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„Top Gun: Maverick“ im Kino : Immer voll drauf

Immerhin fliegt er mit Helm, beim Motorradfahren lässt er ihn lieber weg: Tom Cruise in „Top Gun: Maverick“, der von Donnerstag an im Kino zu sehen ist. Bild: AP

Natürlich ist das Kitsch, es ist maßlos und fern jeder Realität: Tom Cruise fliegt wieder in „Top Gun: Maverick“. Wer sich diesen Pathosformeln des Kinos entziehen kann, der hat das Hollywood-Kino vermutlich nie ganz verstanden.

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          Wenn nicht allzu weit östlich der Bundesrepublik Krieg herrscht, wenn Kampfjets aufsteigen und Luftangriffe geflogen werden, dann ist das Sequel zu „Top Gun“, dem legendären Blockbuster des Sommers 1986, nicht unbedingt der Film der Stunde, auf den man gewartet hätte. Heroismus und patriotische Hingabe, die Selbstverständlichkeit von Krieg und Bomben produzieren einen seltsamen Effekt, weil die fast klinisch-technische Darstellung auf der Leinwand so gar nicht passt zu den Bildern der Zerstörung und Verwüstung aus der Ukraine.

          Peter Körte
          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Dieses Timing ist „Top Gun: Maverick“ nun nicht anzulasten. Der Kinostart musste sechsmal verschoben werden wegen der Pandemie. Der Film wird diesmal auch nicht dazu führen, dass massenhaft Lammfelljacken und Ray-Ban-Sonnenbrillen verkauft werden. Es ist nicht bekannt, dass die Navy wie damals in amerikanischen Kinofoyers Stände aufbauen wird, um die enorme Zahl freiwilliger Bewerber zu versorgen. Aber das Verteidigungsministerium ist immer noch ein Player. Es hat das Drehbuch abgesegnet, den Zugang zu militärischen Anlagen und Flugzeugen ermöglicht, es hat, wie ein Studiochef, auch den Rohschnitt abgenommen und für die Premiere den alten Flugzeugträger USS Midway zur Verfügung gestellt.

          Das ist der Deal, diese Kooperation hat es dem Produzenten Jerry Bruckheimer und seinem Star Tom Cruise erlaubt, ein Budget von 150 Millionen Dollar aufzubringen. Bruckheimer und sein Partner Don Simpson, der ein hochtouriges Achtzigerjahre-Produzentenleben führte und 1996 mit 20 verschiedenen Drogen im Körper tot aufgefunden wurde, hatten in den Achtzigern Ernst mit „High Concept“ gemacht – ein Begriff, der die gewohnte Semantik auf den Kopf stellt. Er bezeichnet simpelste Storys, die sich in weniger als 25 Wörtern resümieren oder allein schon durch den Titel vermarkten lassen. Wie „Flashdance“, „Beverly Hills Cop“ oder „Top Gun“ halt. Simpson/Bruckheimer verdienten nicht nur sehr viel Geld damit, sondern definierten auch das Blockbuster-Kino neu.

          „Top Gun“ hat die anderen bekannten Filme des Jahres 1986 wie zum Beispiel „Platoon“, „Die Farbe des Geldes“, „Stand by Me“, „Crocodile Dundee“ oder „Aliens – Die Rückkehr“ mühelos überlebt. Weil er robuster ist, schlichter, so durchschlagskräftig und unaufhaltsam wie ein Geschoss. Subtilität ist nichts, was einen Blockbuster zum Blockbuster machte. Es erwartet auch jetzt niemand von „Top Gun: Maverick“, dass sich hier Charaktere entwickeln. Man erfährt einfach sehr wenig über alle, denn alles dreht sich um Cruises Pete „Maverick“ Mitchell.

          Der zentrale Konflikt verbindet die Handlung mit dem Vorgängerfilm. Rooster (Miles Teller) ist der Sohn von Mavericks Freund und Flugpartner ­Goose, an dessen Tod Maverick sich die Schuld gab (und noch immer gibt). Rooster ist auch einer der Piloten, die Maverick für eine extrem gefährliche Mission ausbilden soll. Aber auch diese Variante des Vater-Sohn-Konflikts ist eher generisch als spezifisch, selbst wenn Rooster sich ans Klavier setzt, „Great Balls of Fire“ spielt, Maverick mit waidwundem Blick zuhört und eine Rückblende dann die Szene aus dem alten Film zeigt, in dem Goose dasselbe Lied spielt.

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