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Filmregisseur John McTiernan : Ein stilvoll Unvollendeter

Mehr als nur ein Superheld: Bruce Willis in John McTiernans „Die Hard“ aus dem Jahr 1988. Bild: Picture-Alliance

Mit Filmen wie „Stirb langsam“ hat er das Actionkino revolutioniert und dessen Superhelden in Menschen verwandelt: Zum Siebzigsten des amerikanischen Regisseurs John McTiernan.

          2 Min.

          Man muss nicht lange grübeln, wenn es um die Frage geht, was man dem Regisseur John McTiernan zum Geburtstag wünschen soll. Gesundheit natürlich; er wird ja heute siebzig Jahre alt. Und dann, vielleicht noch dringender: ein triumphales Comeback, zwei, drei Filme, die er inszenieren dürfte, großzügige Honorare, damit er alle seine Schulden abbezahlen kann. Und schließlich seine vollständige Rehabilitation als Meister des modernen amerikanischen Actionkinos.

          Claudius Seidl
          Redakteur im Feuilleton.

          Seinen letzten Film hat McTiernan im Jahr 2003 ins Kino gebracht; es war „Basic“, ein Thriller mit John Travolta und Samuel L. Jackson, der trotz dieser Besetzung kein Erfolg war, allerdings auch kein so katastrophaler Flop wie McTiernans „Rollerball“ ein Jahr zuvor, jener dystopische Science-Fiction-Film über die Brutalisierung des Sports und der ganzen Gesellschaft, dessen erste Fassung bei Testvorführungen durchfiel und der dann so konsequent nachgedreht, umgeschnitten und sonst wie bearbeitet wurde, dass der Filmstart zum künstlerischen und kommerziellen Desaster wurde.

          Dabei war doch McTiernan, als seine Karriere in Schwung kam in den späten Achtzigern, ein Filmemacher, dessen Bedeutung und Wirkung man gar nicht überschätzen kann. Mit seinem Thriller „Stirb langsam“ revolutionierte er das Actiongenre nicht nur; er brachte es auf ein Niveau, mit dem bis dahin niemand gerechnet hatte – und das nicht nur, weil große Teile des Films in den oberen Stockwerken eines postmodernen Wolkenkratzers spielten (dessen Quasi-Zerstörung man gewissermaßen auch als praktische Architekturkritik lesen konnte). Bruce Willis als Actionheld war damals das perfekte Gegenteil der Rollen, die Stallone, Schwarzenegger, Norris oder Van Damme spielten: ein Mensch, mit einem verletzlichen Körper und einem Kopf, in dem auch ängstliche und zweifelnde Gedanken gedacht werden konnten. Und die populäre Arbeitshypothese, wonach ein Film, der von Explosionen, Faustkämpfen und Testosteron dominiert werde, auf so etwas Unmännliches wie Stil gut verzichten könne, dementierte McTiernan mit einer Inszenierung, die knapp, reflektiert, modern und so elegant war, dass man diesen Film, wenn das Wort nicht zu altmodisch dafür wäre, einen Autorenfilm nennen wollte.

          Aber Action ist zu teuer für Filmautoren: Die Leute, die ihr Geld investieren, reden meistens mit; so kamen die Knicks in McTiernans Karriere. Ein Projekt wie „Last Action Hero“, auch ein Film, dessen Drehbuch so lange umgeschrieben wurde, bis die ursprüngliche Idee kaum noch zu erkennen war, hätte manch anderen aus der Bahn geworfen. McTiernan hielt den Film zusammen, der damals floppte. Und den man heute als verspielte Selbstreflexion des Genres betrachten und bewundern darf.

          Revolutionär des Actionkinos: John McTiernan im September 2014 in Deauville
          Revolutionär des Actionkinos: John McTiernan im September 2014 in Deauville : Bild: WireImage

          Es war ums Jahr 2005 herum, als die Action von den Filmen McTiernans in dessen Leben hinübertrat. Damals wurde, wegen illegaler Abhöraktionen, Anthony Pellicano verhaftet, ein dubioser Mann, der sich „Privatdetektiv der Stars“ nannte. Man fand ein Band, das bezeugte, dass Pellicano und McTiernan über die Möglichkeit gesprochen hatten, einen Produzenten, von dem McTiernan sich verfolgt fühlte, zu überwachen. Man fand Geld des Regisseurs auf Pellicanos Konto. Das reichte, um McTiernan, nach langem Gerichtsstreit, für ein Jahr ins Gefängnis zu schicken. Das war 2013; aus keinem Filmprojekt ist seither etwas geworden.

          John McTiernan dreht jetzt Trailer für Computerspiele, was nur zeigt, was für ein moderner Künstler er ist. Man wünscht sich trotzdem noch zwei, drei Filme von ihm.

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