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Im Kino : Straight outta Frauenfeindlichkeit

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Die fettesten Goldketten, die sie finden konnten: Szene aus „Straight outta Compton“ Bild: AP

Die Rapper Dr. Dre und Ice Cube haben es geschafft – und darüber einen Film gemacht. Mit der Haltung in „Straight outta Compton“ stimmt etwas nicht, aber das ist genau richtig so.

          6 Min.

          Zunächst: Der Film „Straight outta Compton“ (Regisseur F. Gary Gray, „The Italian Job“, zum Beispiel) ist ziemlich normal. Normal gut erzählt, keine Experimente, bisschen ausgefranst am Ende. Was er aber erzählt, ist insofern nicht normal, als es nicht die Regel ist. Mitte der achtziger Jahre wachsen ein paar schwarze Jungs mit absolut beschissener Perspektive im kalifornischen Compton auf, was damals wie heute in etwa das Gleiche bedeutet. Denn das von Hollywood etwa 22 Meilen entfernte Compton gilt noch immer als eine der gefährlichsten Städte Amerikas, insbesondere für Schwarze, denn sie werden dort geboren, kommen meistens nicht mehr raus und haben gute Chancen, Gangmitglied, erschossen und/oder drogenabhängig zu werden. Den Jungs aber gelingt die „Mission Impossible“ (so nennt der Rapper Kendrick Lamar, ebenfalls aus Compton, den Versuch, der Stadt zu entkommen). Es gelingt den Jungs also, und zwar indem sie von dem Leben in Compton erzählen, das heißt rappen. Mit ihrer Crew N.W.A werden sie zu Legenden, drei der ehemals fünf Jungs sind heute Berühmtheiten (Dr. Dre, Eazy-E und Ice Cube), und mindestens einer von ihnen ist schwer reich (Dre).

          Zurück zum Normalen: Die Geschichte, dass der diskriminierte schwarze Teil Amerikas es schafft, Geld und ein Leben zu haben, indem er entweder Basketball-Spieler oder Rapper wird, ist das, was man sich in Compton, Detroit, in Ferguson und sonst wo immer wieder erzählt, und das kann man, als Mensch, der nicht dazugehört, wissen, wenn man Rap-Musik aus Amerika hört. Jene Erzählung ist ein berühmtes Märchen geworden, Allgemeingut, der American Dream in Schwarz. „The only way out the ghetto, you know the stereotype“, rappt Kendrick Lamar über den Traum, der in dem Film erzählt wird und der draußen in der Wirklichkeit leider nur in seltensten Fällen wahr wird.

          Darum geht es bei Rap

          Jener Traum wird in „Straight outta Compton“ nicht nur erzählt, er wird gefeiert, der Film ist eine Art Gottesdienst für diesen Traum. Wesentlicher Teil dieses Gottesdienstes ist ein großer und nachvollziehbarer Mittelfinger, der sich gegen die Polizei richtet, die junge schwarze Männer festnimmt, weil sie zu glauben scheint, dass das eben ist, was man mit jungen schwarzen Männern zu tun hat. Nach wenigen Minuten Film sieht man ein panzerartiges Polizeiauto durch Comptons Straßen und die Nacht fahren, an dessen Schnauze ein Rammbock befestigt ist, was bedrohlich und ziemlich nach Vergewaltigung aussieht. Das gefährliche Fahrzeug fährt auf ein Haus zu, und im Kino sitzend, denkt man, nicht im Ernst, das macht ihr jetzt nicht wirklich, oder? Aber das polizeiliche Kampfgerät fährt weiter und zerschmettert die Haustüre und den Menschen, der dahintersteht und versucht, seine Drogen zu verstecken. Später wird Dr. Dres Gesicht (gespielt von Corey Hawkins) von einem Polizisten auf eine Motorhaube geknallt, als wäre er kein Mensch, sondern ein gefährliches Tier, das man in den Griff bekommen muss.

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