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John C. Reilly spielt Hardy : „Die Botschaft von Laurel und Hardy ist: Jeder verdient Würde“

  • -Aktualisiert am

John C. Reilly (links) mit Steve Coogan (rechts) in ihrem neuen Film „Stan & Ollie“ Bild: dpa

In der Filmbiografie „Stan & Ollie“ spielt John C. Reilly den behäbigen Oliver Hardy. Im Interview spricht er über „Dick & Doof“, seinen Mangel an Männlichkeit – und darüber, dass Empathie im Trump-Zeitalter wichtiger ist als Comedy.

          Das altehrwürdige Savoy Hotel in London ist eigentlich keines, das Filmfirmen gemeinhin für ihre Pressetage auswählen. Als Ort für ein Treffen mit John C. Reilly anlässlich seines neuen Films „Stan & Ollie“ ist es allerdings die naheliegende Wahl. Hier stiegen Stan Laurel und Oliver Hardy, in Deutschland vor allem als „Dick & Doof“ bekannt, in den 1950er Jahren ab, als ihnen auf britischen Bühnen ein unerwartetes Comeback gelang. Entsprechend wurden auch einige Szenen des Films hier gedreht. Für die Rolle als Hardy musste sich Reilly, der dafür für den Golden Globe nominiert wurde, in einen Fettanzug zwängen, doch zum Gespräch erscheint er, wie man ihn kennt: adrett im dunklen Tweet-Anzug gekleidet, für einen Hollywood-Star beeindruckend groß und mit einer Mischung aus bäriger Verschmitzheit und melancholischem Ernst. Der Sinn fürs Alberne und Absurde, den der Oscar-nominierte Schauspieler in Filmen wie „Stiefbrüder“ oder „Walk Hard: Die Dewey Cox Story“ auch immer wieder an den Tag legt, blitzt während des Gesprächs über die berühmten Kollegen Laurel und Hardy kaum durch.

          Mr. Reilly, erinnern Sie sich noch daran, wann Sie zum ersten Mal einen Sketch oder Film von und mit Stan Laurel und Oliver Hardy gesehen haben?

          Interessanterweise kann ich das nicht. Vielmehr wurde mir in letzter Zeit bewusst, dass ich mich nicht an eine Zeit erinnern kann, in der ich Laurel und Hardy nicht kannte. So weit ich auch zurückdenke: Die beiden waren immer Teil meiner Erfahrungswelt. Schon meine allerersten Erinnerungen ans Fernsehen haben mit ihnen zu tun, denn damals, also in den späten Sechzigern, waren ihre Sketche und Filme ständig auf dem Bildschirm zu sehen.

          Und Sie waren begeistert?

          Oh ja, Laurel und Hardy waren für mich letztlich nichts anderes als Cartoons. Das Überhöhen der Realität, die Stilisierung, der Humor – das waren doch im Grunde ähnliche Methoden wie bei Bugs Bunny und Co. Schon Clowns im Zirkus haben auf diese Art von Witz gesetzt; Laurel und Hardy haben sie noch auf die nächste Stufe gehoben. Ausrutschen und hinfallen? Aus Versehen mit dem Kopf gegen ein Brett knallen? Solche Gags waren und sind immer witzig.

          Erklärt sich mit dieser Schlichtheit also der enorme, jahrzehntelang anhaltende Erfolg des Duos?

          Ihr Humor war relativ einfach, aber schlicht ist vielleicht nicht das richtige Wort. Der Erfolg verdankt sich natürlich vor allem der Tatsache, dass die beiden Meister der Eskalation waren. Mir fällt gerade eine Nummer in einem Sägewerk ein, wo sie wieder und wieder dieses Brett vor den Kopf bekommen. Und immer wenn man denkt, noch mal wird das ja nun nicht passieren, passiert es im Gegenteil noch fünf weitere Mal! Timing, Wiederholung, das Spiel mit Gegensätzen – all das haben die beiden perfekt beherrscht. Dass sie sich von zeitgenössischen und regionalen Anspielungen fernhielten, war dem Erfolg auch nur zuträglich. Wenn zwei Männer sich vergeblich darum bemühen, ein Klavier eine Treppe hochzubekommen, kann man darüber in Kairo oder Buenos Aires genauso lachen wie in Amerika. Und es ist ja auch kein Zufall, dass Laurel und Hardy in vielen Ländern unter anderen Namen bekannt wurden, so wie in Deutschland als „Dick & Doof“ oder in Italien als „Stanilo e Ollio“. Das zeigt doch, dass sie nicht als amerikanisches Komiker-Duo wahrgenommen, sondern auf der ganzen Welt vereinnahmt wurden.

          Trotzdem kann man davon ausgehen, dass junge Leute heute mit den beiden nicht mehr so vertraut sind, oder?

          Das würde ich auch denken. Aber auch das ist in der Wahrnehmungsgeschichte von Laurel und Hardy eigentlich nichts Neues. Auch in den später Fünfziger und frühen Sechzigern waren die beiden nicht mehr so präsent wie etwa 25 Jahre vorher. Aber dann liefen ihre Filme plötzlich im Fernsehen – und sie eroberten ganz neue Generationen von Fans. Für mich war einer der spannenden Aspekte an unserem Film der Gedanke, damit auch ein paar Zuschauer an diese großartigen Komiker heranzuführen, die ihnen auf Youtube vielleicht bislang noch nicht untergekommen sind. Und zwar nicht, weil ich Nostalgiker bin, der den Menschen die gute alte Zeit der dreißiger Jahre schmackhaft machen will. Sondern weil ich wirklich überzeugt davon bin, dass der Humor von Laurel und Hardy auch heute noch funktioniert und nach wie vor von kleinen Kindern bis zu ihren Opas jeden zum Lachen bringen kann.

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