https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kino/tom-cruise-spielt-jack-reacher-kritik-zum-neuen-kinofilm-14521953.html

„Jack Reacher“ im Kino : Weil er Tom Cruise ist

Eine überraschungsarme Geschichte, ein erster Teil, der mäßig ankam, ein Filmstar, der schon lange keine interessante Rolle mehr hatte: In „Jack Reacher“ produziert Tom Cruise viel Plastikmüll.

          2 Min.

          Tom Cruise ist in die Jahre gekommen. In jene Jahre, in denen man sich als Superstar mit dank Scientology leicht lädiertem Image ein paar Gedanken machen sollte, wie lange man als Actionstar glaubhaft bleiben kann, ohne übergangslos im Club der müden Actionhelden, bei „The Expendables“ zu landen. Cruise ist 54 Jahre alt, er versucht noch immer, so viele Stunts wie möglich selber zu machen, und das sind, wenn man den Produktionsnotizen glaubt, einige. Er hält in seinen Rollen auch noch immer an jenem altbackenen, schlagkräftigen und ritterlichen Typus von Männlichkeit fest, dessen dunkle Seiten zwanghaft aufgehellt werden, was ihn dann meist etwas langweilig wirken lässt.

          Peter Körte
          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Cruise hat nun aber auch, von dem unverwüstlichen Franchise „Mission: Impossible“ abgesehen, schon lange keinen großen Erfolg und auch keine interessante Rolle mehr gehabt, obwohl er früher ein Garant für viele Dollars war. Dass er in „Jack Reacher - Kein Weg zurück“ nun zum zweiten Mal den Titelhelden spielt, obwohl der erste Film vor vier Jahren mäßig bis schlecht lief, mag keine sonderlich gute Entscheidung sein. Aber Tom Cruise glaubt offenbar daran, sonst würde er wohl kaum auch als Produzent agieren.

          Der Schriftsteller Lee Child hat diesen Reacher erfunden und in mittlerweile zwanzig Romanen zur Weltmarke gemacht: ein ehemaliger Militärpolizist, der ohne festen Wohnsitz und ohne Sozialversicherungsnummer durch Amerika zieht, ein Kraftpaket von 1,90 Meter, ein Überlebenskünstler, ein klassischer Loner; einer, der immer wieder in hässliche Dinge verstrickt wird, ein Mann mit einem unverrückbaren moralischen Kompass, auf den er sich eher verlässt als auf den Rechtsstaat und dessen Gesetze. Eine ziemlich interessante Romanfigur also. Mit wenig Affinität zur Persona von Tom Cruise.

          Kinotrailer : „Jack Reacher 2: Kein Weg zurück“

          Das Budget ist, für einen Tom-Cruise-Film zumindest, mit 60 Millionen Dollar sehr moderat. Die Geschichte, nach Childs Roman „Die Gejagten“, ist sehr überraschungsarm. In Edward Zwicks Inszenierung verwandelt sich alles in Routine. Die Verschwörung im Militärapparat ist lahm, die Prügeleien wirken auf Dauer ermüdend, die Schurken immer etwas zu schurkisch, die Familienaufstellung fällt zu schematisch aus: Reacher, seine aparte Nachfolgerin (Cobie Smulders) als Major der Militärpolizei, dazu ein 15-jähriges Mädchen, dessen Mutter eine Vaterschaftsklage gegen Reacher angestrengt hat. Die Schauplätze wechseln, von Virginia nach New Orleans, Cruise’ Mimik und Körpersprache dagegen kaum; unterwegs wird viel Fastfood verzehrt und dabei viel Plastikmüll produziert. Weit fataler jedoch ist, dass zwischen Cruise und Cobie Smulders nichts, aber auch gar nichts knistert - und dass Cruise die Rolle spielt wie ein Zitat seines jüngeren Selbst.

          Aparte Nachfolgerin: Jetzt ist Turner (Cobie Smulders) Major der Militärpolizei.
          Aparte Nachfolgerin: Jetzt ist Turner (Cobie Smulders) Major der Militärpolizei. : Bild: Paramount Pictures / Skydance Productions

          Lee Child ist übrigens auch dabei. Als Sicherheitsbeamter am Flughafen kontrolliert er Cruise, der einen frisch gestohlenen Ausweis vorzeigt. Er winkt ihn durch, obwohl Ausweisbild und Cruise einander kaum ähneln. Cruise dürfte auch schwerlich dem Reacher ähneln, den Child vor Augen hatte, als er die Figur erfand. Er hat ihn auch passieren lassen – weil er Tom Cruise ist.

          Weitere Themen

          Im Jahr der Wechselkröte

          Bachmannpreis für Ana Marwan : Im Jahr der Wechselkröte

          Die Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt sind eine der letzten Bastionen hochklassiger Literaturkritik. In diesem Jahr bekam der beste Text nur die zweitbeste Auszeichnung.

          Hüter, ist die Nacht bald hin?

          Rheingau Musik Festival : Hüter, ist die Nacht bald hin?

          Zum ersten Mal wieder große Chorsinfonik in der Basilika von Kloster Eberbach: Der MDR-Rundfunkchor und das hr-Sinfonieorchester sorgen für einen klangmächtigen Auftakt mit Mendelssohn.

          Topmeldungen

          Die Vertreter der G-7-Staaten und der EU am runden Tisch in Elmau.

          G7-Gipfel in Elmau : Ein Ölpreisdeckel gegen Russland

          Die G7 planen einen Ölpreisdeckel. Das soll Putins Einnahmen schmälern und zugleich die Inflation drücken. Die Idee hat allerdings auch ihre Tücken.
          Verspätung, Ausfall, Überfüllt: Die Deutsche Bahn hat momentan keinen guten Ruf.

          Deutsche Bahn : Aufbruch in Absurdistan

          Bei der Deutschen Bahn reiht sich ein Versäumnis an das nächste. Jetzt wird sie unter Betreuung gestellt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.