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Im Kino: „Tribute von Panem“ : Das singende, schießende Spottvögelchen

Eine hat den Bogen raus: Jennifer Lawrence macht auch zwischen Ruinen eine gute Figur. Bild: Studiocanal GmbH / Murray Close

Mit „Mockingjay - Teil 1“ wird die „Tribute to Panem“-Trilogie fortgesetzt. Der Film ist ein Solo für Jennifer Lawrence, die heutigste aller Heldinnen unserer Zeit.

          Wir müssen über Heldinnen reden. Über die siebzehnjährige Bella, die in Stephenie Meyers „Biss“-Romanen in der Schule einen Vampir kennenlernt, in den sie sich verliebt. Über Arya, das Mädchen mit dem Schwert, das sich in George R.R. Martins Fantasy-Saga „Das Lied von Eis und Feuer“ durch eine von Untoten und Zauberinnen bevölkerte Mittelalterwelt kämpft. Über Katniss, die Hauptfigur von Suzanne Collins’ Romantrilogie „Die Tribute von Panem“, die sich in einem Todesspiel bewähren muss, das die Oberschicht einer entgleisten amerikanischen Zukunftswelt mit den Kindern der Unterschicht veranstaltet. Und über ihre Abbilder im Film.

          Andreas  Kilb

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Denn diese Lichtgestalten, denen das Lese-, Kino- und Fernsehpublikum millionenfach huldigt, deren Geschichten zu Bestsellern und Blockbustern und Download-Phänomenen werden, sind dunkel. Ihre Seelen sind wund, Unordnung und frühes Leid haben darin gewütet. Bella ist ein Trennungskind, Arya hat ihren Vater auf dem Schafott sterben sehen. Und Katniss, die Düsterste von allen, hat Menschen getötet, um die „Hunger Games“ zu überleben, die schrecklichen Spiele, die ein Mann namens Coriolanus Snow für die verdorbene Elite der Hauptstadt des Oligarchen-Staates Panem veranstaltet.

          Eine Medienwelt, vom Schlachtfeld inspiriert

          Jennifer Lawrence, eine Schauspielerin, die mehr als jede andere ihrer Generation dazu geeignet scheint, Kampfmaschine und Schmerzensmadonna in einem zu sein, hat mit dieser Figur die frühe Rolle ihres Lebens gefunden. In ihr, die mit Pfeil und Bogen gegen das Böse kämpft, treffen zwei männliche Ikonen der populären Mythologie zusammen, eine mittelalterliche und eine moderne: Robin Hood, der Rächer von Sherwood Forest, und Neo, der profane Erlöser aus den „Matrix“-Filmen der Geschwister Wachowski. Das erzählerische Bindemittel aber, das diese beiden unterschiedlichen Heldenbilder in der Figur des Mädchens Katniss zusammenhält, ist eine Satire auf die zeitgenössische Medienwelt, wie man sie sich sarkastischer kaum vorstellen kann.

          Was das bedeutet, sieht man in einer Szene des neuen „Panem“-Films „Mockingjay – Teil 1“, der in dieser Woche in die Kinos kommt. Da steht Katniss, den letzten Hungerspielen knapp entkommen, in einem unterirdischen Filmstudio, um vor gemalter Schlachtfeldkulisse einen Propaganda-Spot für die Rebellen aufzunehmen, die sich unter der Führung von Alma Coin (Julianne Moore) gegen die Zentralregierung erhoben haben. Der Mann, der die Aufzeichnung leitet, trägt den sprechenden Namen Plutarch Heavensbee (Himmelsbiene) und wird von dem kürzlich verstorbenen Philip Seymour Hoffman mit feiner Ironie gespielt. Man muss nicht Philip Seymour Hoffman heißen, um zu erkennen, dass Katniss ihren Auftritt vermasselt. Ihr Kämpfertum wirkt einstudiert, ihre Pose matt, so dass eine Krisensitzung einberufen wird, auf der die Führer der Aufständischen beschließen, ihre Werbeträgerin einem echten Schlachtfeld auszusetzen.

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