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„Last Duel“ im Kino : Das Schwert im Herzen

Bild: Patrick Redmond

Matt Damon und Adam Driver schlagen einander in Stücke – es geht um eine Frau, aber in Wirklichkeit um die gesamte menschliche Gesellschaft in „The Last Duel“, einem späten Kinomeisterwerk von Ridley Scott.

          4 Min.

          Die Regeln des Duells sind klar: Keine durch Hexerei manipulierten Waffen. Keine Einflussnahme von anderen Teilnehmern. Und wer am Ende noch lebt, gewinnt. In diesem Fall bedeutet das für den Gewinner auch: Er hat die Wahrheit gesagt, und Gott hat es bezeugt; denn wir befinden uns im Dezember 1386, und am Pariser Hof wird der letzte Gerichtskampf Frankreichs ausgetragen.

          Maria Wiesner
          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Doch bevor klar wird, wer unter den Streitparteien hier wen belogen haben könnte, stellt Regisseur Ridley Scott in seinem „Last Duel“ zunächst einmal die Ritter vor, die einander später mit Lanzen, Schwertern und Dolchen bis aufs Blut bekämpfen werden: erstens Jean de Carrouges (Matt Damon mit pockennarbigem Gesicht), der tapfer einen Feldzug nach dem anderen führt, da er zwar einen Titel, aber kaum Geld hat, und zweitens Jacques Le Gris (Adam Driver), dem de Carrouges das Leben rettet, woraus aber keine Freundschaft wird. Denn die beiden Ritter könnten unterschiedlicher nicht sein. Jean ist aufbrausend, besteht auf seinen Geburtsprivilegien und zieht, was er sich vorgenommen hat, mit zähem Willen und größter Sturheit durch. Bei einer Schlacht wird er seinen Mitstreitern im Hagel brennender Pfeile verwundert zurufen: „Warum rennt ihr davon?“, um dann den Angriff auf die feindlichen Bogenschützen anzuführen.

          Trägt die Spuren seiner Kämpfe im Gesicht: Matt Damon als Ritter Jean de Carrouges
          Trägt die Spuren seiner Kämpfe im Gesicht: Matt Damon als Ritter Jean de Carrouges : Bild: dpa

          Jacques hingegen ist ohne Namen oder Reichtum zur Welt gekommen und sollte eigentlich in den Dienst der Kirche treten. Er nahm deren Bildung mit und beschloss, daraus Profit zu schlagen. Im Dienst des Fürsten Pierre d’Alençon (Ben Affleck mit blondiertem Haar und flamboyanten Samtkostümen) rechnet er Steuersätze aus und treibt Abgaben ein – beim neuen Herrn aber viel wichtiger: Er verträgt viel Wein und jagt Damen durchs Schlafzimmer. Für seine Treue erhält er Ländereien und Titel.

          Eine dieser Ländereien aber gehört zur Mitgift einer schönen jungen Frau, die wiederum Jean zur finanziellen Absicherung heiratet. Damit beginnt der Streit der beiden Männer, der am Ende in sexueller Gewalt gegen die Frau eskaliert. Zumindest ist das die Version der Geschichte, die Jean de Carrouges erzählen würde. Aus Jacques’ Perspektive klingt vieles anders – und zum Dritten gibt es noch die Sichtweise der Dame, die alles in ein wiederum ganz anderes Licht rückt.

          Jede Figur bekommt ein eigenes Kapitel

          Ridley Scott, der mit Science-Fiction-Filmen wie „Alien“ und „Blade Runner“ berühmt wurde, hat schon früher historische Stoffe bearbeitet („Gladiator“, „Exodus“), die Filme, die dabei herauskamen, sind eher für ihre großen Schlachtszenen und weniger für ausgefeilte Schauspielführung bekannt. „The Last Duel“ dagegen ist so wirkungsstark wie komplex. Scott scheint sich Akira Kurosawas „Rashomon – Das Lustwäldchen“ (1950) zum Vorbild genommen zu haben. Wie der japanische Regisseur geht auch Scott einem Verbrechen nach, das jeweils aus der Perspektive eines anderen Zeugen erzählt wird. Eingebettet in die Rahmenhandlung des Duells, gewährt Scott jedem der drei Beteiligten ein eigenes Kapitel, das mit den Worten „Die Wahrheit aus Sicht von . . .“ eingeleitet wird. Steht in Jeans Erzählung die Eigentumsfrage und das Recht auf Respekt im Vordergrund, so handelt Jacques’ Geschichte von der Liebe zu einer schönen Frau und dem (seiner Meinung nach) einvernehmlichen Nachgeben bei Versuchung.

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