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Tom Cruise : Mission unmöglich

Weder im einen noch im anderen Clip schien der coole, selbstgewisse Cruise auf der Höhe seiner Möglichkeiten zu sein, ganz im Gegenteil; und der „Clean-up“-Clip wirkte gerade auf Cruise' Bewunderer wie ein amateurhaft inszeniertes und extrem schlecht geschriebenes Remake jener atemberaubenden Szenen in dem Film „Magnolia“, wo Cruise den halbverrückten und völlig besessenen Guru einer Macho-Sekte namens „Seduce and Destroy“ spielt, einen irren, adrenalinsüchtigen Männerrechtler, der sein Publikum anbrüllt: „Respect the cock!“ - es war eine geniale Performance, für welche Cruise, völlig zu Recht, mit einer Oscar-Nominierung belohnt wurde.

Man weiß nie, wo die Rolle aufhört

Und vermutlich ist das ja schon die Wahrheit über Tom Cruise: Er sei, so steht es mehrfach bei Morton, immer ein „Natural“ gewesen, ein Mann, der Schauspieler wurde, ohne je eine entsprechende Schule besucht zu haben - Tom Cruise hat seine Rollen nie gelernt; er hat sie sich anverwandelt, mit Intuition und Instinkt und jenem ungeheuren Willen, der selbst solche Schauspielsuperkönner wie Hoffman und Nicholson beeindruckt hat. Cruise kann nur Cruise: so könnte man ihn kritisieren.

Aber gerade das ist ja der Grund für seine ungeheure Intensität und Präsenz: dass man bei ihm nie weiß, wo die Rolle aufhört und die Person beginnt. Cruise scheint erst richtig Cruise zu werden, wenn die Kamera läuft und im Drehbuch die Sätze eine Pointe haben. Kein Wunder also, dass Cruise nicht ganz bei sich ist, wenn statt Martin Scorsese der Amateur Miscavige die Regie hat und das Drehbuch von dem schlechten Science-Fiction-Autor L. Ron Hubbard stammt.

Tom Cruise, das ist der nachrichtliche Kern von Mortons Buch, sei, erstens, inzwischen die Nummer zwei der Firma Scientology, eine Behauptung, für die Morton keine Belege, nur ein paar Indizien und Mutmaßungen liefert - und die man, gerade im Kontext dieses Buchs, mit Skepsis zur Kenntnis nimmt: schon weil Morton seinen Helden als einen Mann porträtiert, dem eigentlich Nummer eins zu sein gerade gut genug ist. Nummer zwei bei Scientology, dem aasigen Miscavige unterstellt: wenn das stimmte, müsste man Cruise bedauern.

Missionarische Nebeneffekte durch „Valkyrie“

Und zweitens sagt Morton, was er ebenfalls nicht belegen kann und was, als eines unter mehreren Motiven, doch einigermaßen plausibel klingt: dass Cruise, der inzwischen das traditionsreiche Studio United Artists führt, die Produktion und die Hauptrolle des Films „Valkyrie“ auch deshalb übernommen habe, weil er sich missionarische Nebeneffekte davon verspreche, wenn er, der Scientologe, den Grafen Stauffenberg spielt - den, wie zumindest Cruise zu glauben scheint, größten Helden jener Deutschen, die der Sekte gegenüber so feindselig sind, dass die Mitgliederzahlen seit Jahren auf niedrigstem Niveau stagnieren (dass der Film selber propagandistisch sei, behauptet aber nicht einmal Andrew Morton).

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