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Slumdog Millionaire : Britisches Produkt, indisches Problem

  • -Aktualisiert am

Slumbewohnerin und Schauspielerin: Rubina Ali Qureshi, neun Jahre alt, spielt in „Slumdog Millionaire” Bild: AP

Für zehn Oscars ist der Film „Slumdog Millionaire“ mittlerweile nominiert. Doch nach dem Filmstart in Indien wird dort nun heftig darüber gestritten, ob Indien nicht nur einmal mehr als Land der Armut dargestellt ist.

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          Das Muster wiederholt sich immer wieder: Indien wird in der westlichen Presse für Dinge gepriesen, deren es sich schämt. Ende letzten Jahres war es der Roman „Weißer Tiger“ von Aravind Adiga, der den Booker-Preis erhielt und zum Bestseller wurde, doch in Indien beklagte man die brutal realistische Darstellung der Armut und sozialen Ungerechtigkeit. Indien, die angehende Supermacht, erhalte wieder einmal einen schlechten Namen.

          Jetzt ist es der Film „Slumdog Millionaire“, der soeben zehn Oscar-Nominierungen erhalten hat. Zuvor gab es bereits viermal den Golden Globe sowie zahlreiche andere Preise. Indien ist begeistert und entrüstet zugleich. Der Film spielt in einem der riesigen Slums von Bombay, Dharavi, und beschreibt den glückhaften Aufstieg eines Jungen, der in der indischen Entsprechung der Fernsehshow „Wer wird Millionär?“ zum glücklichen Gewinner wird. Die Romanvorlage stammt von dem indischen Diplomaten Vikas Swarup, der zur Zeit dienstlich in Südafrika tätig ist.

          Nicht die erste öffentliche Erregung

          Schon zweimal haben ausländische Filme, die in indischen Slums gedreht worden sind, die Öffentlichkeit in Indien erregt; „Stadt der Freude“ von Roland Joffe, nach dem Roman von Dominique Lapierre, verursachte sogar Straßenschlachten in Kalkutta. Ein künstlicher Slum musste außerhalb der Großstadt aufgebaut werden. „Salaam Bombay“ von Mira Nair thematisierte ebenso wie jetzt Danny Boyles Film die Slumkinder Bombays.

          Am Wochenende des Filmstarts von „Slumdog Millionaire” in Mumbai
          Am Wochenende des Filmstarts von „Slumdog Millionaire” in Mumbai : Bild: picture-alliance/ dpa

          Auch in Indien sind sich sämtliche Kritiker darin einig, dass „Slumdog Millionaire“ von außerordentlicher künstlerischer Qualität ist. Der Streit entzündet sich an der Frage, wer sich dafür verantwortlich fühlen darf. Regisseur, Drehbuchautor und Kameramann sind keine Inder. Nur der Komponist A. R. Rahman, der für die Filmmusik eine Oscar-Nominierung und einen Globe erhielt, ist Inder. Es handelt sich um eine britische Produktion mit indischen Schauspielern. Darum schreibt Farrukh Dhondy, selbst indischer Filmemacher in England: „Ich hoffe, der Film wird nicht als Meilenstein des indischen Kinos gewertet. Er ist mit britischem Empfindungsvermögen gedreht worden.“ Aber die Geschichte spielt in Bombay, und zahlreiche Slumkinder gehören zum unentbehrlichen Personal der Films. Das Werk erhält sein Profil aus der Vitalität und der Not des Slumlebens. Ist er also doch ein „indischer“ Film?

          Slum mit Transzendenz

          Kein Geringerer als der Doyen der indischen Bollywood-Schauspieler, Amitabh Bachchan, regte sich als Erster darüber auf, dass der Film wieder einmal Indiens Armut feilbiete. Aber wird die Armut ausgebeutet? Weidet sich die Kamera am Elend der Slumbewohner? Nein, behauptet der Schriftsteller Shashi Tharoor: „Die Abfallhaufen, die überfließenden Abflussrohre, die menschlichen Fäkalien, alles ist da. Trotz allem ist (dieser Film) keine Übung in der ‚Pornographie der Armut‘. Das Slumleben ist mit Integrität und Würde beschrieben, und mit einer joie de vivre, die die Slumsituation transzendiert.“

          Die Botschaft, dass eine Karriere von ganz unten nach ganz oben möglich ist, also der „Triumph des menschlichen Geistes“, sei doch das eigentliche Thema des Films, verteidigen andere diese Position. Vikas Swarup, der Autor der Buchvorlage, will sogar im Slum einen „Ort des Optimismus und der Hoffnung“ entdecken. Viele reale Bewohner von Dharavi können mit dieser Glorifizierung allerdings nichts anfangen. Sie haben, als der Film in aller Munde war, eine Prozession mit Schildern unternommen, auf denen, in Anspielung auf den Filmtitel, zu lesen stand: „Wir sind keine Hunde!“

          Die eigentliche Botschaft des Films scheint jedoch noch anderswo zu liegen. „Slumdog Millionaire“ sei weder indisch noch britisch, sondern sei, so die „Hindustan Times“, hergestellt worden mit Hilfe der „besten Ressourcen, die global zur Verfügung stehen“. Jene, die den Film als Beweis für die Annäherung von Hollywood und Bollywood werten, sind mit dem Ergebnis jedenfalls zufrieden.

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