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Sibel Kekilli im Interview : Es ist mein Leben

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Ich kann meine Eltern verstehen. Es tut mir unendlich leid, daß sie es so erfahren haben, aber ich werde mich für meine Vergangenheit, für mein Leben bei niemandem entschuldigen. Ich habe niemandem weh getan, ich habe nichts Illegales getan, ich habe keinem Menschen geschadet - außer mir selber, wenn überhaupt. Meine Eltern schämen sich jetzt wahrscheinlich für mich. Sie denken wahrscheinlich, die Leute zeigen mit den Fingern auf sie und sie können niemandem mehr in die Augen gucken. Das tut mir wirklich leid, aber es ist nun mal passiert, und ich kann und ich möchte es nicht ändern. Und ich bin darüber auch niemandem eine Rechenschaft schuldig. Jeder Mensch hat eine Vergangenheit, ich bin 23, meine Vergangenheit war vielleicht etwas heftiger, aber so ist das nun mal, und ich kann es auch nicht auslöschen, es gehört zu mir.

Haben Sie Kontakt zu Ihren Eltern?

Nein.

Hatten Sie vor der "Bild"-Zeitungskampagne Kontakt?

Natürlich. Meine Eltern wußten auch, daß ich in "Gegen die Wand" spiele. Wie gesagt, sie sind ziemlich offen, aber die Sache mit den Pornos war zu hart für sie.

Auf der Berlinale wurden Sie als Schauspieldebütantin gefeiert. Die Boulevardpresse scheint sich da von Ihnen getäuscht zu fühlen.

Aber es stimmt: "Gegen die Wand" ist mein Schauspieldebüt! Was hat denn Pornographie mit Schauspielerei zu tun? Was hat, Entschuldigung, Ficken mit einer Charakterrolle zu tun? Hätte ich mich bei der Berlinale hinstellen sollen und ungefragt sagen, Leute, ich weiß ja nicht, wen es interessiert, aber ich habe mal Pornos gedreht?

Regisseur und Produzenten wußten davon?

Natürlich. Ich habe ihnen gleich gesagt, hört mal, so sah mein Leben bisher aus. Einfach, um fair gegenüber den Menschen zu sein, mit denen ich arbeite. Aber ich bin nicht dazu gezwungen, das öffentlich zu machen. Es ist meine Vergangenheit. Und es ist: Vergangenheit.

Gab es Überlegungen mit den Produzenten, wie man mit dem Thema umgeht, ob man damit vielleicht offensiv an die Öffentlichkeit geht?

Die Produzenten von Wüste Film, der Regisseur Fatih Akin und ich haben beschlossen, meine Geschichte nicht nach außen zu tragen.

"Gegen die Wand" erzählt die Geschichte von Sibel, einer jungen Türkin in Hamburg, die zum Schein einen Türken heiratet, um ihre Familie zufriedenzustellen und dann heimlich zu tun und zu lassen, was sie will. Ist so etwas denkbar?

Natürlich gibt es das, und ich kann gut verstehen, daß manche Mädchen einen Weg wählen, der nicht ganz so hart ist, daß sie sagen, ich mache was ich will, aber eben heimlich. Für mich käme es nicht in Frage, einen Menschen zu heiraten, den ich nicht liebe.

Um auch das vielleicht gleich zu klären: Was hat es mit der neuesten Enthüllung der "Bild"-Zeitung auf sich, Sie verschweigen, daß Sie verheiratet sind?

Das stimmt nicht, aber ich wollte vor fünf Jahren meinen damaligen deutschen Freund heiraten. Das Aufgebot stand, wir hatten sogar ein großes Fest. Die Trauung verzögerte sich aber, weil es Schwierigkeiten mit meinen Papieren aus der Türkei gab, und schließlich heirateten wir nicht.

Jeden Tag wird etwas Neues über Sie ausgegraben, vielleicht einfach mal der Reihe nach: Sie sind 1980 in Heilbronn geboren. Was machen Ihre Eltern?

Mein Vater ist Arbeiter, meine Mutter Putzfrau.

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