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Stasi-Überprüfung : Mit sieben Rätseln: Dietmar Schumann als IMA geführt

Zuletzt fürs ZDF in Tel Aviv: Dietmar Schumann Bild: ZDF

Die Stasi-Studie der ARD, die am Montag vorgestellt werden soll, wirft ihre Schatten voraus: Der Tel-Aviv-Korrespondent des ZDF, Dietmar Schumann, ist von der Hauptverwaltung Aufklärung als Inoffizieller Mitarbeiter mit Arbeitsakte geführt worden.

          Die Stasi-Studie der ARD, die am Montag vorgestellt werden soll, wirft ihre Schatten voraus. Eine Episode von vielen, die dort auf mehreren hundert Seiten zur Sprache kommen, hat diese Woche das ZDF bewegt. Der Sender hat bei der Birthler-Behörde einen Eilüberprüfungsantrag gestellt, um zu klären, wie es dazu kam, daß der Tel-Aviv-Korrespondent des ZDF, Dietmar Schumann, von der Hauptverwaltung Aufklärung als "IMA" geführt wurde, als Inoffizieller Mitarbeiter mit Arbeitsakte.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Die Stellungnahme der Behörde fällt vorsichtig und zugunsten von Schumann aus. Es lasse sich weder sagen, ob und gegebenenfalls in welchem Umfang und mit welcher Intensität Schumann für das Ministerium für Staatssicherheit gearbeitet habe. 38 Berichte hat die Hauptverwaltung Aufklärung, also die von Markus Wolf geführte Auslandsspionage, verbunden mit dem Tarnnamen "Basket" für den als IMA geführten Dietmar Schumann verzeichnet. Es handelt sich dabei in der Mehrzahl um Berichte zur Lage in Ungarn oder Moskau, wo Schumann als Korrespondent des DDR-Fernsehens war, aber auch um Berichte zur internen Lage der SPD und zu den damaligen Abrüstungsverhandlungen in Wien. Die Akteneinträge, die sich aus der Verbindung zwischen der sogenannten Klarnamendatei F16 und der Vorgangskartei F22 zusammenbringen lassen, wurden angelegt von dem Stasi-Offizier Gerhard Wohllebe, sie stammen aus den Jahren 1982 bis 1989.

          „Zu keinem Zeitpunkt Mitarbeiter der Stasi“

          Wie es aber zu den verzeichneten Berichten kommt, dafür hat Dietmar Schumann, der 1990 vom ZDF übernommen und dreimal, wie man sagt, "gegauckt" wurde, keine beziehungsweise die Erklärung, daß Berichte, die er für die Chefredaktion der DDR-Nachrichtensendung "Aktuelle Kamera" über seine Tätigkeit schrieb, in Kopie an die Stasi weitergegeben und dort als Vorgänge registriert wurden. "Ich war zu keinem Zeitpunkt Mitarbeiter der Stasi, weder offiziell noch inoffiziell", sagt Schumann. Vom Vorhandensein der Berichte über ihn/von ihm habe er erst an diesem Dienstag erfahren.

          Gar keinen Reim machen kann sich Schumann auf eine Episode, bei der er der Stasi Einblick in den Terminkalender einer damaligen Kollegin in Moskau verschaffen sollte, die aufgrund einer außerehelichen Liaison von der Stasi zur Mitarbeit gepreßt werden sollte. "An einer solchen Aktion war ich nicht beteiligt, noch habe ich je davon gehört", sagt Schumann. Ihm sei die Sache "zu hundert Prozent unbekannt" und "ein Buch mit sieben Rätseln".

          Schumann war von 1977 bis 1981 Korrespondent des DDR-Fernsehens in Moskau, begonnen hatte er beim Deutschen Fernsehfunk 1970 als Volontär, er studierte Journalistik in Leipzig und Moskau, war Redakteur des außenpolitischen Magazins "Objektiv" und der Nachrichtensendung "Aktuelle Kamera". Von 1984 bis 1990 war er Korrespondent in Budapest, im Oktober dieses Jahres wechselte er zum ZDF als Redakteur des Magazins "Kennzeichen D", für den Mainzer Sender ging er von 1998 bis 2003 abermals als Korrespondent nach Moskau, von wo aus er unter anderem über Tschetschenien und Afghanistan berichtete.

          Mitarbeiter ohne Wissen

          Der Chefredakteur und der Intendant des ZDF haben die Sache, die nur deswegen aufkam, weil in zwei von 38 Einträgen in der "Basket"-Akte ARD und ZDF als Berichtsgegenstand auftauchten und so Teil der großen ARD-Untersuchung wurden, geprüft und halten sich an die Bekundung ihres Korrespondenten und das Ergebnis der Birthler-Behörde, die eben sagt, daß man eine Aussage, ob und, wenn ja, wie Dietmar Schumann für die Stasi gearbeitet habe, nicht treffen könne. Es kann sich hier auch um eine jener inzwischen bekannten Verfahrensweisen der Stasi handeln, bei der Akten zu "Mitarbeitern" angelegt wurden, ohne daß diese sich zur Mitarbeit verpflichteten beziehungsweise davon überhaupt wußten.

          "Es gibt keinen Beweis", sagt der ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender, "weder von der Birthler-Behörde noch intern, der Dietmar Schumanns Aussage, nicht für die Stasi gearbeitet zu haben, außer Kraft setzen würde. Und solange das so ist, besteht für unseren Mitarbeiter eine unbedingte Fürsorgepflicht." Schumann sei "ein hochprofessioneller Kollege und guter Journalist", er habe in den letzten vierzehn, fünfzehn Jahren sehr gute Arbeit für das ZDF geleistet, unter anderem als Korrespondent in Afghanistan.

          Schumann wird nicht direkt nach Tel Aviv zurückkehren

          Die Einschätzung von Kollegen, die Schumann seit den achtziger Jahren kennen, als er noch für das DDR-Fernsehen arbeitete, deckt sich damit. Dirk Sager, der Anfang der achtziger Jahre - so wie heute - für das ZDF in Moskau war, erfuhr von einem Bericht Dietmar Schumanns über ihn bereits im vergangenen November, als er seine eigene (Opfer-) Akte las. Er habe bei der Lektüre, so Sager, zur Überraschung der Mitarbeiterin der Birthler-Behörde, die ihm bei der Sichtung behilflich war, "schallend gelacht" - weil der Bericht "in sich komisch war". Schumann habe nämlich dargelegt, daß sich Sager darüber aufregte, daß die Kollegen vom DDR-Fernsehen einen Teil ihrer Berichte von Ost-Berlin "diktiert bekamen". Schumann habe also seine Kritik genutzt, um sich selbst einen größeren Freiraum gegenüber den Vorgaben der SED zu erkämpfen. "Es ist nichts Denunziatorisches, Gemeines, Unangenehmes in dem Bericht", erzählt Sager. Es sei auch nicht erkenntlich, für wen dieser geschrieben worden sei, und es gebe keinen Grund anzunehmen, daß er ausdrücklich für die Stasi verfaßt wurde. So habe er ihn zur Kenntnis genommen und - Punkt.

          Trotz der Unschuldsvermutung wird Dietmar Schumann, der zur Zeit Urlaub hat, auf seinen Posten in Tel Aviv nicht direkt zurückkehren. Man sei darin auf Schumanns Bitte hin übereingekommen, sagt der Chefredakteur Nikolaus Brender, für den Fall, daß das Bekanntwerden der "Basket"- Akte bei Zuschauern für Verwirrung sorgen könnte.

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