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Sony gegen Disney : Spider-Man vor Marvel-Aus

  • -Aktualisiert am

Bald ganz allein? Über die Zukunft von Spider-Man streiten sich Rechteinhaber Sony Corporation und Produzent Walt Disney Company. Bild: AP

Im Poker um die Fortführung der erfolgreichen Spider-Man Reihe mit Kevin Feige als Produzent steckt Konfliktpotenzial. Disney will mehr Geld, Sony nicht erpresst werden. Derweil verlieren Fans im Netz die Nerven.

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          Nach gescheiterten Verhandlungen zwischen Sony und der der Walt Disney Company könnte Spider-Man nach heutigem Stand bald nicht mehr Teil des Marvel Universums seins. Damit wäre die zuletzt so erfolgreiche Film-Reihe mit Schauspieler Tom Holland als Peter Parker vor dem wahrscheinlichen Ende. Die Filme “Spider-Man: Homecoming” (2017) und “Spider-Man: Far From Home” (2019), beide sehr gut besucht und von Kritikern gelobt, wurden federführend von Kevin Feige produziert, dem Chef des Marvel Universums bei Walt Disney. Disney und Rechteinhaber Sony streiten nun um viel Geld. Gibt es keine Einigung, ist die Verbindung zum weiteren Marvel-Universum inklusive dem so erfolgreichen Produzenten Feige gekappt.

          Es geht um Geld

          Doch wohl gerade wegen des großen Erfolgs steht die fruchtbare Zusammenarbeit infrage. “Spider-Man: Far From Home” spielte über 1,1 Milliarden Dollar ein, so viel hatte noch kein Sony-Film zuvor umgesetzt. In den Verhandlungen um die Fortführung der Zusammenarbeit soll Disney als Besitzer des mächtigen Marvel-Universums, zu dem auch Spider-Man ursprünglich gehörte, sehr aggressive Forderungen stellen. Die leitende Hand Kevin Feiges soll Sony in Zukunft die Hälfte der Einnahmen kosten: eine harte Forderung. Angesichts der Tatsache, dass Sony selbst Ende der achtziger Jahre für die Rechte nur einen zweistelligen Millionenbetrag gezahlt und seit dem mehrere Milliarden mit dem Spider-Man-Franchise verdient hat, wird Sony dieses Argument allerdings nicht offen anführen. 

          Vielmehr beruft sich Sony darauf, dass Kevin Feige als Produzent zu viele Projekte auf dem Tisch habe, als dass er sich wirklich um Spider-Man kümmern könne. Es würden bewusst falsche Informationen verbreitet und mit den Emotionen der Fans gespielt. So oder so scheint es, als sei die letzte Intrige in der Causa Spider-Man noch nicht gesponnen.

          Stan Lee’s Wunsch

          Derweil haben sich Fans im Netz bei der Suche nach Schuldigen weitgehend auf Sony eingeschossen. Disney profitiert davon, für Kontinuität zu stehen, während Sony, so der Eindruck, aus Habgier für Unfrieden sorgt. Wortwitze fliegen wie Spider-Mans Netze durch die Luft. Ein Fan fragt, ob der dritte Teil der Reihe nach “Homecoming” und “Far From Home” (2019 jetzt wohl “Homeless“ heißen wird. 

          Auch der Wunsch des Spider-Man-Erfinders Stan Lee spielt eine Rolle. Der kürzlich verstorbene Visionär, der als langjähriger Marvel-Präsident auch die enorme Popularisierung des Marvel-Universums verantwortete, hatte noch im November letzten Jahres seine große Freude über Tom Holland als Spider-Man ausgedrückt. Der Schauspieler entspreche dem Spider-Man, den er sich beim Zeichnen der Comics vorgestellt habe.

          Auch Superhelden-Kollegen von Spider-Man aus der Welt von Marvel machen ihrer Unmut Luft. Ryan Reynolds, der als Vulgär-Martyrer “Deadpool” den Sarkasmus in Blockbuster-Filmen wieder salonfähig gemacht hat, trauert auf seine Weise.

          Jeremy Renner, der als “Hawkeye” Teil der unerreicht populären Avengers ist, wendet sich sogar direkt an Sony: “Hey Sony, wir wollen Spider-Man zurück bei Stan Lee und Marvel haben”. 

          Unfaires Spiel

          Disney kann Sony im Verbund mit Fans, Stars und sogar dem Erfinder von Spider-Man selbst die Entscheidungsträger also gut unter Druck setzen. Auch Sony hat wohl ein Interesse daran, die Partnerschaft fortbestehen zu lassen, wenngleich ohne dafür finanzielle Einschnitte machen zu wollen.

          Schade ist, dass dieser Streit auf dem Rücken der Abermillionen von Fans ausgetragen wird, die sich gerade an eine neue Generation weniger weichgespülter Superhelden gewöhnen durften. Wie wertvoll die Identifikation mit intelligent konstruierten Leinwand-Helden sein kann, hat der weltweite Erfolg von “Black Panther” unter Beweis gestellt. Im Sinne der globalisierten Fangemeinde wäre ein Entgegenkommen zwischen Sony und Disney also wohl zu begrüßen.

          Nach den enttäuschenden Film-Trilogien mit Toby Maguire (2002 bis 2007) und Andrew Garfield (2012 bis 2014) als Peter Parker ist das Vertrauen in die kreativen Entscheidungen bei Sony nicht gerade hoch. Anders sieht es bei Disney aus, wo die eigentlichen Kreativen bei den Marvel-Studios für Furore sorgen. Dass Disney selber dabei im Hintergrund durch seine profitmaximierende Verhandlungstaktik sogar der tatsächliche Bösewicht sein könnte, fällt unter den Tisch.

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