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Stasi-Studie : Terroranschläge inklusive: Die ARD im Visier der Stasi

Gar so wild seien die Ergebnisse nicht, hieß es aus den Reihen der ARD. Doch die ersten Erkenntnisse der großen Stasi-Studie, die an diesem Monatg abend in Berlin vorgestellt wurde, sind durchaus aufsehenerregend.

          Gar so wild seien die Ergebnisse nicht, hieß es aus den Reihen der ARD, doch sind die ersten Erkenntnisse der großen Stasi-Studie, die an diesem Monatg abend in Berlin vorgestellt wurde, durchaus aufsehenerregend. So wurde der Saarländische Rundfunk (SR) beispielsweise in den sechziger Jahren von dem Ehepaar Ortrud und Karl-Heinz Reinsch ausgespäht, das in ostdeutschen Terrorcamps auf seinen Einsatz vorbereitet wurde. "Das von der Stasi über Luxemburg ins Saarland eingeschleuste Ehepaar beschaffte präzise Planunterlagen über den SR und bereitete sich", so der Sendersprecher Reiner Buhl, "darauf vor, im eventuellen Krisen- oder Kriegsfall den Saarländischen Rundfunk durch Terroranschläge auszuschalten."

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Die Stasi hatte im SR zudem in Rainer Grau einen Inoffiziellen Mitarbeiter, der bis jetzt als sogenannter "Fester Freier" im aktuellen Regional-Fernsehen beschäftigt wurde. Die Senderspitze sei tief enttäuscht, daß der Betreffende sich nicht von sich aus offenbart habe. Er werde als Autor oder Filmbeiträger fortan nicht mehr beschäftigt.

          Eisenbahnstrecken untersucht

          Es seien zwar zu keinem Zeitpunkt bedeutende oder gar geheime Fakten über den Saarländischen Rundfunk weitergegeben worden, und der Fall werde in der ARD-Studie als "minder schwer" eingestuft, doch stelle das Verhalten des Mitarbeiters einen "großen Vertrauensbruch" dar, nach dem man nicht einfach zur Tagesordnung übergehen könne. Das Stasi-Paar Reinsch, das den Sender bis 1973 ausspionierte, war nach Erkenntnissen der ARD nicht eigens auf den SR angesetzt, wohl aber für gezielte Anschläge ausgebildet worden. "Die beiden haben nicht nur den SR bespitzelt, sondern beispielsweise auch gezielt Eisenbahnstrecken im Saarland auf Möglichkeiten für Sabotage- und Terrormaßnahmen hin untersucht", sagte der SR-Sprecher Buhl.

          Auch der IM Grau, der nun als freier Mitarbeiter nicht mehr beschäftigt werden soll, sei von der Stasi nicht eigentlich auf den SR angesetzt worden, sondern sollte in Brüssel spionieren. Gleichwohl lieferte er der Stasi von Anfang der siebziger bis in die achtziger Jahre hinein Informationen. Die Staatsanwaltschaft hatte nach Informationen des Saarländischen Rundfunks vor zehn Jahren ein Strafverfahrten wegen geheimdienstlicher Tätigkeit gegen Grau eingeleitet, das gegen Auflagen zunächst vorläufig und dann endgültig eingestellt worden sei, eine Klage wurde damals nicht erhoben.

          Keine neuen Erkenntnisse für den MDR

          Keine neuen Erkenntnisse will der Mitteldeutsche Rundfunk aus der Stasi-Studie gewonnen haben, insbesondere nicht im Fall des Unterhaltungschefs Udo Foht, der bei der Stasi als IM "Karsten Weiß" geführt wurde. Sämtliche der neun Mitarbeiter des MDR, die in der ARD-Studie auftauchten, seien überprüft, sagte der MDR-Sprecher Eric Markuse. Und in allen Fällen sei der Intendant Udo Reiter seinerzeit den Vorschlägen des Personalrats, der die mehrfache, hauseigene Stasi-Überprüfung vornahm, gefolgt. Insbesondere mit Blick auf den Unterhaltungschef Udo Foht gebe es "nicht Neues", so Markuse. Die Birthler-Behörde habe festgehalten, daß "der vorliegenden, zu Herrn Foht angelegten Akte nicht entnommen werden" könne, ob er entsprechend der Zielsetzung der Stasi tätig geworden sei. Auch in der jetzigen Stasi-Studie der ARD gebe es hierzu keine neuen Hinweise: "Udo Foht bleibt ohne Einschränkung Unterhaltungschef beim MDR-Fernsehen", sagte der Sendersprecher Eric Markuse.

          Ebenfalls in der Studie genannt wird als IM "Alf" der verstorbene frühere HR-Autor Holger Oehrens. Für den ZDF-Korrespondenten Dietmar Schumann, der als IMA "Basket" geführt wurde, gilt sowohl nach Darstellung der Birthler-Behörde wie nach Ansicht des Chefredakteurs Nikolaus Brender die Unschuldsvermutung, daß er bei der Hauptverwaltung Aufklärung ohne sein Wissen als Zuträger registriert war.

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