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„The Look of Love“ im Kino : Selfmademan in Sachen Sex

  • -Aktualisiert am

Terzett im Bett: Steven Coogan als Paul Raymond (links) weiß, wie und was man genießt. Tamsin Egerton und Chris Addison assistieren ihm dabei. Bild: dpa

Versuch’s mal mit Anzüglichkeit: Michael Winterbottoms neuer Film „The Look of Love“ erzählt von einem Selfmademan, der die prüde britische Gesellschaft vor sich hertreibt.

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          Die Zeit ist gar nicht so lange her, als man eine große Show inszenieren musste, um ein paar nackte Brüste zeigen zu können. Der britische Impresario (wenn man diesen Begriff jetzt einmal ein wenig weiter fasst) Paul Raymond steht für eine Geschichte, die noch im Entertainment beginnt und bei der Pornographie endet. Er vertrat eine sexuelle Revolution von oben, eine, die von vornherein mehr auf Profite als auf Freiheit aus war. Sein Erfolg in einem zweifelhaften Metier brachte es mit sich, dass er eines Tages als der reichste Mann Großbritanniens dastand.

          Dass es da auch für das Kino etwas zu erzählen gibt, liegt nahe. Selten jedoch war ein Stoff durch die bunten Blätter so gut vorbereitet wie dieser, den Michael Winterbottom nun auf Grundlage eines Drehbuchs von Matt Greenhalgh verfilmt hat: „The Look of Love“ ist zu gleichen Teilen Sitten- und Popgeschichte und naheliegenderweise auch so etwas wie eine One-Man-Show.

          Geld und Sex machen nicht glücklich

          Der Hauptdarsteller Steve Coogan hat bereits mehrfach mit Winterbottom gearbeitet, zum Beispiel bei der „Tristram Shandy“-Adaption „A Cock and Bull Story“, vor allem aber bei „24 Hour Party People“, ein Titel, den der echte Paul Raymond sicher auch auf sich gemünzt hätte. Coogan spielt in seiner neuen Rolle vor allem einen Aspekt in den Vordergrund: die Unverfrorenheit, mit der hier ein Selfmademan die prüde britische Gesellschaft vor und hinter sich hertrieb. Das englische Eigenschaftswort cocky trifft auf Raymond in jeder Hinsicht zu - wie er in den fünfziger Jahren mit Theateraufführungen begann und immer mehr in Richtung opulenter Fleischbeschau ging, während er parallel ein Zeitschriftenimperium aufbaute und den Londoner Stadtteil Soho prägte.

          Das allein wäre aber noch keine Geschichte, denn es reicht nicht, alle Viertelstunde eine neue Geliebte einzuführen und alle zehn Minuten eine neue Show-Idee. Winterbottom macht denn auch mit einer Rahmenhandlung von Beginn an deutlich, dass in „The Look of Love“ auch noch ein Drama zu entdecken ist. Es liegt offen zutage, und doch gelingt es dem Regisseur nicht recht, es so zu entfalten, dass der Film damit etwas wie ein Zentrum bekäme. Raymond hatte eine Tochter, Debbie (Imogen Poots), die es sich in den Kopf gesetzt hatte, als Sängerin und ausgerechnet auf den Bühnen ihres Vaters zu reüssieren. Die Szene, in der deutlich wird, dass sie gar kein Talent hat, ist schmerzhaft anzusehen, doch danach verschluckt die episodische Dramaturgie diesen Moment auch gleich wieder.

          Winterbottom treibt das Geschehen, das einige Jahrzehnte erzählter Zeit umfasst, in einer geläufigen Manier voran: Popsongs aus der jeweiligen Ära dienen ihm als historische Markierungen, aber auch als wohlfeiles Attraktionsmoment für Szenen, die sich häufig von den vorangehenden nicht wesentlich unterscheiden. So endet „The Look of Love“ unversehens bei jener Monotonie, die auch der Pornographie letztendlich eignet und die irgendwann das Interesse erlahmen lässt. Einen „Citizen Raymond“ bekommen wir hier ganz und gar nicht präsentiert, nur einen schnöden Geschäftsmann, der sich gern mit schönen Frauen garniert. Geld und Sex machen nicht glücklich, wenn man danach süchtig ist. Um das zu begreifen, muss man nicht unbedingt „The Look of Love“ anschauen.

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