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Star Wars Episode 9: Finale! : Stärker als Blut – Das Gleichgewicht der Macht

Es wird gekämpft, gefangengenommen, befreit, ein altes Raumschiff darf sich in einem neuen Flugmanöver beweisen: „Star Wars“ war immer nostalgisch und futuristisch zugleich. Bild: Lucasfilm Ltd.

Das Ende von „Star Wars“ ist natürlich nicht der letzte Film in dem Kosmos, den George Lucas vor mehr als vierzig Jahren schuf. Aber das Riesenbiest schafft es über die Ziellinie – und bringt ein paar Wunder mit.

          5 Min.

          Wer würde freiwillig auf alle eigenen Erinnerungen verzichten, um anderer Leute Zukunft zu retten? Eine Figur, die alle Fans der „Star Wars“-Filmreihe seit mehr als vierzig Jahren kennen und gernhaben, soll nach etwa einer Stunde im neunten und nach dem Willen ihres Erfinders George Lucas abschließenden Teil der Reihe, der jetzt ins Kino kommt, dieses Opfer bringen. Bis dahin ist der Film durchschnittlich unterhaltsam: Es wird gekämpft, gefangengenommen, befreit, ein altes Raumschiff darf sich in einem neuen Flugmanöver beweisen („light speed skipping“, der Regisseur J.J. Abrams ließ die Szene mit dem Jagdmesser schneiden), aber alles tritt (oft mit Nachdruck) auf der Stelle, bis der Moment kommt, in dem jemand gezwungen ist, sich zu vergessen, damit’s weitergeht.

          Dietmar Dath

          Redakteur im Feuilleton.

          In diesem Moment hat der Film sich gefunden; das ganze, in den Siebzigerjahren als Hommage an ältere Science-Fantasy-Welten begonnene „Star Wars“-Projekt war stets zugleich nostalgisch und futuristisch.

          Bald nach der kleinen Erleuchtung gibt’s kein Halten mehr: Man sieht tosende Wellen, hoch wie Städte, und Blitze, lang wie Länder, aber das Chaos ist nichts als ein Hintergrund für die Moral des Ganzen, die Mark Hamill alias Luke Skywalker, alt, weise, tot und unsterblich, seiner Schülerin Daisy Ridley alias Rey mitteilt, als die Nacht um sie am dunkelsten ist: Es gibt etwas, das stärker ist als Blut.

          Es gibt Antworten, aber vor allem noch was Besseres als sie

          Ganz richtig, der Zopf aus Abstammung und Historiengemälde wird entflochten, was eine Tendenz fortsetzt, die schon Rian Johnsons „Episode VIII.: The Last jedi“ geprägt hat, und beide, das Herkunftsdrama wie das galaktische Zivilisationsepos, werden in Episode IX außerdem mit der kryptischen Bemerkung des von Max von Sydow gespielten Lor San Tekka aus Episode VIII abgeglichen, die Wiederaufnahme des Handlungsfadens „Was wird aus dem Orden der Jedi-Ritter?“ sei weltschicksalsentscheidend: „This will begin to make things right. Without the Jedi, there can be no balance in the Force.“

          Denen, die vom Schlussfilm vor allem „Antworten“ verlangen, könnte das, was aus diesem Ansatz hier entwickelt wird, dennoch nicht reichen. Die Antwortgierigen scharen sich ja, seit das Netz Archive und Nachrichtenquellen gleichermaßen gerade den Allerorientierungslosesten geöffnet hat, um alles, was mit ein bisschen Geheimschrift gewürzt ist. Solche Leute können den Offeneren, spielgerechter Interessierten im Publikum jeden Spaß an „Twin Peaks“, „Lost“ oder „Downton Apocalypse“ verderben, aber ihre Existenz ist halt der Preis dafür, dass wir heute als Informationsgesellschaft weiter sind als zu Zeiten, da niemand eine Fortsetzung von „Hamlet“ verlangte, in der zweifelsfrei bewiesen wird, dass der verstorbene Claudius krumme Dinger gedreht hat. Es gibt halt neuerdings zahllose in irgendeiner Buchhaltungsabteilung der Hölle kaputtgebratene Seelen, für deren vergittertes Knast-Vorstellungsvermögen Filme und Serien Aufgabenhefte sind, in denen sie Ergebnisse eintragen, für die sich nicht mal die Uni interessiert, sei’s drum – wer vor rund vierzig Jahren entsetzt war, als der finstere Darth Vader dem armen Luke Skywalker auf dem Höhepunkt von Episode V. die Schwerthand abhackte und zugleich ein stinkendes Geheimnis aus der Familiengruft lüftete, wird sich dem Finale, das Abrams gebacken hat, so wenig entziehen können wie Jüngere, die vor rund zwanzig Jahren unruhig auf den Kinositzen herumgerutscht sind, als Ian McDiarmid alias Senator Palpatine in Episode I. das erste Mal ins Bild schlich. Selbst die Jüngsten, die vor zwei Jahren in Episode VIII. ein Schauer überlief, als die alte Piratin Maz Kanata mit der Stimme der Schauspielerin Lupita Nyong’o erklärte, der Atem des Universums sei eine Macht (alias „The Force“), die jedes lebende Ding umgebe, können mit dem Gleichgewicht zwischen Licht und Schatten, das Abrams jener Macht ausrichtet, zufrieden sein.

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