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Uwe Kockisch als Brunetti : Das Gesetz der Lagune

  • -Aktualisiert am

Unter der Laterne: Uwe Kockisch und Julia Jäger als Ehepaar Brunetti Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Donna Leons Brunetti-Krimis dürfen nicht ins Italienische übersetzt werden. In Venedig ist Brunetti unbekannt. Hier steht Uwe Kockisch für die ARD als Commissario wieder vor der Kamera.

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          "Die Stadt ist schön. Aber ich würde niemals hierherziehen. Um Gottes willen." Uwe Kockisch hat seine Meinung geändert. Im dritten Jahr spielt er den Commissario Brunetti. Noch vor Jahresfrist kam ihm die Stadt, in der er nach einer amerikanischen Buchvorlage einen italienischen Kriminalen spielt wie ein wärmendes Asyl vor, das die Kälte seiner Heimatstadt Berlin ausglich. Damals dachte er darüber nach, ganz nach Venedig zu ziehen.

          Doch das ist heute anders: "Die Stadt kann so schön sein, wie sie will, wenn du um halb sechs aufstehst, hast du keine Augen dafür. Ich bin morgens der erste am Set und abends der letzte, der geht. Und am Wochenende kannst du nirgendwohin, weil du dich dem Rhythmus der Touristen anpassen mußt. Die rennen durch die Stadt, den Blick immer unten, nie nach oben gerichtet. Von einer Sehenswürdigkeit zur anderen."

          Drei Monate, von März bis Juni hat Uwe Kockisch wieder in Venedig zugebracht. Dabei entstanden die beiden Donna-Leon-Verfilmungen "Beweise, daß es böse ist" und "Endstation Venedig". Letztere mit Heiner Lauterbach, der nicht zum ersten Mal einen finsteren Strippenzieher spielt, mit dem es der Commissario zu tun bekommt. Lauterbach redet nicht lange um den heißen Brei herum. Er weiß, daß die Rollenangebote für Schauspieler über fünfzig rarer werden, zum anderen schätzt er den Produzenten Nico Hofmann: "Vier Anreisen für fünf Drehtage - das hätte ich sonst nie gemacht." Für gewöhnlich arbeitet Lauterbach bei gutem Wetter lieber an seinem Handicap beim Golf. So aber spielt er einen bösen Condottiere "so wie Berlusconi".

          Das Gesicht, der Kopf, der Macher: Uwe Kockisch, Donna Leon und Nico Hoffmann
          Das Gesicht, der Kopf, der Macher: Uwe Kockisch, Donna Leon und Nico Hoffmann : Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

          Die Herren in dunklen Anzügen sind immer dabei

          Die Schlüsselszene wird im Casino von Venedig gedreht. Hier holt die Realität die Fiktion scheinbar ein. Das Team darf nur wenige ausgewählte Flure betreten und nur einige Türen öffnen. Als jemand auf die Idee verfällt, den Konferenzraum für ein Interview mit Lauterbach zu akquirieren, sind drei Herren in dunklen Anzügen und mit Sonnenbrillen zur Stelle und bugsieren einen freundlich, aber bestimmt nach draußen. Selbst in den altersschwachen Aufzügen fährt ein Aufpasser mit, die Treppen sind sowieso gesperrt.

          "Das sind die Momente an Donna Leon, die mich interessieren", sagt Uwe Kockisch, dessen Commissario Brunetti von Lauterbachs Finsterling gerade am Roulette-Tisch die Grenzen aufgezeigt bekommt. "Da wird das Fenster aufgemacht in eine Gesellschaft, wo du nur noch hilflos staunst. Wo ein Commissario zu hören bekommt: Du kleiner Beamter, halt doch die Klappe."

          Alle Jahre wieder eine Quotenfrage

          Etwas klein fühlt er sich mit Blick auf die ARD. Sein Vertrag als Brunetti läuft "von Jahr zu Jahr". Erst müssen die Quoten stimmen, dann wird entschieden, ob es weitergeht. Das will Uwe Kockisch nicht fassen. "Es ist eine dieser Merkwürdigkeiten der Öffentlich-Rechtlichen, daß sie auf die Quoten gucken, obwohl sie sich nicht aus Werbung speisen." Der Quote entkommt auch der Produzent Hofmann nicht, der die Donna-Leon-Verfilmungen von Katharina Trebitsch übernahm, die im vergangenen Jahr ihre Anteile an der einst gemeinsam mit der Ufa betriebenen Trebitsch-Holding abgegeben hat.

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