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Schauspieler im Corona-Modus : Probe per Zoom

Zielperson: Burgschauspieler Peter Ungeheuer (links) überfällt den echten Bankkaufmann Harald Koch in der Naspa-Filiale Bild: Eppsteiner Burgschauspiele

Kurzfilme statt Open-Air-Festivals: Eppsteiner Burgschauspieler erhalten für ihren Einfallsreichtum den ersten Theater-Kreativ-Digital-Preis. Und nicht nur das Land fördert sie.

          3 Min.

          Das Aus ist im März quasi über Nacht gekommen. An gemeinsame Proben im Bürgerhaus für das neue Stück „Arsen und Spitzenhäubchen“ war im ersten Lockdown nicht mehr zu denken. Da sei erst einmal allen zum Heulen gewesen, erinnert sich die Regisseurin der Eppsteiner Burgschauspieler, Juliane Rödl. Die für ihre Kreativität bekannte Amateurtheatertruppe ließ sich aber nicht lange aufhalten – geprobt wurde fortan per Zoom-Konferenz.

          Heike Lattka

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Taunus-Kreis.

          Auch als im Mai jedwede öffentliche Veranstaltung auf der Burg abgesagt werden musste, gaben die Theateramateure nicht auf. Sie drehten fünf Kurzfilme nach eigenen Drehbüchern, initiierten das erste Kurzfilmfestival „Bajazzo“ und begeisterten in den sozialen Netzwerken ihr Publikum. Für diese Kulturarbeit in Corona-Zeiten erhielt das Ensemble einen der neuen Theater-Digital-Kreativ-Preise, den das Hessische Ministerium für Kultur und Wissenschaft auslobte und der mit 800 Euro dotiert ist.

          „Das klappte schnell wie am Schnürchen“

          Auch sonst erwiesen sich die Burgschauspieler als erfindungsreich. Selbst für mögliche Schwellenängste der Senioren in der Truppe vor der modernen Technik fand sich eine Lösung. Rödl wies die Unsicheren mittels Whatsapp-Video ein und machte auf dem eigenen Laptop vor, wie eine Zoom-Verbindung einzurichten ist. „Das klappte schnell wie am Schnürchen“, berichtet sie. Schwieriger sei es gewesen, die richtige Probenatmosphäre in Küche oder Wohnzimmer zu schaffen. Dafür nutzte die Regisseurin einen Trick: Die Schauspieler wurden aufgefordert, kostümiert vor die Kamera zu treten. Manch einer griff zu seinem ungenutzten Fastnachts-Outfit. Für sie als Regisseurin sei die neue Herangehensweise geradezu ein Geschenk gewesen, weil sie per Klick jeden der Akteure in Nahaufnahme habe heranzoomen können, berichtete Rödl.

          Dass sie nie auf den Brettern der Burg stehen würden, ahnten die Akteure damals noch nicht. Erst zwei Monate später sei klar gewesen, dass weder Weihnachtsmärchen noch Burgfestival stattfinden würden. Das traf alle sehr, erinnert sich Rödl. Damit das Ensemble nicht auseinanderbreche, habe man sich etwas einfallen lassen müssen. Die aktive Gruppe besteht aus 20 Mitgliedern, von denen sonst zehn hinter den Kulissen arbeiten. „Ich wollte alle auf Trab halten“, so Rödl.

          Kurzfilme mit jeweils maximal drei Teilnehmern, die nach den aktuellen Hygienebestimmungen im Sommer gedreht worden seien, seien die Lösung gewesen. In nächtlichen, sehr weinseligen Sitzungen schrieb Rödl, beruflich als Seniorenberaterin aktiv, gemeinsam mit Benjamin Peschke fünf kurze Drehbücher. Im ersten Film betritt Ritter Beppo eine triste, in Schwarzweiß getauchte Szenerie, schreit „Ihr dürft nicht aufgeben“ und bringt Farbe nach Eppstein. Auf dem Kaisertempel sinniert Volker Steuernagel dagegen als Figur Jordan aus Molieres „Ein Bürger und Edelmann“ über die Farbe Weiß.

          Die Eppsteiner Zeitung musste als Kulisse für die „Augenklappenromanze“ herhalten. Für die geplante Bar-Szene aber ließ sich keiner der Eppsteiner Wirte zu Aufnahmen überreden. Sie mussten jeden Tag nutzen, um Geld zu verdienen, sagt Rödl verständnisvoll. Da aber die Eventgastronomie von Markus Rösmann weiterhin am Boden lag, öffnete er den Schauspielern die sonst von Konzernvorständen gern gebuchte Location „Percuma“ im Gewerbegebiet als Drehort. Die örtliche Musikschule wiederum hielt als Schauplatz für „Ein Lied für einen Mafioso“ her, in dem sich ein Krimineller in eine Pianistin verliebt.

          Zuschuss der Stadt

          Die kniffeligste Aufgabe aber hatte einer zu bewältigen, der gar nicht zum Ensemble zählt: der Eppsteiner Bankkaufmann Harald Koch. Er überzeugte den Vorstand der Nassauischen Sparkasse, den Alarm in der Filiale am Fuß der Burg für ein Wochenende auszuschalten, damit dort ein fiktiver Banküberfall inszeniert werden konnte. Koch erwies sich zudem als schauspielerisches Talent, mimte er doch selbst den überfallenen Kassierer. Als Rentner will er später ganz bei den Burgschauspielern einsteigen.

          Das Filmprojekt wäre ohne den Zuschuss der Stadt Eppstein in Höhe von 7500 Euro, einem großzügigen Spender, der 2500 Euro beisteuerte, und 5000 Euro Eigenmitteln nicht möglich gewesen, hebt Rödl hervor. Auch die professionelle Filmproduktionsfirma „Kazawa Medien“ trug zum Erfolg bei. Denn die Filmproduzenten – beide gebürtige Eppsteiner – übernahmen die Aufgabe trotz des für die Profis geringen Budgets. Die Kurzfilme sind auf der Homepage unter www.burgschauspieler-eppstein.de zu sehen.

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