https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kino/sibel-kekilli-im-interview-es-ist-mein-leben-1145047.html

Sibel Kekilli im Interview : Es ist mein Leben

  • Aktualisiert am

Es fällt auf, daß Ihre Nase heute ein wenig stupsiger ist als noch in "Gegen die Wand". Haben Sie sie operiert, um weniger türkisch auszusehen?

Nee, überhaupt nicht. Ich hatte seit meinem 17. Lebensjahr Komplexe wegen meiner Nase, ich fand sie zu lang irgendwie, und ich habe mir seitdem gesagt, wenn ich es mir einmal leisten kann, werde ich sie operieren lassen. Das war mein Traum. Ich muß aber sagen, ich hätte mir die Nase nicht vor dem Film operieren lassen. Die alte Nase gehört noch in diesen Film rein. Aber danach hat für mich ein neues Leben angefangen.

Und das alte holt Sie gerade mit ziemlicher Wucht ein.

Natürlich ist es jetzt für die "Bild"-Zeitung interessant, was ich alles schon gemacht habe, aber diese Aufregung? "Filmdiva" haben sie mich genannt! "Filmdiva" und "Pornostar". Hallo? Ich war eine kleine Pornodarstellerin und mehr nicht. Und als das mit der deutschen Filmdiva irgendwie nicht gezogen hat, anscheinend, da sind sie dann plötzlich die türkische Schiene gefahren, dann hieß es plötzlich: die junge Türkin.

Was ist schlimmer: Daß sich jetzt Bekannte aus Ihrer Vergangenheit zu Wort melden und alle etwas über Sie zu sagen haben - oder daß Ihre Familie da mit hineingezogen wird?

Ich finde alles schlimm. Da melden sich jetzt irgendwelche Leute und behaupten, ich sei "naturgeil" gewesen oder hätte damals schon Starqualitäten gehabt und jeder hätte gewußt, daß ich mal berühmt werden würde. So ein Quatsch! Die kannten mich doch alle kaum. Und natürlich finde ich es auch schlimm, daß sie an meine Eltern herangetreten sind. Aber daß meine Eltern dazu dann auch etwas gesagt haben, finde ich schade.

Wahrscheinlich waren Sie mit der Situation überfordert.

Ich mache ihnen keinen Vorwurf, die stellen das sicher sehr geschickt an, diese "Bild"-Reporter. Jetzt melden sich sogar Leute, die doch eigentlich wissen müßten, daß man sich dazu nicht äußert - ehemalige Lehrer, Amtsleiter. Plötzlich wollen alle immer schon gewußt haben, daß ich es sowieso nicht lange aushalte in der Müllabteilung, weil ich ja immer Star sein wollte oder so. Oder meine Schwester. Ich nehme es ihr zwar nicht übel, wirklich nicht, aber daß auch sie sich öffentlich äußern mußte, das finde ich eigentlich traurig. Aber die Methoden sind halt ziemlich gerissen. Die "Bild"-Zeitung sagt mir zum Beispiel: Wir wollen jetzt an deine Eltern ran. Aber wir können sie in Ruhe lassen, wenn du uns ein Interview gibst. Ich laß mich ganz bestimmt von denen nicht erpressen.

Was sagen Sie denn dazu, daß Uschi Glas Ihnen öffentlich beisteht?

Ganz ehrlich, ich möchte mich bei allen bedanken, die mir beigestanden sind, auch bei Uschi Glas. Ich habe noch nie so einen Rückhalt erlebt in meinem Leben, noch nie.

Glauben Sie, der ganze Rummel um Ihre Person hat eine Auswirkung auf den Film, der am 11. März ins Kino kommt?

Ich glaube, daß da jetzt mehr Leute reingehen werden. Ich würde das den Leuten auch empfehlen: Bevor sie mir gegenüber irgendwelche Vorurteile haben, sollten sie sich den Film erst mal ansehen. Dann können sie immer noch über mich urteilen, aber sie sollten ihn sich erst mal angucken. Ich meine, wir haben mit diesem Film den Goldenen Bären geholt - für Deutschland das erste Mal seit achtzehn Jahren und für die Türkei zum ersten Mal überhaupt. Das sollte man auch nicht ganz vergessen.

Weitere Themen

„Ich brenne immer noch für diesen Beruf“

Glenn Close : „Ich brenne immer noch für diesen Beruf“

Sie ist eine der wandlungsfähigsten Schauspielerinnen ihrer Generation: Glenn Close, inzwischen unglaubliche 75. Hier spricht sie über Grauzonen, ihr Heim im ländlichen Montana – und was sie nach Drehende mit ihren Kostümen anstellt.

Topmeldungen

Populäre Projektionsfläche: Elon Musk

Tech-Treffen DLD : Scheitern ist (k)eine Option

Die Menschheit erzielt weitreichende technische Durchbrüche, während sie politisch, wirtschaftlich und kulturell durcheinander gerät – und einmal mehr die Frage im Raum steht: Schaffen wir das?
Wolodymyr Selenskyj am Freitag in Kiew

Ukraine-Liveblog : Selenskyj: Nur Diplomatie kann den Ukrainekrieg beenden

Russland stoppt Gaslieferungen nach Finnland +++ Ukrainischer Präsident sieht Mitschuld des Westens an Niederlage in Mariupol +++ Militärhistoriker: Scholz zeigt Putin seine Angst, das ist unklug, riskant +++ alle Entwicklungen im Liveblog.

Russlandpolitik der SPD : Nah an Putin

In Niedersachsen laufen viele Fäden der Russlandpolitik der SPD zusammen. Sie wähnt sich im Geiste Willy Brandts, hat aber viel mit Geschäften zu tun. Ein Beispiel: Sigmar Gabriel.
2019 erst eröffnete Apple ein neues Bürogebäude in Cupertino. Dennoch arbeiten viele Mitarbeiter des Unternehmens lieber vom heimischen Schreibtisch aus.

Homeoffice im Silicon Valley : Apple und der Homeoffice-Knatsch

Die amerikanischen Tech-Konzerne gelten als Traum-Arbeitgeber. Aber jetzt stehen viele schicke Büros leer. Ist Anwesenheitspflicht die Lösung? Vor allem bei Apple gibt es nun deshalb richtig Knatsch.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.
Bildungsmarkt
Alles rund um das Thema Bildung
Sprachkurs
Verbessern Sie Ihr Englisch
Sprachkurs
Lernen Sie Französisch