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Gespräch über „Toni Erdmann“ : Ganz großes Kino – und das auch noch mit fünf Kindern

Kunst darf was kosten, das Büro nicht: Maren Ade, Janine Jackowski und Jonas Dornbach (von links). Bild: Andreas Pein

„Toni Erdmann“ war in Cannes ein riesiger Erfolg, auch ohne Palme. Vielen gilt er als einer der besten deutschen Filme seit langem. Wie konnte der kleinen Berliner Produktionsfirma das gelingen? Alles nur eine Frage der Organisation?

          10 Min.

          Sie führen zu dritt die Produktionsfirma Komplizen Film, die mit Maren Ades „Toni Erdmann“ gerade einen riesigen Erfolg feiert. Wie geht das zu dritt? Haben Sie eine hierarchische Struktur? Hat einer das letzte Wort?

          Verena Lueken

          Redakteurin im Feuilleton.

          Janine Jackowski: Maren Ade und ich haben uns im Studium an der Filmhochschule in München kennengelernt und Komplizen Film in München gegründet. Ganz in Berlin sind wir seit 2010, vorher bin ich gependelt. Bei Maren Ades Film „Alle anderen“ hat Jonas Dornbach, der in Berlin studiert hatte, die Herstellungsleitung gemacht und kam dann 2009 zu uns. Worüber wir sehr glücklich sind.

          Maren Ade: Ich habe gemerkt, dass ich mich nicht mehr so gut zweiteilen kann. Gerade als ich Mutter geworden bin, habe ich gemerkt, dass ich mich stärker entscheiden muss, und habe mich für das Regieführen entschieden. Inzwischen haben Janine und ich beide zwei Kinder im gleichen Alter.

          Jackowski: Wir wünschten uns einen weiteren Produktionspartner, vor allem, als nach dem Erfolg von „Alle anderen“ klar war, dass wir mehr machen möchten, und ich brauchte jemanden an meiner Seite, während Maren sich um ihre eigenen Projekte kümmert.

          Jonas Dornbach: Was die Hierarchie angeht: Wenn ein neues Projekt zu uns kommt und wir uns fragen, ob wir das machen wollen, dann liest erst mal einer von uns, gibt ein vorläufiges Urteil ab und schickt es an die anderen. Wenn wir es alle toll finden, ist der Fall ja klar. Aber mindestens einer muss, damit wir ein Vorhaben durchziehen, wirklich dafür brennen. Sonst machen wir es nicht. Und wer dafür brennt, der hat bei dieser Sache auch das letzte Wort bei offenen Fragen.

          Gilt das für alle Bereiche? Oder gibt es eine Arbeitsteilung, weil einer besonders clever bei der Zusammenstellung der Finanzierung ist, einer vielleicht eher in der Zusammenarbeit mit den Künstlern?

          Ade: Ich beurteile eher Drehbücher oder Schnittfassungen. Aber in Phasen, in denen ich drehe, bin ich komplett ausgeschaltet. Jede Entscheidung, die dann getroffen wird - es sei denn, sie sei wirklich total existentiell -, geht dann ohne mich über die Bühne. Ich brauche während der Dreharbeiten die Abschottung aber auch.

          Jackowski: Jonas und ich teilen uns die Projekte immer öfter auf. Jonas hat jetzt zum Beispiel „Western“ von Valeska Grisebach begleitet, aber die Finanzierung, also mit welchen Partnern und Verleihern wir zusammenarbeiten, das stimmen wir gemeinsam ab. Ich wollte unbedingt damals, als Jonas kam, dass er ein richtiger Partner wird. Wenn man immer nur im stillen Kämmerlein alles allein sich ausdenkt - das ist doch fürchterlich. Deshalb sitzen wir auch im selben Raum uns gegenüber. Wir besprechen ständig die Sachen, die der eine oder die andere auf dem Schreibtisch hat.

          Ade: Bei uns gibt es nicht dieses Rollenspiel zwischen Regie und Produktion. Das versuchen wir zu vermeiden und immer gemeinschaftlich und inhaltlich zu diskutieren, was das Beste für das Projekt ist. Trotzdem bin ich verantwortlich dafür dass es ein guter Film wird, und oft vertrete ich dann nur die Regieposition auch wenn ich weiß, dass es von Produktionsseite anders besser wäre.

          Dornbach: Bei manchen Projekten gibt es eine klare Arbeitsteilung, bei „Toni Erdmann“ zum Beispiel haben wir uns abgewechselt, intuitiv und nach Bedarf des Projektes. Die Ideen konkretisieren sich, kommen im Austausch, im Pingpong hier über den Schreibtisch.

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