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Siebzig : Privatier und Menschenfreund: Alfred Biolek

Früher war nicht alles besser, er aber war besser, feinfühliger - menschlicher: Alfred Biolek Bild: dpa

Mit dem Boulevardjournalismus hat Bios "Boulevard" nichts gemein. An diesem Samstag feiert Alfred Biolek, der Talkmaster, der keine Verkaufsgespräche führte, seinen siebzigsten Geburtstag.

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          "Man mag dich", soll Elke Heidenreich über ihren früheren Kollegen gesagt haben. Doch das allein kann nicht der Grund dafür sein, daß Alfred Biolek so lange so erfolgreich für Unterhaltung im Fernsehen sorgte. Es ist vielmehr der umgekehrte Eindruck: daß auch dieser Mann die Menschen mag und mochte, allgemein und gerade jene, die er in seine Shows einlud, die "Bios Bahnhof" bevölkerten oder den "Boulevard Bio".

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Dort trafen wir nicht nur auf jene Prominenten, die allein durchs Fernsehen zu fragwürdiger Geltung gelangen, sondern Zeitgenossen, die sich ein Leben jenseits des im Medienbetrieb niemals verlöschenden Fegefeuers der Eitelkeiten eingerichtet haben, Schicksale meistern, sich in den Dienst anderer oder einer Sache stellen. Im Gespräch mit solchen war Alfred Biolek am besten, am privatesten, aber das nicht in jener Weise, wie wir sie heute bezeugen bei Kerner, Christiansen und Maischberger, weniger noch bei Beckmann. Diese nämlich führen fast nur noch Verkaufsgespräche. Irgend etwas gibt es immer zu verkaufen, an diesem Wochenende etwa das neue Buch von Bill Clinton. Den Ausschlag gibt dabei die Promotionsfläche und - das Geld.

          Alfred Biolek muß, als er dem Betrieb vor einem Jahr nach der 485. Show und zwölf Jahren als Talkmaster adieu sagte, gespürt haben, daß Sendungen, wie er sie macht, auslaufen. Er hat gegen Windmühlen gekämpft, sich auf einem Feld bewegt, auf dem heute allein das Gesetz des Boulevardjournalismus gilt. Der aber hat mit Bios "Boulevard", der stets ein menschenfreundlicher war, nichts gemein. Und dann diese wunderbar selbstverliebte Eitelkeit, das genüßliche Herumköcheln, Spachteln und Süffeln in seiner Kochshow, das Parlieren, Charmieren und auch Versagen vor "harten" politischen Gesprächen, ob mit Kohl, Schröder oder Putin - es war fast immer ein Genuß, Biolek zuzusehen, er gab nie vor, zu den letzten Dingen vorzustoßen.

          Also, man mag ihn. Wie sehr, das bezeugt das Festprogramm, das ihm "seine" Sender jetzt widmen. Es war früher (wir reden noch von 2003) nicht alles besser, er aber war besser, feinfühliger, gebildeter, höflicher - menschlicher. An diesem Samstag wird Professor Dr. Alfred Franz Maria Biolek, ehemaliger Justitiar des ZDF und Talkmaster der ARD, siebzig.

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