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Trickfilm „Pompo the Cinéphile“ : Der Schnitt durch die Seele

Stunde der Wahrheit: Der Regisseur Gene Fini (links) beichtet der Produzentin Pompo (auf dem Tisch). Bild: Plaion

Knallbunte Donuts und riskante Thesen: Das Trickfilmspektakel „Pompo the Cinéphile“ findet Weltweisheit in reiner Liebe zur Kinokunst.

          4 Min.

          Das meiste, was der schüchterne Regisseur nicht durch eine Kamera anschauen darf, erschreckt ihn fast zu Tode. Wenn er um zusätzliche Produktionszeit betteln muss, fällt er zu Boden wie vom Schlag getroffen. Dass die Hauptdarstellerin seines Films ihm dabei schließlich Gesellschaft leistet, macht ihn nicht selbst­bewusster. Der demütige Akt imitiert bewusst die Hauptfigur des Films, der damit gerettet werden soll: Das Opus „Meister“ handelt von einem arroganten Dirigenten, der sich nach einem Karrierekollaps vor einem mächtigen ehe­maligen Freund in den Staub wirft, auf dass dieser sich seiner erbarme. Ihm entspricht in der Wirklichkeit des winselnden Regisseurs eine Produzentin mit Pippi-Langstrumpf-Zöpfen, die den unmöglichen Namen „Joelle Davidovich Pomponette“ trägt, kurz: „Pompo“ oder, wieder etwas länger: „Pompo, the Cinéphile“.

          Dietmar Dath
          Redakteur im Feuilleton.

          So heißt die Anime-Produktion von Takayuki Hirao, in der die Entstehung von „Meister“ erzählt wird, basierend auf einem Comic von Shogo Sugitani. Das, was Hirao daraus gemacht hat, gehört so unbedingt ins Kino wie kaum etwas an­deres, was dort derzeit läuft. Leider muss man es sich hierzulande aber auf DVD oder Blu-Ray besorgen, wenn man dabei zuschauen mag, wie diese Geschichte einerseits die tollsten Fratzen zieht und andererseits in stillen Momenten vor leiser Weisheit strahlt.

          Es fängt harmlos an und wird dann rasch riskanter

          Pompo selbst versteht sich auf beiderlei und ist vor allem Dezisionistin, die endlich einmal einen Film sehen möchte, der sie emotional erreicht. So erklärt sie ihren Assistenten, einen introvertierten Spinner namens Gene Fini, kurzerhand zum Filmemacher (damit er, siehe oben, später vor ihr auf den Knien herumrutscht), händigt ihm das von ihr selbst verfasste „Meister“-Drehbuch aus und schreibt ihm als Besetzung die Debütantin Natalie Woodward und den begnadeten, aber schwindelerregend eitlen Martin Braddock („der beste Schauspieler der Welt“) vor. Jetzt muss Fini nur noch kapieren, was sie als Produzentin billiger Actionreißer hat lernen müssen, wie sie selbst sagt: „Eine Tragödie so zu inszenieren, dass sie Menschen rührt, das kann jeder, aber eine alberne Geschichte so drehen, dass sie Herzenswahrheiten sagt, das ist Kunst.“ Ein paar Minuten braucht „Pompo the Cinéphile“ eingangs, um den durch eher zahm satirische Hollywood-Scherze erzeugten Eindruck zu zerstreuen, man habe es hier mit kindgerechten Harmlosigkeiten über Träume zu tun. Bald aber wird der Einsatz erhöht, mit heiklen Thesen: „Ich habe dich ausgesucht, weil du kein Glitzern in den Augen hast“, sagt Pompo, denn während sie dieses Glitzern bei Schauspielerinnen und Schauspielern sucht, damit sie das Publikum verführen, muss Autorschaft für sie irgendeiner Not und Bedürftigkeit im Gedanken- und Gemütsleben abgerungen werden. Ein erloschener Blick bei einem intelligenten Menschen zeigt die vernarbte Psyche an, die Pompo sucht.

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