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Regisseur Ridley Scott : Wenn zwei Männer um eine Frau kämpfen

  • -Aktualisiert am

Matt Damon in Ridley Scotts Film „The Last Duel“. Bild: 20th Century Studios

Er mag keinen Urlaub, aber sein Weingut im Vaucluse. Jetzt stellt Ridley Scott seinen Film „The Last Duel“ mit Matt Damon, Ben Affleck und Jodie Comer vor. Ein Gespräch über sein Leben, rastloses Arbeiten und die Perspektive von Frauen.

          6 Min.

          Er ist einer der großen Regisseure der letzten Jahrzehnte. Er hat „Alien“ inszeniert, „Thelma and Louise“, „Blade Runner“ und „Gladiator“. Auch mit 83 Jahren ist Ridley Scott noch Perfektionist und sehr produktiv dazu. „The Last Duel“ ist sein neuester Film, ein Drama mit Matt Damon, Ben Affleck, Adam Driver und Jodie Comer, das im Mittelalter spielt. Der Film setzt sich auf ungewöhnliche Weise mit den alten Themen Schuld, Ursache und Wahrheit auseinander, indem er ein Geschehnis aus den jeweiligen Perspektiven seiner Akteure erzählt. Beim Zoom-Interview sitzt Sir Ridley, den die Queen 2003 adelte, im Garten des Hotel „Cipriani“ in Venedig, einen Espresso vor sich, die Lagunenstadt hinter sich als Kulisse.

          „The Last Duel“ ist schon deswegen außergewöhnlich, weil er eine komplexe Geschichte aus drei Perspektiven erzählt, denen der drei Hauptfiguren. Was führte zu dieser Idee?

          Ich erinnere mich noch genau an mein erstes Gespräch mit Matt Damon, als er mir diesen Film angeboten hat. Er hat mir kurz erklärt, worum es in der Story gehen soll. Ich war sofort von der Idee begeistert, die Ereignisse, die zu dem Duell führen, aus drei Perspektiven zu zeigen. Kurosawas Klassiker „Rashomon“ war definitiv eine Inspirationsquelle für diesen Film, für Matt und mich, schon beim ersten Treffen haben wir über „Ra­shomon“ gesprochen. Die interessanteste der drei Perspektiven ist definitiv die dritte, die der entehrten Marguérite, dann die Perspektive ihres Mannes, der glaubt, sie habe ihn betrogen, und natürlich auch die Sicht des Mannes, der sich keiner Schuld bewusst ist.

          Bloß nicht zu viel Urlaub: Regisseur Ridley Scott.
          Bloß nicht zu viel Urlaub: Regisseur Ridley Scott. : Bild: AFP

          Außergewöhnlich ist, dass Matt Damon und Ben Affleck nicht nur die Drehbuchautoren sind, sondern auch die Hauptfiguren spielen. Wie hat sich das auf Ihre Arbeit ausgewirkt?

          Erst mal darin, dass ich Matt Damon und Ben Affleck nicht gecastet habe, sondern sie mich. Die beiden haben mich als Regisseur für ihr Drehbuch ausgesucht. Ich bin sehr respektvoll mit ihrem Skript umgegangen, weil es so außergewöhnlich gut geschrieben war. Das hat mir die Arbeit also deutlich erleichtert. Der Schlüssel zu einem guten Film ist, genau zu wissen, was man will. Wenn das Drehbuch diese Präzision hat, dann muss man es einfach nur noch umsetzen. Man kommt in Teufels Küche, wenn man mitten in den Dreharbeiten anfängt, verschiedene Sachen auszuprobieren, in der Hoffnung, dass am Ende schon irgendetwas Brauchbares herauskommt. Nein, man braucht eine klare Vision, nach der man sich so präzise wie möglich richten kann.

          Viele Ihrer Filme spielen in der fernen Vergangenheit oder der Zukunft. Wie entwickeln Sie Stoffe, die so weit von unserer Realität entfernt sind?

          Mir macht es Spaß, eine komplette Welt zu erfinden, in der eine Geschichte spielen soll. Dafür muss ich mich gar nicht zu eng an historische Vorgaben halten. Viel wichtiger ist, ein Gefühl für den Kontext der Story zu finden. Meine beste Investition für diesen Beruf war das Studium an einer fantastischen Kunsthochschule – auf eine Filmschule bin ich nie gegangen. Aber mein Kunstverständnis ist so breit, dass ich mich nur kurz mit einem Stoff beschäftigen muss, um zu wissen, wie die Ästhetik des Films aussehen sollte – oft reichen mir ein paar Bilder. Wobei ich auch das beste Team der Welt habe. Meine Produktionen werden von einem der besten Designer im Showgeschäft umgesetzt. Außerdem sind meine Kostümdesigner und Kameraleute Weltklasse. Mein Job ist also relativ einfach, ich lasse die Experten die Arbeit machen und trinke währenddessen in der Ecke meinen Kaffee.

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