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„Transcendence“ im Kino : Die Möglichkeiten sind unendlich, nutze sie!

  • -Aktualisiert am

Johnny Depp als Will Caster: „Stellen Sie sich eine Maschine mit Emotionen vor. Ihre analytische Kraft wäre größer als die Intelligenz aller Menschen.“ Bild: AP

In „Transcendence“ baut Johnny Depp einen Supercomputer, der auch die letzte Bastion des Menschen für sich einnimmt: Emotion. Der Preis der technischen Errungenschaft ist hoch.

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          Eine der aufschlussreichen Szenen kommt in diesem Film gar nicht vor. Vergangenes Jahr wurden Johnny Depp und Paul Bettany einmal von der Polizei angehalten und in ein ernstes Gespräch über Sicherheit im Straßenverkehr verwickelt. Sie fuhren nicht nur zu schnell, sie saßen auch beide übereinander auf dem Beifahrersitz, damit noch Rebecca Hall und der Regisseur Wally Pfister hinten mitfahren konnten.

          Die vier Hollywoodstars waren während der Dreharbeiten zu „Transcendence“ auf einer Spritztour. Auch ihr Chauffeur war ein Superstar. Elon Musk, der junge amerikanische Unternehmer, der als der wahre Tony Stark („Iron Man“) gilt, der darauf hinarbeitet, den Mars zu besiedeln, und schon seit Jahren Versorgungsraketen zur Internationalen Raumstation schickt, führte ihnen sein Elektroauto vor.

          Das alles wird kein gutes Ende nehmen

          Musk und Depp machten sich anschließend über den Polizisten lustig. Ihm habe „der Humor-Chip gefehlt“, scherzte Depp. Das ist, worum sich auch im Film alles dreht. Elon Musk sitzt tatsächlich im Publikum, als Johnny Depp in der Rolle des Computerforschers Will Caster vor Investoren sagt, er wolle den „Anker der Seele“ finden, um zu tun, „was Menschen schon immer versucht“ haben, nämlich ihre eigenen Götter zu erschaffen. Nur der Humor-Chip fehlt dem Computer noch. Um die künstliche „Superintelligenz“ zu entfesseln, gilt es, ein „fundamentales Rätsel des Universums“ zu lösen: „Stellen Sie sich eine Maschine mit menschlichen Emotionen vor. Ihre analytische Kraft wäre größer als die gesamte Intelligenz aller Menschen, aller Zeiten.“

          In dieser Szene durchschreitet Will Caster die Grenze zur Wirklichkeit nicht nur wegen Musk im Kinobild. Er erinnert auch an den Auftritt des Google-Chefs Larry Page bei der hauseigenen Entwicklerkonferenz „Google I/O“ vergangenes Jahr. Damals ging es noch nicht um computerisierte Gefühle, aber schon um die Verfügbarkeit und Vernetzung alles menschlichen Wissens. Wenige Monate zuvor ernannte Google Ray Kurzweil zum „Director of Engineering“, um Mensch und Maschine auf Kollisionskurs zu bringen. Daran knüpft der Film an: „Manche“, sagt Will Caster mit Blick auf die Forschung Ray Kurzweils, „nennen es Singularität. Ich nenne es Transzendenz.“

          Auf der Suche nach Ruhe: Bevor Will Caster (Johnny Depp) den weltherrschenden Computer baut, bastelt er in seinem Garten an einem Faradayschen Käfig.

          Während in der wirklichen Welt die Forschung zur künstlichen Intelligenz intensiv und die öffentliche Debatte darüber zaghaft geführt werden, schöpft der Film aus dem Vollen und legt gleich zu Beginn fest, dass alles kein gutes Ende nimmt. Noch bevor Will Caster auf die Bühne geht, lässt Drehbuchautor Jack Paglen uns fünf Jahre in die Zukunft blicken. Zur Selbstverteidigung gegen Will Casters Computerintelligenz blieb der Menschheit nur der Kill Switch, die Entnetzung der Welt und der weitestgehende Verzicht auf Elektrizität.

          Waghalsiger Seelen-Upload

          Ist das überzogen? Durchaus. Ohne eingeschalteten Humor-Chip, mit dem sich die Ungereimtheiten im Plot hinnehmen lassen, lässt sich dieser Film von Beginn an als absurd und übertrieben kritisieren. So einfach ist es aber nicht. Wie dessen Protagonisten nutzt er lediglich seine Möglichkeiten.

          „Transcendence“ spielt beispielsweise über weite Strecken in einer Solarfarm im amerikanischen Niemandsland. Die größte Anlage dieser Art nahm ausgerechnet Google Anfang des Jahres in der Mojave-Wüste in Betrieb. Ihre Energie reicht für rund 140 000 Haushalte oder, wie im Film, für ein Datenzentrum. Der energiehungrige Supercomputer Pinn (Physical Independent Neural Network) arbeitet in Bunkern unter dem Kraftwerk. Dort überschlägt sich der technische Fortschritt: Weil Quantencomputer bereits erfunden sind, ist die Entwicklung von autonomen Nanorobotern ein Kinderspiel.

          Diese Miniroboter spielen mit Atomen Lego. Die Vernetzung der Welt ist ohnehin ein Selbstläufer. Hinzu kommt, dass Will Caster recht früh stirbt und ausgerechnet sein kluger Geist in der Maschine weiterlebt. Das war zumindest die Hoffnung, mit der Evelyn (Rebecca Hall) den waghalsigen Seelen-Upload ihres im Sterben liegenden Geliebten vornahm. Der Film wird von hier an seinem Titel gerecht: Intelligent Design ist plötzlich nur noch eine handwerkliche Herausforderung, der sich der lernende, fühlende und selbstbewusste Computer mit Ehrgeiz annimmt.

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