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Toronto Film Festival : KissKill heißt das Zauberwort

Mit auffällig vielen Beiträgen von anderen Festivals erweckte Toronto in diesem Jahr den Eindruck, eine Nachspielplattform zu sein. Doch unter den wenigen Uraufführungen war wenigstens eine schöne deutsche Überraschung: Caroline Links Film „Im Winter ein Jahr“.

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          Die erste Nachricht beim Filmfestival in Toronto in diesem Jahr kam aus Venedig, und sie war bitter. Das Festival dort war gerade zu Ende gegangen, wie immer sich überlappend mit dem Beginn des Toronto-Festivals, und es beging diesen Abschluss mit der Mitteilung, ab dem nächsten Jahr seinen Termin eine Woche nach hinten zu verschieben. So wird aus einer kurzen Überschneidung zweier wichtiger Festivals eine tagelange Gleichzeitigkeit. Zu wessen Schaden, wird sich weisen. Nachdem Toronto schon in diesem Jahr vergleichsweise wenig Weltpremieren zu bieten hatte, sondern vieles nachspielte, was in Cannes oder eben in Venedig bereits zu sehen war, wird das Festival im nächsten Jahr mit Sicherheit alles tun, den Eindruck zu verwischen, eine Nachspielplattform zu sein.

          Verena Lueken

          Redakteurin im Feuilleton.

          In diesem Jahr war vor allem die einheimische Unzufriedenheit groß: Die Kanadier seien zu bescheiden, hieß es in der örtlichen Presse, sie sollten entschiedener Weltpremieren und die Aufführung möglicher Oscar-Kandidaten fordern. Clint Eastwood, dessen „Changeling“ in Cannes uraufgeführt wurde, wählte das Festival in New York für die Nordamerika-Premiere, Oliver Stone geht mit seinem George-W.-Bush-Film zum Festival nach London, wo im Oktober natürlich auch der neue James-Bond-Film das erste Mal auf die Leinwand kommt. Und das kleine Festival in Telluride in Colorado, das wenige Tage vor Beginn in Toronto zu Ende ging, hatte ebenfalls schon einiges gezeigt, was in Toronto dann vermeintlich als Weltpremiere daherkam, allen voran den Sieger des kanadischen Publikumvotums, Danny Boyles „Slumdog Millionaire“ - eine bizarre, schmissige Geschichte aus den indischen Slums in einer stilistischen Mischform von Hollywood, Bollywood und Boyle-spezifischer Drastik.

          Und so verläpperte sich das Festival

          Toronto ist ein Filmfestival im Übergang. Man fühlte sich ein bisschen an die Berlinalen der frühen Neunziger erinnert, die auch ohne Zentrum waren. In Toronto zeigte sich in diesem Jahr nicht nur das Wetter ähnlich grau, wenn auch deutlich wärmer als damals in Berlin, sondern wie einst dort waren diesmal auch hier die Kinos selbst innerhalb derselben Programmsektionen weit über die Stadt verteilt. Einen Festivalpalast, der das Ganze bündelt wie seit Jahren in Berlin, wird Toronto erst 2010 beziehen. Publikumsfestivals sind beide - und beide können sich auf neugierige, geduldige und zahlreiche Besucher verlassen, die nichts dabei finden, stundenlang im Nieselregen in blockumrundenden Schlangen zu stehen, bevor sich die Kinotüren öffnen. Einzigartig für Kanada allerdings dürfte sein, dass Zuschauer morgens um neun frenetisch die Ansage beklatschen, wie immer sei das Mitschneiden des folgenden Films untersagt, und es wäre nett, wenn alle elektronischen Geräte jetzt ausgeschaltet würden.

          Viele Beiträge von anderen Festivals - so auch „Rachel Getting Married” mit Anne Hathaway

          Ärgerlich war, dass die wichtigsten Filme in diesem Jahr nahezu ausnahmslos am Anfang des Festivals liefen, das in den letzten Tagen kaum noch Interessantes zu bieten hatte - auch keine Wiederholungsvorstellungen von jenen Filmen, die man wegen zeitlicher Überlappungen am Anfang verpasst hatte. Und so verläpperte sich das Festival, und die Stimmung, von Beginn an nicht gerade euphorisch, verläpperte sich auch.

          Dabei gab es, abgesehen von „The Wrestler“, der in Venedig gewonnen hatte, von Kathryn Bigelows erstaunlichem Irak-Film „The Hurt Locker“ und Jonathan Demmes „Rachel Getting Married“, ebenfalls bereits in Venedig zu sehen, „Waltz With Bashir“ (aus Cannes) oder „Burn After Reading“ (Venedigs Eröffnungsfilm der Brüder Coen), eine ganze Reihe von Filmen, mit denen sich das Festival schmücken konnte. Dazu gehörte der Western „Appaloosa“ von Ed Harris, der nicht nur mit dem Regisseur selbst, mit Jeromy Irons und Viggo Mortensen großartig besetzt (und mit Renée Zellweger grandios fehlbesetzt) war, sondern auch in seinen homoerotischen Untertönen, seinen komödiantischen Anteilen und einer gewissen Trägheit in handlungsarmen Momenten genregerecht vor allem von einem erzählte, nämlich von Männerfreundschaft. Olivier Assayas trug mit „L'heure d'été“ seinen Teil zum französischen Familienfilm bei und erzählte in unangestrengter Art davon, wie ein Erbe aus Kunst und Landhaus in Geld verwandelt wird, weil keiner der Nachkommen mehr so leben kann, wie wir es in französischen Familienfilmen so gern sehen.

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