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Studie zu Hollywoodfilmen : Können Frauen kein Kino?

Macht der Mann das richtig? Jane Fonda prüft die Kameraeinstellung am Set von „Klute“, 1971. Bild: Picture-Alliance

Wie es kommt, dass so wenige Frauen hinter der Kamera stehen, hat eine Studie der Universität Illinois untersucht. Spoiler: Es ist nichts Genetisches.

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          Oscars verliehen, hinter der Kamera mal wieder keine Frau dabei: Jahr für Jahr wiederholt sich dieses Muster, und Jahr für Jahr fragt man sich: Können die einfach keine Kameras bedienen? Ist das was Genetisches? Wollen Frauen keine Filme drehen, oder woran liegt das? Forscher um Luis Amaral von der Northwestern University in Evanston, Illinois haben sich hundert Jahre Filmproduktion in Hollywood angeschaut, von 1911 bis 2010, und die Daten von 26.000 Filmproduktionen aller Genres ausgewertet.

          Die interessante Erkenntnis: Zwischen 1910 und 1920, als Filmemachen eine Angelegenheit kleiner, unabhängiger Teams war, waren Frauen durchaus präsent im Film, schrieben und wirkten bei der Produktion mit. Vierzig Prozent der Rollen waren mit Frauen besetzt, sie steuerten zwanzig Prozent der Drehbücher bei. Sie produzierten zwölf Prozent der Filme und immerhin bei fünf Prozent der Produktionen führten sie Regie. Die Zahlen sanken um 1920 herum allerdings plötzlich auf nahezu null und stiegen erst ab 1950 langsam wieder an – ausgerechnet in der Epoche, die als Hollywoods Goldene Zeit gesehen wird, spielen Frauen in den Filmteams kaum eine Rolle.

          Das liegt wohl daran, dass sich um diese Zeit das Studiosystem durchzusetzen begann. Die vielen unabhängigen Filmemacher wurden von fünf großen Studios verdrängt – Warner, Paramount, Fox, MGM und RKO, dazu kamen Universal und Columbia – die bald die Kinolandschaft kontrollierten. Und diese Studios wurden von einer eher kleinen Gruppe mächtiger Männer kontrolliert: „Es sieht so aus, als engagierten männliche Produzenten männliche Regisseure und männliche Drehbuchschreiber“, so Luis Amaral. Und diese großen Studios pflegten diese Kultur, in der Frauen nicht willkommen waren, schon immer.

          Als Olivia de Havilland sich aus dem Vertrag klagte

          Nicht nur hinter der Kamera standen vorwiegend Männer, auch die Frauenrollen wurden weniger, ihr Anteil sank um 25 Prozent. Und zwar unabhängig vom Genre: Die Forscher untersuchten nicht nur die in dieser Zeit beliebten Western- und Kriegsfilme, sondern auch Familienfilme, Romantische Filme und Musicals – mit ähnlichem Befund.

          Die lange Hegemonie der großen Studios wurde erst durch zwei entscheidende Gerichtsverfahren aufgebrochen. 1943 klagte sich die Schauspielerin Olivia de Havilland nach langem Streit mit Warner erfolgreich aus ihrem Vertrag, nachdem das Studio sie hatte kaltstellen wollen. Das „De Havilland Law“ regelt bis heute die arbeitsrechtliche Situation von Schauspielern. Und 1948 unterlag Paramount Pictures in einem Verfahren gegen das amerikanische Justizministerium, was dazu führte, dass die Studios nicht auch noch eigene Kinos besitzen durften, die ausschließlich ihre eigenen Filme zeigten, und einige Mauscheleien mehr. Diese Entscheidungen führten dazu, dass die Herrschaft der „Big Five“ um 1950 allmählich zu bröseln begann.

          Gute alte Stummfilmzeit: Claire Adams am Set von „Men and Women“ im Jahr 1925.

          In dieser Zeit änderte auch der Einzug des Fernsehens in die Haushalte einiges. Um mithalten zu können, wurden die Kinoproduktionen immer größer und aufwendiger, und statt eines einzelnen Produzenten waren oft mehrere eingesetzt. Das öffnete vielen ehemaligen Schauspielerinnen die Tür, die nun die Seite wechseln konnten. Doch noch immer ist der Frauenanteil erschreckend niedrig, und häufig werden Frauen, vor allem als Regisseurinnen oder Kamerafrauen, eher in Produktionen mit geringerem Budget eingesetzt. Grundsätzlich lässt sich beobachten, dass es Frauen oder auch Minderheiten in einer Branche umso schwerer haben, je prestigeträchtiger sie ist und je mehr Geld sich damit verdienen lässt. Das Hollywood in seinem „Golden Age“ war ein gutes Beispiel für beides.

          Es gebe grundsätzlich eine Verbindung zwischen größerer Machtkonzentration und geringerer Beteiligung von Frauen – eine Erkenntnis, die man auch auf andere Branchen übertragen kann, etwa Medizin, Computertechnik und Literatur, so die Autoren der Studie. Die entscheidende Schlüsselstelle ist dabei die des Produzenten. Sobald es sich um eine Produzentin handelt, wirkt sich das auf die Struktur des ganzen Projekts aus, und hinter der Kamera arbeiten deutlich mehr Frauen: „Frauen mit Einfluss verbessern die Arbeitsbedingungen anderer Frauen“, so Amaral. Das kann man auch im heutigen Hollywood beobachten. Reese Witherspoon etwa gründete eine eigene Produktionsfirma, um Frauen bessere Rollen zu verschaffen. Und die Academy, die die Oscars verleiht, hat mittlerweile einen Frauenanteil von 32 Prozent – vor fünf Jahren waren es noch 25 Prozent.

          Die Studie trägt den schönen Titel „Long-term patterns of gender imbalance in an industry without ability or level of interest differences”, enthält lauter wunderbare Grafiken und wurde am 1. April veröffentlicht. Sie ist auf PLOSone, der Online-Zeitschrift der Public Library of Science, abrufbar.

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