https://www.faz.net/-gqz-pzgt

Til Schweiger : Kaninchen oder Karriere

  • -Aktualisiert am

Er ist wieder hier, in seinem Revier: Til Schweiger Bild: dpa/dpaweb

Hätte er in „Der Soldat James Ryan“ den Nazi gespielt, wäre seine Hollywood-Karriere wohl anders verlaufen. Nun ist Til Schweiger wieder zurück und glänzt in „Barfuß“ als Hauptdarsteller, Regisseur und Produzent.

          6 Min.

          Es gibt da ein Problem mit den Kaninchen. Rohkost und artgerechte Haltung konnten nichts daran ändern: Sie lieben ihre Freiheit mehr als ihr Herrchen. „Ich muß mir was mit dem Gatter einfallen lassen“, sagt der. „Die Viecher hauen immer ab.“ Til Schweiger hat sich den Heimwerkerproblemen gestellt. Entsprechend ist er gekleidet: alte Jeans, Turnschuhe, Bomberjacke, als wollte er auch im echten Leben die Rolle des trotteligen Prolls spielen. Des gutaussehenden trotteligen Prolls wohlgemerkt, denn, um gleich die wichtigste Frage zu beantworten: Er sieht tatsächlich so gut aus wie auf der Leinwand.

          Til Schweiger hat in den letzten Monaten viel Zeit darauf verwendet, in Talkshows und Interviews zu betonen, daß er ein glücklicher Ehemann und stolzer Vater von vier Kindern sei. Und daß ihm dies wichtiger sei als seine Karriereplanung. Wer noch Zweifel an der Beschwörung der heilen Welt hegte, ist spätestens jetzt überzeugt, wenn er den Garten der Schweigers betritt. Hunde, Katzen und Kaninchen tummeln sich hier zwischen verstreuten Spielsachen. Um das Grundstück herum erstrecken sich Wald und Pferdekoppeln. Und hinter der Villa liegt ein riesiger Hühnerkopf aus Plastik, der aussieht, als hätte man ihn aus dem Phantasialand mitgehen lassen.

          „In Amerika zählt nur der Kommerz“

          Zum Interview bittet Schweiger in die Glasveranda - den einzigen Ort im Haus, wo er rauchen darf. Nach langer Abstinenz hat er sich das Rauchen wieder angewöhnt. Bei den Dreharbeiten zu „King Arthur“, sagt er. Weil er so weit weg von seiner Familie war. Und weil dort alle geraucht haben, um das stundenlange Herumstehen in Schlamm und Kälte zu ertragen.

          Schweiger mit Johanna Wokaloek in „Barfuß”

          Er sitzt in einem Korbsessel und erzählt mit dieser quäkig-nuscheligen Stimme, die manche so sexy und andere so unerträglich finden, von seiner Zeit in Hollywood. „King Arthur“, sagt er, sei einer der Filme, die es nicht wert waren, dafür ein halbes Jahr von der Familie getrennt zu sein. „Heute würde ich so eine Rolle nicht mehr annehmen.“ Kein Wunder, er spielte in „King Arthur“ einen Sachsenhäuptling, der fies und ein bißchen blöd war - ganz anders als der sympathische Typ, den er im deutschen Kino gerne gibt. Er ist enttäuscht, daß die Filme, auf die er wirklich stolz ist, in Europa nur auf DVD zu sehen waren. „SLC Punk“ zum Beispiel, ein sozialkritischer Independent-Film über die Punk-Kultur in Amerika, in dem Schweiger einen deutschen Drogendealer spielt. „In Amerika setzt sich immer nur der Kommerz durch. Filme wie ,Tomb Raider‘ und ,King Arthur‘ eben. Nur die schaffen es dann, auch in Europa vermarktet zu werden.“

          Zeit in Hollywood enttäuschend

          Wenn Til Schweiger heute so schlecht spricht über seine Arbeit in Hollywood, mag es die Enttäuschung über eine gnadenlose Filmindustrie sein, sicherlich aber auch die Enttäuschung darüber, daß er es in Amerika nicht wirklich geschafft hat.

          Er ist über Rollen in der zweiten oder dritten Reihe nicht hinausgewachsen. In „Driven“, einem Film, der sich nicht nur deshalb im Kreis drehte, weil es um Autorennen ging, uninspirierten Actionspektakel, bekam er immerhin die dritte Hauptrolle, aber eben wieder die des Bösewichts. Der „Driven“-Hauptdarsteller und -Drehbuchautor Sylvester Stallone prophezeite Schweiger während der Dreharbeiten, daß sich nach dem Film sein Leben ändern werde. Genau so kam es. Er ist zurück nach Deutschland gegangen. Er wollte keine Autorennfilme. Er wollte Autorenfilme drehen.

          Weg nach oben selbst verbaut?

          Weitere Themen

          Travolta verdreht Fans den Kopf Video-Seite öffnen

          Roter Teppich : Travolta verdreht Fans den Kopf

          Bei seinem Auftritt auf dem roten Teppich in Rom verdreht Hollywood-Star John Travolta den Fans den Kopf: Der 65-jährige Schauspieler stellt seinen neusten Film „The Fanatic“ vor und gesteht dabei, was ihn selbst zum Fanatiker macht.

          Topmeldungen

          Borussia Dortmund : Favre und die Anzeichen der Entfremdung

          Lucien Favre ist in eine hochkomplizierte Lage hineingeraten. Obwohl keiner der Verantwortlichen den Trainer öffentlich kritisiert, dürfte er keine große Zukunft bei Borussia Dortmund haben. Wie konnte das nur passieren?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.