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Regisseur Ridley Scott : Wenn zwei Männer um eine Frau kämpfen

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Man muss immer individuell entscheiden, was das Beste für den jeweiligen Film ist. Die Art der Veröffentlichung muss zu dem Projekt passen. Manchmal ist Kino am sinnvollsten, manchmal ist es von Vorteil, ein Projekt gleich möglichst breit online zugänglich zu machen. Wichtig ist, dass man Filme, die von der großen Leinwand leben, auch im Kino zeigt. Ein Film von epischem Ausmaß braucht den Ton und die Leinwandgröße eines anständigen Kinosaals. Erst dann kann er die volle Kraft entwickeln. Kinos sollten uns nicht verloren gehen, wir brauchen sie für bestimmte Filme, die von dieser ganz besonderen Atmosphäre leben.

Sie sind unglaublich produktiv, präsentieren in diesem Herbst zwei Filme. Woher nehmen Sie Ihre Motivation? Mit fast 84 Jahren sind Dreharbeiten ja sicher auch physisch strapaziös.

Darüber denke ich gar nicht nach. Wenn ich mit einem Projekt fertig bin, mache ich einfach mit dem nächsten weiter. Mein Beruf ist für mich keine Arbeit, sondern Leidenschaft. Ich arbeite auch immer an zwei Themen gleichzeitig.

Wie genau hat man sich das vorzustellen?

Zum Beispiel beginnen im Januar die Dreharbeiten zu meinem Film über Napoleon, parallel schreibe ich am Skript für den zweiten Teil von „Gladiator“, damit wir Ende nächsten Jahres drehen können. Wir haben immer einen Vorlauf von 18 Monaten, sonst entstehen zwischen zwei Filmen immer diese grässlichen Lücken, bei denen ich nicht weiß, was ich mit mir anfangen soll.

Wenn Sie von diesen „grässlichen Lücken“ sprechen, meinen Sie vielleicht das, was wir als Privatleben oder gar Urlaub bezeichnen würden?

Meine Frau macht gerne Urlaub, sie besucht dann meist ihre Schwestern in Costa Rica – und ich bin heilfroh, dass ich da nicht mitmuss. Sie mag das Meer, aber ich kann damit nichts anfangen. Wenn ich zur Ruhe kommen will, dann male ich. Außerdem besitze ich seit 27 Jahren ein Weingut im Vaucluse, um das ich mich sehr gerne kümmere. Keine Sorge, hin und wieder springe ich auch in den Pool und gönne mir einen Drink. Mehr Urlaub brauche ich nicht.

Planen Sie nach „Gladiator 2“ auch eine weitere Fortsetzung von „Alien“?

Ich beschäftige mich gedanklich viel mit „Alien“. Ich habe ja mit „Prometheus“ eine Vorgeschichte erzählt, allerdings blieb ich dem Publikum das Monster schuldig. Der Film lief ganz gut, meinte das Studio, aber nicht großartig. Ich fand 450 Millionen Dollar Einnahmen schon großartig . . . Egal, das Studio meinte, es hätte das ganze Geld doch nicht ausgegeben, um dann kein Monster zu bekommen. Also drehte ich „Alien: Covenant“ und holte das Monster zurück.

Es gibt immer mehr Geschichten, die aus der Perspektive von Frauen erzählen. Glauben Sie, dass die Filmindustrie jetzt Fehler der Vergangenheit wiedergutmachen will?

Ich kann hier nicht für die ganze Branche sprechen, aber für mich ging es bei „The Last Duel“ nicht darum, irgendeinen Zeitgeist zu treffen, sondern darum, eine Geschichte zu erzählen, die mir wichtig erschien. Ich freue mich immer, wenn Filme Metaphern für die großen Fragen unserer Zeit bieten und zu inter­essanten Diskursen führen. Ob es funktioniert, weiß man immer erst hinterher. Deshalb vertraue ich lieber auf mein Gefühl, nicht auf die Kompatibilität mit aktuellen Entwicklungen der Gesellschaft.

The Last Duel läuft ab Donnerstag im Kino.

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