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„Star Wars, Episode III“ : Wie eiskalt ist dies Sternchen

Die letzte Schlacht: Meister Yoda Bild: AP

Die Republikaner schlagen zurück: Mit „Star Wars, Episode III - Die Rache der Sith“ bombt sich George Lucas ans Ende der Operngeschichte. Mehr war beim besten Willen nicht zu wünschen.

          Nichts bleibt dem Zufall überlassen: Wenn der Erzählgang verlangt, daß der tragische Held von hartnäckigen Albträumen gepeinigt wird, die ihm den Tod seiner Liebsten zeigen, wie filmt man das dann? In „Star Wars, Episode III - Die Rache der Sith“ hat jemand dafür einen Damenstrumpf über die Kameralinse gezogen, rund ums Gesicht der bedrohten Schönen ein Loch reingeschnitten und die Nebelmaschine angeworfen: Fertig, paßt.

          Dietmar Dath

          Redakteur im Feuilleton.

          Wenn illustriert werden soll, daß ein Diktator die Demokratie verachtet, wie bebildern wir's? Indem wir ihn nach böser Herzenslust mit Parlamentssitzen um sich werfen lassen, als wären es Briefbeschwerer, einzig zu dem Zweck, den letzten greisen Verteidiger der legitimen Ordnung damit zu erschlagen. Wenn sich zwei heftig heterosexuelle junge Leute mächtig nach Liebe sehnen, aber nicht zusammenkommen können, wie führt man's vor? Erst filmt man seinen Kopf, dann ihren, dann wieder seinen, dann ihren, statisch, minutenlang, zu Jaulmusik vom Unerfülltesten.

          Altmodisch inszenierter Bombast

          Mit anderen Worten: Alle, die in George Lucas, dem Vater des Monumentalmärchens „Star Wars“, nach den beiden letzten Folgen seiner Saga einen kaltherzigen Kalkülkünstler sehen wollten, der nur noch Sinn für Computereffekte, aber keinen mehr für Schwulst und Melodrama hat, sollen und werden sich nach diesem Abschluß des Werks schämen: Altmodischer kann man erstklassigen Bombast nicht inszenieren.

          Sogar die 1977 für „Star Wars, Episode IV: Eine neue Hoffnung“ eigens erfundenen, liebenswert plumpen Szenenübergänge, bei denen die normalerweise für den Schnitt zuständige Schere durch den Scheibenwischer ersetzt und das zu verabschiedende Bild vom je neuen buchstäblich weggeklappt wird, hat Lucas dringelassen - soll doch eine von Computerspielen und Videoclips an ganz andere Schnittkünste gewöhnte Jugend, die es ohne ihn nicht gäbe, darüber murren, ihn kümmert's nicht mehr. Denn hier schlägt ein angegrauter Samurai mit wäßrigen Augen, schwerem Bierbauch, kindlichem Herzen und vorpubertärem Verstand seine letzte Schlacht.

          Guter Kitsch hat seine Strenge

          Wer das ablehnen muß, der soll es ablehnen; nur bekritteln darf er es nicht, weil er sich dabei bloß lächerlich macht: Wo neunmalkluge Beckmesser, wie in einigen Kritiken bereits geschehen, etwa beanstanden, daß in „Episode III“ mehrfach deutlich untermotivierte Dinge geschehen und einmal sogar an nichts Gescheiterem als einem ominösen „Verlust des Lebenswillens“ gestorben wird, ist mahnend daran zu erinnern, daß auch die Kameliendame oder Madame Butterfly keine gehaltvolleren Gründe für ihr lärmaufwendiges Ableben vorbringen können als ebenjenen; Tuberkulose hin, Herzfehler her. Guter Kitsch hat seine eigene Strenge, von der des Lehrers törichte Kritik nichts weiß.

          Handlung? Epik? Wer den Untergang Weimars, Bertolt Brechts „Arturo Ui“, die Geschichte Chiles nach dem Zweiten Weltkrieg oder die nordamerikanische der Gegenwart verstanden hat, wird sich in „Episode III“ leicht zurechtfinden: Der tückische Kanzler (Ian McDiarmid) einer Sternenrepublik läßt sich mit immer neuen Vollmachten ausstatten, weil der angedrehte Popanz einer „dunklen Bedrohung“ die Sicherheit der Bürger bedroht.

          Republikanische Grenzschutztruppe

          Die Jedi-Ritter, eine Mischung aus mönchischem Zen-Orden und republikanischer Grenzschutzgruppe, können nicht verhindern, daß der Intrigant einen der Ihren, den jungen Anakin Skywalker (Hayden Christensen), auf seine Seite zieht. Der charmanteste Brite, den das interstellare Actionkino derzeit zu bieten hat, Ewan McGregor als Obi-Wan Kenobi, brüllt seinem verwirrten Schüler Skywalker zwar mit väterlicher Strenge mehrfach ins Gewissen und schneidet ihn, als das nichts hilft, in kleine Streifen.

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