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Thriller „Das Ende der Wahrheit“ : Agentenkino, deutsch

Das war keine Gutenachtgeschichte: Ronald Zehrfeld als Nachrichtendienstler mit Skrupeln in Philipp Leinemanns Film Bild: Verleih Prokino

Ein Skandal beim Bundesnachrichtendienst und eine geheime Beziehung: Der deutsche Genrefilm „Das Ende der Wahrheit“ war als spannender Kinofilm geplant. Doch erzählt der Thriller auch, was er erzählen will?

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          Der wichtigste Satz zu diesem Film steht in den Notizen der Produzenten im Presseheft: „Aufgrund der skeptischen Haltung der Zuschauer gegenüber deutschen Genrefilmen mussten wir ,Das Ende der Wahrheit‘ mit sehr geringem Budget umsetzen.“ Wir wollten keine halben Sachen machen, heißt das, aber wir haben es trotzdem getan; wir sind gegen die Wand gefahren, aber mit Bedacht. Auch so kann man beschreiben, wo „Das Ende der Wahrheit“ im deutschen Kino steht.

          Andreas  Kilb

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Es geht um einen Skandal beim Bundesnachrichtendienst. Behrens (Ronald Zehrfeld), ein Experte für Zentralasien, entdeckt, dass seine Behörde bei der Aufrüstung eines Diktators in dem Phantasiestaat Zahiristan mit internationalen Waffenhändlern kooperiert. Als er der Sache nachgehen will, wird er von seinem neuen Vorgesetzten Lemke (Alexander Fehling) ausgebremst. Schließlich gelingt es Behrens, Lemke zu überzeugen, und die beiden fliegen gemeinsam mit dem BND-Chef nach Zahiristan, wo sie auf schreckliche Weise erfahren müssen, dass die Gegenseite am längeren Hebel sitzt.

          Der Grund hinter den Niederlagen

          Philipp Leinemann, der Regisseur, hat vor fünf Jahren mit „Wir waren Könige“ gezeigt, dass er die Spannungsbögen und Bewegungsbilder des Kinothrillers souverän beherrscht. Auch in „Das Ende der Wahrheit“ sitzen die dramaturgischen Stellschrauben richtig, die Nebenrollen sind mit Schauspielern wie Claudia Michelsen, Antje Traue, Axel Prahl und August Zirner exzellent besetzt, und die beiden Actionsequenzen in einer Münchner Bar und auf einer zentralasiatischen Schotterpiste lassen optisch nichts zu wünschen übrig. Dennoch wirkt der Film immer wieder kleinkariert, sowohl was seine Schauplätze als auch was die Story angeht. Das beginnt mit einem nachrichtendienstlichen Besprechungsraum, der wie eine größere Abstellkammer aussieht, und endet mit einem zahirischen Militärflugplatz, der seltsam ausgestorben und unbenutzt erscheint. Man sieht nicht, dass „Das Ende der Wahrheit“ nur gut zwei Millionen Euro gekostet hat, aber man spürt in fast jeder Szene, dass er nicht über die nötigen Mittel verfügt, um zu erzählen, was er erzählen will.

          Inzwischen könnte man eine deutsche Chronologie des Scheiterns am Thrillergenre aufstellen, von Dominik Grafs „Die Sieger“ über Tom Tykwers „The International“ und Christoph Hochhäuslers „Die Lügen der Sieger“ bis zu Philipp Leinemanns Film. Mal lag es am Geld, mal am Drehbuch, aber der eigentliche Grund hinter den vielen Niederlagen ist das Fehlen einer handwerklichen Tradition hochklassiger Krimis in Deutschland. Der „Tatort“ ist eben doch keine Meisterschule. Im Interview nennt Leinemann die Tom-Clancy-Verfilmungen mit Harrison Ford als Jack Ryan als Vorbilder. Aber das ist jetzt auch schon fünfundzwanzig Jahre her, und Jack Ryan schießt und tobt mittlerweile auf Amazon Prime.

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