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Kinospots gegen Rassismus : Ein kleines und vielleicht wirkungsvolles Zeichen

Zeigt Gesicht gegen Rassismus: Kida Khodr Ramadan. Bild: Bildungsstätte Anne Frank / To Kuehne

Lars Becker ist bekannt für seine lakonischen Fernsehkrimis, etwa die „Nachtschicht“ im ZDF. Jetzt hat der Regisseur Kinospots gegen Rassismus gedreht. Fehlen noch Filme gegen Antisemitismus.

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          Weshalb der Regisseur Lars Becker, der Fernsehzuschauern vor allem durch seine „Nachtschicht“-Krimis und Polizeifilme wie „Zum Sterben zu früh“ vertraut ist, drei Clips pro bono über Alltagsrassismus gedreht hat, die für ein Angebot der Bildungsstätte (BS) Anne Frank in Frankfurt werben? Weil es solche Bildungsangebote dringend braucht, um „Diversifikation zu verstehen“, sagte Becker bei der Premiere der Clips in dem kleinen Frankfurter Kino Mal Seh’n vor vollem Haus.

          Ursula Scheer
          Redakteurin im Feuilleton.

          Unsere freie Gesellschaft werde immer vielfältiger, zugleich entstünden immer neue Gefahren für das friedliche Zusammenleben von Menschen verschiedener Herkunft und Überzeugung. Das hätten der „Echo“-Preis für die Rapper Kollegah und Farid Bang und der Überfall auf einen Kippa tragenden Mann in Berlin auf erschreckende Weise gezeigt. Rassismus und Antisemitismus, Vorbehalte gegenüber Fremden, islamistische Tendenzen: Für Becker sind das Symptome einer „multiphoben Gesellschaft“, gegen deren Herausbildung er mit drei kleinen, von der Agentur „Die Weberknechte“ produzierten Spots ein vielleicht kleines, aber vielleicht auch wirkungsvolles Zeichen setzen will.

          Die Deutschen und ihre Mülltrennung

          Die Deutschen und ihre Mülltrennung: Mit diesem vermeintlich harmlosen Symbol bundesrepublikanischer Sauberkeit und Ordnung fängt es an. „Wir trennen hier unseren Müll“, bekommt ein arabisch aussehender Mann – gespielt von dem „4 Blocks“Hauptdarsteller Kida Khodr Ramadan – auf dem Weg zum Container zu hören. In der U-Bahn wird er angespuckt. Am Kiosk gefragt, was denn bei „euch da unten los ist, wieder Leute in die Luft gesprengt“. In der Bahn setzt eine Frau sich weg. Auf der Straße wird er von Rechten als „Kanake“ beschimpft. Dazu spricht der langjährige Becker-Gefährte Armin Rohde aus dem Off lakonische Sätze wie: „Du kannst gut zuhören.“ „Du hast gute Umgangsformen.“ „Du bist souverän.“ Aber wenn alles dann doch zu viel werde, so zeigt der Clip, kann man sich als Opfer rassistischer und rechter Gewalt Hilfe holen: in einem der Büros von „response“, einem Angebot der BS Anne Frank in Frankfurt und Kassel.

          Lakonie und Ironie statt Betroffenheitsgesten und erhobene Zeigefinger – damit arbeitet auch ein Clip, der die Attacken gegen eine von Victoire Laly gespielte dunkelhäutige Frau schildert. Die Spots beruhen auf tatsächlichen Erlebnissen, von denen Betroffene in den Beratungsstellen berichtet haben; sie wollen den Fokus weg von den Tätern hin auf die Opfer lenken und zeigen, wie zermürbend auch immer wiederkehrende „Mikroaggressionen“ wirken. Die kurzen Filme werden in hessischen Kinos sowie im Internet unter dem Hashtag #istalltag gezeigt.

          Wäre es angesichts der jüngsten antisemitischen Aggressionen nicht auch angesagt, Spots gegen Judenhass zu drehen? Ja, findet Lars Becker, und ja, sagt auch Olivia Sarma, die Leiterin von „response“. Die Clips beruhten auf dem, was die Beratungsstellen am meisten beschäftige. Zudem sei es schwierig, ein Thema wie Antisemitismus in sechzig Sekunden auf den Punkt zu bringen. Das aber macht die Auseinandersetzung mit dem alltäglichen Judenhass so dringlich: dass er Rechtsextreme, Islamisten, antisemitische Linke, Rapper und Hip-Hopper mit millionenfach in den Charts verbreiteten Verschwörungspamphleten und latent judenfeindliche Bevölkerungsanteile bis in die Mitte der Gesellschaft eint.

          Lars Beckers Spots dagegen eint die Botschaft: „Rassistische Gewalt ist kein Problem Einzelner.“ Dreimal sechzig Sekunden gegen soziale Phobie und Ohnmachtsgefühle.

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