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Stasi-Fall Boßdorf : Ich empfinde eine moralische Schuld

Schon 2002 selbstkritisch: Boßdorf Bild: ARD/Susie Knoll

Die ARD war im Fall Boßdorf bereits im Jahr 2002 im Bilde, zumindest im Ansatz. Denn damals berichtete der angehende Sportkoordinator der ARD in einem Brief von seinen Kontakten zur Stasi.

          Die ARD war im Fall Boßdorf bereits im Jahr 2002 im Bilde, zumindest im Ansatz. Denn damals berichtete der angehende Sportkoordinator der ARD in einem Brief ausführlich, offen und selbstkritisch von seinen Kontakten zur Stasi.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Dabei war auch von den beiden Studentinnen aus Göttingen die Rede, über die Boßdorf der Hauptverwaltung Aufklärung, der Auslandsspionage der DDR, unter dem Decknamen IM „Florian Werfer“ Informationen gegeben hatte. Doch gab Boßdorf an, er habe weder gewußt, daß er mit Leuten der DDR-Auslandsspionage sprach, noch daß diese eine Karteikarte über ihn anlegten. „Ich habe auch keine Berichte für das MfS geschrieben“, teilte Boßdorf den ARD-Oberen mit, doch habe er die übliche Verpflichtung zur „Geheimhaltung der Gespräche“ unterzeichnet. Der Deckname „Florian“ sei ihm nur „für eventuelle telefonische Kontaktaufnahmen“ genannt worden, vom IM „Florian Werfer“ habe er erst viel später aus der Zeitung erfahren.

          Antrag auf Auskunft in eigener Sache

          Mit den Angaben aus dem neuerlich in der Leipziger Außenstelle der Birthler-Behörde aufgetauchten Aktenkonvolut decken sich Boßdorfs Angaben dem ersten Anschein nach nicht ganz. Um sich zu orientieren, hat jetzt nicht nur der NDR, dessen Sportchef Boßdorf im kommenden März werden soll, volle Akteneinsicht beantragt. Auch der ARD-Vorsitzende Thomas Gruber will den Vorgang in Gänze sehen - und schließlich Hagen Boßdorf selbst. Er hat Antrag auf Auskunft in eigener Sache gestellt.

          In seinem Brief, der an den damaligen ARD-Vorsitzenden Fritz Pleitgen, den ORB-Intendanten Hansjürgen Rosenbauer, den BR-Intendanten Thomas Gruber, den ORB-Direktor Volker von der Heydt und den ARD-Politikkoordinator Hartmann von der Tann ging, legte Boßdorf seine Vita vom siebzehnten Lebensjahr an dar. Um seiner damaligen Freundin in Berlin nahe zu sein, habe er sich für drei Jahre zum Wehrdienst beim Wachregiment „Feliks Dzierzynski“ verpflichtet. Dort habe er zuerst zur Motorrad-Kompanie gehört und dann im „Funkstudio“ gearbeitet. „Gegen Ende meiner Dienstzeit wurde ich erstmals für Zusammenarbeit mit der Stasi angeworben, was ich abgelehnt habe.“

          „Kein Druck auf mich ausgeübt“

          Von Oktober 1986 bis Mai 1990 studierte Hagen Boßdorf in Leipzig Journalistik und Sport. Mitte 1988, seiner Erinnerung nach, sei ein Lehrbeauftragter zu ihm gekommen und habe ihn zu einem Gespräch mit Vertretern des Deutschen Turn- und Sportbundes gebeten. Boßdorf traf jedoch auf einen Mann, „der sich als Mitarbeiter der Staatssicherheit zu erkennen gab“. Dieser habe nach einem Treffen mit Journalistik-Studenten aus Leipzig und Göttingen gefragt. „Es wurde auf mich kein Druck ausgeübt, mich mit den Stasi-Leuten zu treffen, der mich heute rehabilitieren würde“, schrieb Boßdorf.

          Von Mitte 1988 an habe er sich „in unregelmäßigen Abständen zu Gesprächen mit einem Stasi-Mitarbeiter in Leipzig“ getroffen. Es sei „nicht um Beurteilungen oder Auskünfte über Menschen aus meiner Umgebung“ gegangen, mit einer Ausnahme: einer Anfrage nach einem befreundeten Studenten, von dem er seinem Freund sofort erzählt habe. Über Lehrkräfte oder Kommilitonen habe er keine Auskünfte erteilt; als man ihn aufforderte, in Kontakt zu einer Leipziger Familie zu treten, die Westbesuch erwartete, habe er dies „entschieden abgelehnt, so daß derartige Aufträge auch nie mehr an mich herangetragen wurden“. Im Mai 1989, berichtete Boßdorf weiter, habe er ungarisches Geld im Wert von 150 DDR-Mark als Hochzeitsgeschenk angenommen.

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