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Regisseur Ridley Scott : Wenn zwei Männer um eine Frau kämpfen

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Finden Sie es nicht wichtig, dass historische Stoffe auch so korrekt wie möglich dargestellt werden? Ist Ihr Regiestil wichtiger als historische Akribie?

Die große Frage ist doch, wie korrekt unsere aktuelle Vorstellung von der Geschichte ist! Historische Berichte wurden im Laufe der Zeit immer wieder übersetzt, weitergetragen und damit auch verfälscht. Es wäre verrückt anzunehmen, dass alles, was wir jetzt über die Vergangenheit lesen, genau so passiert ist. Ich versuche, so viele Perspektiven wie möglich über eine bestimmte Ära zu sammeln, und dann füge ich die Stücke zu meiner eigenen Vision dessen, was passiert sein könnte, zusammen. Natürlich weiß man ziemlich genau, wie damals die Kleider, Pferde, Gebäude ausgesehen haben. Daran halten wir uns penibel, wenn die historischen Vorgaben sehr eindeutig sind. Die Änderungen beschränken sich auf Details: Beim Duell selbst habe ich die Visiere der Helme etwas breiter aufschneiden lassen, damit die Schauspieler sich besser bewegen können – und ich erkennen kann, was Matt Damon oder Adam Driver da gerade tun, und sie auch etwas sehen. Praktikabilität geht dann vor.

Sie sind bekannt für Ihre hohe Effizienz bei Dreharbeiten, Sie drehen daher auch gerne mit mehreren Kameras gleichzeitig. Hat dieses Tempo nur wirtschaftliche Gründe? Oder sind Sie ungeduldig?

Wissen Sie, nach ungefähr zehn Jahren als Regisseur habe ich gemerkt, dass Schauspieler gar keine Lust haben, 38 Versionen der gleichen Szenen zu drehen. Auch die eitelsten sind nach maximal fünf, sechs Versionen zufrieden. Meist sind die besten Takes die ersten beiden, das sind bei mir die, die fast immer im fertigen Film landen. Ich habe auch gelernt, dass Schauspieler selbst am besten beurteilen können, wie gut sie waren. Ich frage sie also nach einer Szene, ob sie zufrieden waren. Wenn die Schauspieler ein gutes Gefühl haben, dann reicht mir das, und wir machen weiter.

Jodie Comer als Marguerite de Carrouges in „The Last Duel“.
Jodie Comer als Marguerite de Carrouges in „The Last Duel“. : Bild: AP

Adam Driver spielt nicht nur eine Hauptrolle, sondern auch in Ihrem nächsten Film „House of Gucci“. Marguérite-Darstellerin Jodie Comer wird auch in Ihrem Napoleon-Film zu sehen sein. Woran liegt es, ob Schauspieler zu Favoriten werden?

Ein Casting ist immer ein sehr intuitiver Prozess. Nachdem ich für die Regie zugesagt hatte, ging es darum, die anderen Rollen so gut wie möglich zu besetzen. Meistens will ich bei Castings gar nicht über den Film sprechen, viel wichtiger ist mir, das Wesen des Schauspielers oder der Schauspielerin kennenzulernen. Ich will wissen, wie kreativ sie mit dem Stoff umgehen. Einfach nur ein paar Szenen aus dem Drehbuch mit ihnen durchzusprechen bringt mich da nicht weiter. Ich muss ihrer Intuition für eine Rolle vertrauen können, ich muss wissen, dass sie aus einer Figur mehr rausholen können als nur die Dialoge, die im Drehbuch stehen.

Derzeit wird Ihre Branche noch immer vom Duell zwischen Kinos und Streaming-Anbietern geprägt. „The Last Duel“ wird im Kino gezeigt werden, viele andere Filme werden sofort online ausgewertet. Wo stehen Sie in dieser Debatte?

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