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Tom Cruise : Mission unmöglich

Diese Zeitung hat, wie viele überregionale Feuilletons, im Streit um das Projekt sehr leidenschaftlich Partei ergriffen für Cruise, den Film und vor allem die Kunstfreiheit, die auch schon im Sommer von einer deutschen Spielart des McCarthyismus bedroht war - und vielleicht muss daran erinnert werden, dass die Argumente nichts von ihrer Stimmigkeit verloren haben: dass nämlich, erstens, der Umstand, dass der Sektierer Cruise den Hitler-Attentäter spielt, keine Unverschämtheit sei, sondern womöglich eine angemessene Besetzung - schließlich war Stauffenberg alles andere als ein überzeugter Demokrat und als Mitglied des George-Kreises gewissermaßen Teil einer Organisation, welche, gäbe es sie heute, vom Verfassungsschutz beobachtet würde.

„Tom Cruise - ist er jetzt völlig gaga?“

Und dass man, zweitens, dem Projekt, nach Lektüre des Drehbuchs und Gesprächen mit Autor, Regisseur und Hauptdarsteller, alles andere als eine Scientology-Lastigkeit bescheinigen könne; zu erkennen seien vielmehr die erstaunliche Präzision, die Exaktheit der historischen Rekonstruktion - und womöglich könne man Tom Cruise, seinem Regisseur Bryan Singer und dem Drehbuchautor Christopher McQuarrie ja dankbar dafür sein, dass sie die Geschichte vom gescheiterten Attentat, welche in weiten Teilen der Welt völlig unbekannt ist, mit den Mitteln Hollywoods genau jener Welt erzählen wollen.

Was am deutlichsten gegen alle Verschwörungstheorien spricht, ist die profane Tatsache, das Cruise und seine Ex-Agentin Paula Wagner zwar große Anteile an United Artists halten. Aber die Mehrheit gehört diversen Hedge-Fonds, und die wollen Geld sehen, keine Propaganda, und sie wollen es bald sehen, zumal das erste Projekt von Cruise und Wagner, Redfords „Von Löwen und Lämmern“, kommerziell gescheitert ist.

Mag schon sein, dass Tom Cruise in diesem Berliner Sommer den Deutschen ein wenig sympathischer geworden ist; der Sekte hat das trotzdem keine neuen Anhänger gebracht, und seine unverständliche Dankesrede bei der Bambipreisverleihung hat Cruise dem deutschen Publikum eher unheimlich gemacht. Wer die Schlagzeile „Tom Cruise - ist er jetzt völlig gaga?“ für besser als gar keine Presse hält, muss auch die notorische Scientology-Bekämpferin Ursula Caberta zur unfreiwilligen Propagandistin ehrenhalber ernennen.

Er ist ein Genie des Kinos

Und genau an diesem Punkt kehren sich die Verhältnisse um. Es ist, seitdem er vom Freizeit-Scientologen zum Missionar geworden ist, nicht besonders gut gelaufen für Tom Cruise. Das Studio Paramount warf ihn hinaus mit der Begründung, jene erstaunlichen Fernsehauftritte, in welchen er mal die Kollegin Brooke Shields beschimpfte, mal auf Oprah Winfreys Sofa herumhopste, hätten den Film „Mission Impossible III“ letztlich 150 Millionen Dollar an Einspielergebnissen gekostet.

Die Videos, die jetzt im Internet kursieren, sorgen in Deutschland für Schrecken - in Amerika wird Cruise verspottet, ausgelacht, parodiert. Sein Freund Spielberg hat sich vor einiger Zeit distanziert; jetzt meldet das Magazin „People“, dass die Kollegen Adam Sandler und Ben Stiller, Bruce Willis und Dustin Hoffman schon ihr Mitgefühl bekunden.

Es ist ganz offensichtlich falsch, dass Tom Cruise von großem Nutzen für Scientology wäre. Vielmehr schadet Scientology dem Schauspieler und Superstar Tom Cruise, den wir nicht fürchten müssen. Eher sollten wir uns sorgen um ihn. Er ist ein Genie des Kinos, das man nicht verlieren möchte.

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