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Sofia Coppola in Venedig ausgezeichnet : Einen Goldenen Löwen vom Ex

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Umarmung bei der Übergabe der Auszeichnung: Sofia Coppola und Quentin Tarantino Bild: dpa

Für ihren sechsten Film, in dem sie die innere Leere eines Hollywoodstars beschreibt, hat Sofia Coppola aus den Händen Quentin Tarantinos den Goldenen Löwen erhalten. Die Regisseurin und der Jury-Präsident waren einst ein Paar.

          Die 39 jahre alte amerikanische Regisseurin Sofia Coppola hat beim Filmfestival in Venedig den Goldenen Löwen gewonnen. Die Tochter von Francis Ford Coppola erhielt an diesem Samstag den Hauptpreis des 67. Festivals für ihren sechsten Film „Somewhere“, in dem ein Hollywoodstar die Leere seines Daseins durch die Augen seiner elf Jahre alten Tochter sieht (siehe auch: Die Leere der wahren Empfindung).

          Coppola („Lost in Translation“) setzte sich im Kampf um den Goldenen Löwen gegen 23 Konkurrenten durch, darunter auch Tom Tykwers Streifen „Drei“ (siehe auch: Tom Tykwers Film „Drei“ zum Abschluss in Venedig). „Somewhere“ sei einstimmig zum Sieger gewählt worden, sagte der Jury-Vorsitzende Quentin Tarantino an diesem Samstagabend. Der Film habe die Jury schon bei der ersten Vorführung verzaubert.

          „Ich kann es nicht glauben, ich kann es nicht glauben, es ist eine große Ehre“, freute sich Sofia Coppola. Sie umarmte den Jury-Präsidenten Tarantino, mit dem sie vor einigen Jahren liiert war, dankte allen überschwänglich und sagte, der Preis sei sehr wichtig für den Film. Ein besonderer Dank gehe an die Eltern, vor allem an den Vater und übermächtigen Filmregisseur, „der mich unterrichtet hat“.

          Umarmung bei der Übergabe der Auszeichnung: Sofia Coppola und Quentin Tarantino Bilderstrecke

          Der Silberne Löwe für die Beste Regie ging an den Spanier Álex de la Iglesia für seine grotesk-überdrehte „Balada triste de trompeta“. Der Regisseur erzählt darin auf äußerst ungewöhnliche Weise von Javier, einem traurigen Clown, während der Franco-Zeit. Jahrelang erduldet er zahlreiche Rückschläge und Erniedrigungen, bis er als eine Art Freiheitskämpfer Amok läuft, unter anderem gegen Führer der Franco-Diktatur.

          Der Amerikaner Vincent Gallo gewann wie von vielen erwartet den Preis als bester Darsteller für seine überzeugende Leistung in „Essential Killing“ des Polen Jerzy Skolimowski (siehe auch: Filmfestspiele Venedig: Verfolgt und gejagt). Gallo spielt darin eindringlich einen Mann aus Afghanistan, der vom amerikanischen Militär gefangen genommen und nach Europa transportiert werden soll. Auf dem Weg dahin entkommt er aber und flieht durch verschneite Wälder vor seinen Verfolgern. Um zu überleben, muss er immer wieder töten.

          Der Preis für die beste Darstellerin ging an die Griechin Ariane Labed aus „Attenberg“ (siehe auch: Filmfestspiele Venedig: Die Lust am Blick in den Abgrund). Die Filmfigur Marina ist 23 Jahre alt und lebt alleine mit ihrem kranken Vater. Das Werk der Regisseurin Athina Rachel Tsangari zeigt Marinas Weg zum Erwachsenwerden und die Entdeckung der eigenen Sexualität.

          Die Preisträger in der Übersicht

          Goldener Löwe für den besten Film: „Somewhere“ von Sofia Coppola (Amerika)
          Silberner Löwe für die beste Regie: Álex de la Iglesia für „Balada triste de trompeta“ (Spanien/Frankreich)
          Spezialpreis der Jury: „Essential Killing“ von Jerzy Skolimowski (Polen)

          „Coppa Volpi“ für den besten Schauspieler: Vincent Gallo in „Essential Killing“ von Jerzy Skolimowski (Polen)
          „Coppa Volpi“ für die beste Schauspielerin: Ariane Labed in „Attenberg“ von Athina Rachel Tsangari (Griechenland)

          Spezial-Löwe für das Gesamtwerk: Monte Hellman (Amerika), der mit dem Film „Road to Nowhere“ im Wettbewerb von Venedig war

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