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„Hotel Transsilvanien 3“ im Kino : Tentakel des Grauens

Strahlende Gesichter: Szene aus „Hotel Transsilvanien 3“ Bild: 2018 Sony Pictures Entertainment

Dieses ist sein dritter Streich: Genndy Tartakowsky schickt die Trickfilmserie „Hotel Transsilvanien“ auf eine Kreuzfahrt ins Bermuda-Dreieck. Die Vorfreude der Zuschauer findet zuverlässig Bestätigung.

          2 Min.

          Mit dem Ende der Fußball-Weltmeisterschaft setzen die deutschen Kinos wieder auf vermehrten Besuch, und so endet heute die Sauregurkenzeit der vergangenen fünf Wochen, in denen nur wenige kassenträchtige Filme gestartet wurden. Anspruchsvolles mit geringem Publikumspotential wurde auch nicht geboten (ästhetisch anspruchsvolle Zuschauer schätzen Fußball ebenfalls), also war es ein trister Monat.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Umso lustiger ist der Film, mit dem gleich am heutigen Montag, also außerhalb des üblichen Programmwechselschemas, die freiwillige Selbstbeschränkung der Kinobranche wieder aufgehoben wird: „Hotel Transsilvanien 3“.

          Wie an der Numerierung unschwer zu erkennen, ist der Zeichentrickfilm bereits der dritte in dieser 2012 gestarteten Reihe, die im Gegensatz zu den meisten anderen erfolgreichen animierten Kinoserien immerhin stets denselben Regisseur aufweist: den russischstämmigen, aber schon seit vierzig Jahren in Amerika lebenden Genndy Tartakowsky. Seine Herkunft mag dabei ausschlaggebend gewesen sein, denn vor allem Adam Sandler als Sprecher (im englischen Original) von Graf Dracula, der Hauptfigur, radebrecht gemäß den schönsten osteuropäischen Klischees, und Rick Kavanian steht ihm darin als deutsche Synchronstimme nicht nach. Übrigens führt die notwendige Ersetzung der amerikanischen Starbesetzung der Sprecherrollen durch eine auch recht prominente deutsche Synchronriege zu dem bizarren Effekt, dass im Abspann des Films eine runde Minute lang die Leinwand konsequent schriftleer bleibt, weil man dem hiesigen Publikum wohl verheimlichen will, was ihm da gegenüber dem Original entgeht. Das ist die größte Lachnummer des Films.

          Gut, dass es ultimative Entspannungsmusik gibt

          Diesmal verlässt Dracula das eigene Hotel Transsilvanien, denn der Graf ist selbst urlaubsreif. In Begleitung von Tochter, Enkel und dem altvertrauten Quintett aus Frankensteins Monster, der Mumie, dem Unsichtbaren, dem Werwolf und einer beliebig verformbaren grünen Gallertmasse geht es ins Bermuda-Dreieck auf Kreuzfahrt. Und man darf schon staunen darüber, dass diese weltweit seit einigen Jahren generationenübergreifend höchst populäre Reiseform erst jetzt zu Trickfilm-Ehren kommt.

          Die aus dem Geschehen an und unter Deck resultierenden Kapriolen sind absehbar, aber gerade deshalb komisch – die Vorfreude findet zuverlässig Bestätigung. Allerdings hat es das muntere Bordleben, das das Gros der Handlung ausmacht, schwer gegen die kaum dreiminütige Sequenz, die die Anreise des transsilvanischen Touristentrupps mit der Gremlin-Fluglinie zeigt. In kenntnisreichem Rückgriff auf den anarchischen Humor jener animierten Kurzfilme, die in den vierziger Jahre über die „Gremlins from the Kremlin“, also russische Kobolde, entstanden, zündet Tartakowsky hier ein Spektakel, dessen Nachhall den Rest der Geschehnisse geradezu bedächtig erscheinen lässt.

          Über die Geschichte muss man nicht viele Worte verlieren; die große Bedrohung des Kreuzfahrtschiffs ist ein Riesenkrake, der auf Techno-Rhythmen aggressiv reagiert. Gut, dass es die Beach Boys, Bobby McFerrin und eine weitere ultimative Entspannungsmusik gibt. Und wunderbar, wie mit diesem Element die exzessive Partystimmung auf Kreuzfahrtschiffen zitiert wird, die erst vor kurzem auch Tristan Ferland Milewski in seinem Dokumentarfilm „Dream Boat“ vorführte: anlässlich einer homosexuellen Männern vorbehaltenen Reise. In „Hotel Transsilvanien“ dürfen jetzt nur Schreckgestalten an Bord kommen. Bunt und laut aber sind auch sie.

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