, Stauffenbergs Bedeutung zu überschätzen, ist befremdlich. Wer die Geschichte so vertritt wie Steinbach, schadet ihr mehr, als dass er sie schützt.

          Ein Zwischenruf kommt von dem deutschen Hollywoodregisseur Wolfgang Petersen, der in der „Welt“ erklärt, als Filmemacher würde er in jedem Fall versuchen, an Originalschauplätzen zu drehen, sonst fehle das „Gänsehautgefühl“. Ob Tom Cruise der richtige Stauffenberg-Darsteller ist, interessiert Petersen wenig. Viel wichtiger sei ein gut recherchiertes und stimmiges Drehbuch.

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