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„The Power of the Dog“ im Kino : Sporen aus Stolz und Herzen aus Leder

Dieser naturverbundene Wahnsinnige kennt sogar den Unterschied zwischen „Lasso“ und „Lariat“: Phil (Benedict Cumberbatch) in der Wildnis Bild: AP

Der Höhepunkt des Films ist eine Schießerei ohne Pistolen: „The Power of the Dog“ von Jane Campion ist ein später Western mit Benedict Cumberbatch, den man noch nie so gesehen hat wie hier.

          4 Min.

          Ein scheineinverständiger Zweipersonenhaushalt nimmt eine labile Frau als Hausgast auf. Der robustere Partner in der gut eingespielten, aber irgendwie auch schiefgewachsenen Dyade beschließt, mit der Neuen Katz und Maus zu spielen. Er bedroht sie unter Einsatz aller Waffen der Virilität an Leib, Leben und Seelenheil, denn er will mit der Entschiedenheit amoralischster Selbstsucht, dass sie sich seinen Zwecken fügt, kaputtgeht oder abhaut. Es kommt zur Kata­strophe für alle Beteiligten. Welcher Film ist das? Viele werden sagen: „Endstation Sehnsucht“ („A Streetcar named Desire“) aus dem Jahr 1951 von Elia Kazan, nach einer literarischen Vorlage von Tennessee Williams, mit Marlon Brando als brutal-erotischer Menschenfresser Stanley Kowalski und Vivien Leigh als zitternde Sumpfblüte Blanche DuBois. Stimmt. Gleichfalls richtig ist aber die Antwort: „The Power of the Dog“ aus dem Jahr 2021 von Jane Campion, nach einer literarischen Vorlage von Thomas Savage, mit Benedict Cumberbatch als grausamer Cowboykönig Phil Burbank und Kirsten Dunst als alkoholabhängiger Knitterschmetterling Rose Gordon.

          Dietmar Dath
          Redakteur im Feuilleton.

          Der Unterschied zwischen den beiden Filmen ist simpel, aber subtil in seinen Folgen: Bei Campion bringt die fremde Frau einen Sohn mit. „The Power of the Dog“ scheint zunächst aus der Perspektive dieses abgründigen Heranwachsenden namens Peter erzählt, den Kodi Smit-McPhee als seltsame Kreuzung zwischen Shakespeares dienstbarem Luftgeist Ariel und einer zunehmend düsteren Sonderlingsabseitigkeit anlegt. In Wahrheit nimmt Jane Campion den gesamten Film über den Blickwinkel einer Rachegöttin ein, deren Auge mit eumenidenhaftem Wohlgefallen auf dem Jungen ruht.

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