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„The Green Knight“ im Kino : Eine Welt, so fremd wie ein Kettenhemd

  • -Aktualisiert am

Ein Mann der Schwert- und Schwerstarbeit: Dev Patel. Bild: AP

So modern ist ein Stück aus dem Legendenschatz der Artus-Epik noch nie verfilmt worden: „The Green Knight“ von David Lowery im Kino.

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          Mit den Helden und ihren Sagen ist es ein bisschen wie mit der Henne und dem Ei. Es ist nicht leicht zu entscheiden, was zuerst war: die große Tat oder die Erzählung davon. Damit gerät man genauso schnell in einen Zirkel wie mit dem Anfang der menschlichen Kultur insgesamt. Eine neue Geschichte von dem edlen Ritter Gawain macht mit diesem Zirkel nun großen Ernst: „The Green Knight“ von David Lowery. Eine Queste wie diese hat es noch nie gegeben, und das will etwas heißen bei einem der ehrwürdigsten Genres, dem Film mit Schwertern und Kettenhemden. Mit einer Queste suchten im Mittelalter Männer ihren Weg zu höherer Berufung. Sie zogen aus, bestanden Abenteuer, minnten Frauen und wurden dabei ritterlich. Die Geschichte von Gawain und dem grünen Ritter stammt aus dem späten 14. Jahrhundert, ist also ein Spätling in der Artusepik. Entsprechend verhält es sich auch mit „The Green Knight“, der im Vergleich mit Klassikern wie John Boormans „Excalibur“ (1981) einen deutlich größeren kulturhistorischen Bogen schlägt: Vorstellungen von Altertümlichkeit treffen auf moderne Form, zum Beispiel ein hoch artifizielles Sounddesign.

          Die ganze Sache beginnt an Weihnachten in Camelot. „Christus ist geboren“, lautet der erste Satz, dazu sieht man den Schauspieler Dev Patel, der tatsächlich aussieht wie eine Christusfigur, hier aber den jungen Gawain (oder Garvain) spielt. Zum hohen Fest will man am Hof von König Artus ein wenig Spaß haben, man will Geschichten hören, „some myth or canto“, allerdings hat Gawain nichts dergleichen zu erzählen. Er hat ja noch nichts erlebt. Seine erste Tat steht kurz bevor, sie entspinnt sich gerade in einem parzengleichen Akt seiner Mutter Morgane la Faye, die ein Abenteuer heraufbeschwört. Sie ist es nämlich, die den grünen Ritter – halb Mann, halb Baum – herbeiruft, der hoch zu Ross und mit schweren Hufschlägen mitten in die Tafelrunde reitet. Er hat ein seltsames Begehr: Er will sich von jemandem den Kopf abschlagen lassen, um den Preis, dass sein Gegner dann ein Jahr später bei ihm an der Grünen Kapelle erscheinen muss, um sich seinerseits köpfen zu lassen. Gawain willigt ein, bei dem „Spiel“ mitzumachen, so merkwürdig unheldisch es auch anmutet. Die Konsequenzen werden ihm in ersten Andeutungen klar, als der grüne Ritter seinen abgeschlagenen Kopf einfach vom Boden aufklaubt und mit einem grimmigen „one year hence“ das Weite sucht.

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