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Stimmen zum Tod Richard Attenboroughs : Die Überzeugung, Filme könnten die Welt verändern

Bild: dpa

Die Filmwelt trauert nicht nur um den Darsteller und Regisseur, der siebzig Jahre lang die britische Filmbranche prägte, sie rühmt auch seine Einsatzbereitschaft, seinen Charme und sein Mitgefühl. Stimmen zum Tod von Richard Attenborough.

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          Es zeugt von der hohen Wertschätzung für Richard Attenborough, der am Sonntag kurz vor seinem 91. Geburtstag gestorben ist, dass David Cameron aus dem Urlaub getweetet hat, er sei einer der Größen der Filmwelt gewesen. Der Premierminister würdigte Attenboroughs brillante schauspielerische Leistung als den finsteren, kindsgesichtigen Gangster Pinkie Brown in der Verfilmung von Graham Greenes Roman „Brighton Rock“ und bezeichnete seine Regie von „Gandhi“, der mit acht Oscars gekrönten Filmbiographie des indischen Unabhängigkeitskämpfers, als „umwerfend“.

          Gina Thomas
          (G.T.), Feuilleton

          Von Mia Farrow, die in dem Kriegsfilm „Schüsse in Batasi“ neben Attenborough spielte, über den Bond-Darsteller Roger Moore bis hin zu dem Produzenten David Puttnam stimmten zahlreiche Prominente in das Loblied auf „Dickie“ ein, wie er, der alle mit „Darling“ anredete, zu seinem Leidwesen genannt wurde.

          Er ist wirklich unersetzlich

          Die Filmwelt trauert nicht nur um den Darsteller und Regisseur, der mit sechzehn Jahren von der Schule ging und siebzig Jahre lang die britische Filmbranche prägte. Sie würdigt auch die Grundsätze des Labour-Anhängers, dem es gelang, Margaret Thatcher Steueranreize für die britische Filmindustrie zu entlocken. Immer wieder werden die Einsatzbereitschaft, der resoluten Charme und das Mitgefühl gerühmt, die das Tun und Wirken dieses Mannes von vielen Anliegen bestimmten. Neben seiner Tätigkeit vor und hinter der Kamera war Attenborough mehr als dreißig Organisationen als Aufsichtsratsmitglied oder in anderer führender Eigenschaft verbunden. Dazu zählten das Britische Filminstitut, für das Attenborough John Paul Getty als Geldgeber gewann, die Königliche Schauspielakademie, der FC Chelsea und wohltätige Stiftungen wie das Pflegeheim für Personen aus dem Schaugeschäft, in dem Richard Attenborough dann auch seine letzten vom Tod seiner ältesten Tochter und seiner Enkelin beim Tsunami von 2004 und der Krankheit seiner Frau, der Schauspielerin Sheila Sim überschatteten Jahre verbrachte.

          Die Fülle seiner Engagements spiegelt Attenboroughs Überzeugung, dass der Film dazu diene, die Welt zu verändern. Man könne das Wesen einer Figur aus der Filmbranche von den Themen ablesen, die sie gewählt habe, sagte Michael Grade, einst Geschäftsführer von Channel 4 und Generaldirektor der BBC an diesem Montag der frühmorgendlichen Tagesthemensendung des BBC- Hörfunkes, die Attenborough in Laufe der dreistündigen Sendezeit zahlreiche Beiträge widmete. Was Attenborough in „Gandhi“ investiert habe, sage sehr viel über seine Werte aus, bemerkte Grade. Das gleiche gelte für das nie verwirklichtes Filmprojekt über das Leben von Thomas Paine, des Gründervaters der Vereinigten Staaten, für das Attenborough fast mehr Zeit aufgewandt habe als für „Gandhi“. Der Filmproduzent David Puttnam schrieb, in einer Welt, die zur Übertreibung neige, möge der Begriff „unersetzlich“ fast banal klingen, im Falle von Richard Attenborough sei der Begriff hart erkämpft und allzu zutreffend.

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