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Tom Tykwer im Gespräch : Die Dimension des Extremen

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Karoline Herfurth und Ben Whishaw in Tykwers Film Bild: AP

Einen kleineren, einen billigeren Film hätte ein anderer drehen müssen: Der Regisseur Tom Tykwer über „Das Parfum“, drastische Bilder und guten Geschmack und die unglaubliche Schönheit dieser Welt.

          9 Min.

          Einen kleineren, einen billigeren Film hätte ein anderer drehen müssen: Der Regisseur Tom Tykwer über „Das Parfum“, drastische Bilder und guten Geschmack und die unglaubliche Schönheit dieser Welt.

          Herr Tykwer, wann sind Sie darauf gekommen, daß Sie bei der Verfilmung vom „Parfum“ Regie führen wollen?

          Bernd Eichinger ist darauf gekommen, ich hätte nicht im Traum daran gedacht. Er hat mich zu einem Zeitpunkt angesprochen, als ich nicht so gut drauf war. Ich hatte das Gefühl, es muß schon etwas Besonderes kommen, damit ich mit dem Filmen weitermachen will. Und das war dann „Das Parfum“. Als Eichinger mich anrief und mit mir über den Film reden wollte, war ich zurückhaltend und habe als erstes noch mal das Buch gelesen. Ich hatte vergessen, wie sehr es von der Sehnsucht nach Liebe, von dem Streben eines idiosynkratisch verbohrten Charakters nach Kontaktaufnahme handelt, und daß das die treibende Kraft des Buches ist. Süskind hat ein großes Thema, nämlich die Einsamkeit des Individuums und letztlich das verzweifelte Anrennen gegen die Geworfenheit des Menschen. Daß wir immer wieder versuchen, irgend etwas zu tun, das uns hervorstechen läßt aus der Masse der Menschen und aus der Berührungs- und Begegnungslosigkeit unserer Existenz.

          Es mußte etwas Besonderes kommen: Tom Tykwer

          Das ist eine sehr allgemeine Beschreibung einer sehr speziellen Figur. Immerhin geht es um einen Mörder, der besser riechen kann als irgend jemand sonst und auf der Jagd ist nach dem perfekten Parfum.

          Es ist immer gut, das Allgemeine zugespitzt darzustellen, mit einer sehr exzentrischen Figur wie hier, die das gleichsam quintessentiell verkörpert: dieses Streben aller Menschen nach Einzigartigkeit, nach Ausarbeitung eines spezifischen Talents, das wir ja alle in uns wähnen. Dieser rasende Wunsch nach Anerkennung ist uns selbst in einer solchen Extremität nicht fremd. Das ist ein Thema, von dem ich etwas weiß und in dem ich mich auch sicher fühle.

          Das Thema kommt aber, anders als in Ihren früheren Filmen, im Kostüm daher.

          Ich habe mir tatsächlich nie vorgestellt, daß ich einen Kostümfilm machen würde. An Kostümfilmen ärgert mich immer, daß die Leute so aussehen, als seien sie vor zwei Minuten vom Kostümbildner angezogen worden, und mich ärgert der Zustand, in dem die Welt ist. Es sieht immer aus wie Heute, ein bißchen auf Gestern getrimmt, weil Oberflächen nicht genügend bearbeitet werden und bei Filmen, die im achtzehnten Jahrhundert spielen, zum Beispiel das Drecklevel einfach nicht stimmt.

          Im „Parfum“, das ist eines der Verdienste des Buchs, kann man in diese Welt eintauchen, und es zeigt uns einen Ausschnitt, der in der Literatur selten, im Film fast nie vorkommt, nämlich die unterste Schicht. Ich habe einen großen Ehrgeiz entwickelt und mir gesagt: Jetzt mache ich mal einen richtigen Kostümfilm, statt mich immer nur über die anderen zu beschweren. Ich hatte plötzlich das Gefühl, das hier ist genau, was ich brauche. Das ist ein Stoff, in dem ich mich zu Hause fühle, alles andere ist neu. Es war eigentlich perfekt. Und die Gedanken, warum ich einen Bestseller verfilmen sollte, was man halt so tut, wenn man vierzig geworden ist, die waren ganz schnell vorbei. „Das Parfum“ ist ein sehr exzentrischer Bestseller.

          Bernd Eichinger hat immer wieder betont, daß der Film ein Klassiker werden soll und daß er in einer modernen Filmsprache erzählt sei. Was heißt modern?

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